Tour 2

von Calvi zum Cap Corse…ein absolutes Muss

 

San Ambroggio San Ambroggio

 

Es ist frühmorgens und traumhaftes Wetter.

 

Wir wollen heute zum Cap Corse, dem nördlichsten Punkt von Korsika. Unseren Informationen nach soll das eine der schönsten Touren sein. We will see...

 

Also noch schnell an die Tanke und dann erstmal raus aus Calvi.

 

Auf der N197 geht es immer an der Küste entlang nach Norden.

 

Schon nach den ersten Kilometern ist der erste Fotostopp in San Ambroggia angesagt. So wie es hier aussieht kann man alle paar Meter stehen bleiben. Da wird der Tag lang werden....

 

Als nächstes fahren wir an Algajola und Aregno vorbei Richtung L'Ile de Rousse, einem der vielen touristischen Highlights. Hier machen wir eine kurze Besichtigung inclusive dem obligatorischen Cappucino direkt am malerischen Marktplatz.

Nach der kurzen Verschnaufspause geht es weiter nach Lozari. Kurz danach biegen wir hinter Ostriconi links ab auf die D81 Richtung Saint Florent.

 

Nun beginnt die Kurvenhatz....Das sich den Berghang hochschlängelnde Panoramasträsschen ist uns ja vom Ankunftstag schon bekannt und so lassen wir der Gashand bis hoch zum Aussichtspunkt freien Lauf. Ist ja auch kaum Verkehr auf der Gasse. Soll uns nur recht sein.

 

Oben auf dem Parkplatz bietet sich...wen wunderts...ein Rundblick vom feinsten. Auf der einen Seite Küste.

 

Im Hintergrund sieht man heute auch den Monte Chinto mit seiner Schneekappe. Das ist übrigens der höchste Berg Korsikas mit etwas über 2700 Metern.

 

Vor uns liegt die Desert de Agriates, eine etwas schroffe Hochfläche, überwiegend eine Stein-und Felswüste und am Horizont sind schon die ersten Ausläufer des Küstengebirges vom Cap Corse zu sehen. 

Blick auf Saint Florent Blick auf Saint Florent

 

Ab dem Aussichtspunkt sehen wir bis Saint Florent fast keine Menschenseele mehr.

 

Die Touristen schaffen es gerade bis hierher.

 

Das Strässchen windet sich wirklich wie eine Schlange über das Plateau, gesäumt von riesigen Steinbrocken.

 

Es geht keinen Meter geradeaus. Hinter jeder Kurve sieht das Gelände anders aus und gibt faszinierende Ausblicke frei.

 

Im Vorfeld der Reise nach Korsika hatte ich per Email eine Anfrage von einem rumänischen FJR-Fahrer bekommen, der mich fragte ob wir uns vielleicht treffen könnten. Er wäre ja mit seinen Kumpels zur selben Zeit da wie wir. Also hatte ich den Kollegen gestern noch per Handy angerufen. Wir wollten uns ins Saint Florent treffen. Mal sehen ob das klappt?

Treffpunkt Saint Florent Treffpunkt Saint Florent

 

Wir machten uns also Richtung Saint Florent auf die Socken um irgendwo an der Hauptstrasse einen geeigneten Treffpunkt zu finden.

Mittlerweile hatte die Kurvenhatz auch schon wieder reichlich Kalorien verdampft....sprich leichtes Hungergefühl und Kaffeedurst.

 

Genüsslich ein Schinken-Käse-Baqutte in der Hand warteten wir dann der Dinge.

 

Siehe da, ca eine halbe Stunde später tauchten die drei rumänischen Kollegen wirklich auf. Zwei nagelneue FJR und einer mit einer Uralt-BMW. R60 glaube ich...weiss nicht mehr so genau. Grosses Hallo und anschliessend Benzingeblabber. Der Fahrer der R60 war ein Bär von Kerl. Minimum 2,10m hoch aber auch 3 Zentner schwer...mindestens! Und das war sein Problem. Bei der Anfahrt hatte der wohl auf einer der zahlreichen Holperpisten in Off-Road-Manier sein Uralt-Mopped total zerlegt. Lenkkopflager und Schwinge kaputt. Für den war Korsika ohne Reparatur wohl gelaufen. Der hatte den restlichen Tag genug damit zu tun das Mopped irgendwie wieder nach Bastia zu bringen. Mit uns zusammen weiterfahren war so leider nicht drin und so sind wir dann weiter Richtung Cap Corse aufgebrochen. Schade.

 

Was uns hinter Saint Florent erwartete, kann man nur als absoluten Wunschtraum eines Motorradfahrers erklären. Tschuldigung...erklären geht nicht, das würde einen Roman geben. Das muss man selber erlebt haben.

 

Der folgende Streckenabschnitt  auf der D81von Saint Florent über Nonza und Albu mit den schwarzen Stränden bis hoch an die Nordspitze des Cap Corse war bis dato das geilste was ich je gefahren bin.

 

Warum sind die Strände bei Nonza absolut schwarz?

In der Vergangenheit wurde Asbest an den Steilhängen des Cap Corse in grossem Stil abgebaut und der Abraum wurde einfach die Berghänge hinunter gekippt. Durch die später erkannten Gesundheitsgefahren wurde der Abbau immer weniger und damit uninteressant. Seit langem sind die Fabriken stillgelegt. An den Stränden ist die Belastung durch Asbest an bestimmten Stellen teilweise immer noch so hoch, dass dort die Strandbenutzung untersagt oder auf eigene Gefahr erfolgt. 

 

Die Strasse führt die Klippen direkt an der Küste hoch und runter. Auf der linken ein Knallerblick nach dem anderen. Buchten, eine schöner wie die andere, malerisch bunte, an die Felshänge geschmiegte Dörfchen. Auf der anderen Seite freie Blicke auf das Küstengebirge. Alles in allem, ein Highlight wird vom nächsten gejagt. Weiter oben am Cap Corse biegen wir in Centuri rechts ab und fahren die D 80 über Macinaggio nach Meria an die Ostküste.

Von dort aus die D35 wieder zurück nach Morsaglia an die Westküste. Normalerweise fahren wir wenn möglich nicht diesselbe Route wie bei der Anfahrt aber die Route an der Westküste war so gigantisch, dass wir genau diesselbe Strecke nach Calvi zurückfahren wollen.

Was soll mich mehr sagen...schaut euch einfach die Bilder an.

Ein ganz besonderes Highlight hatten wir, besser gesagt ich, dann auch noch. Irgendwie haben wir immer eins auf unseren Touren.

Jedenfalls verfolgt uns schon eine ganze Zeit ein Trupp von der Knieschleiferfraktion. Ducatis und Aprilias. Wie die Irren überholen die uns am laufenden Band auf der wirklich nicht breiten Strasse. Kurz vor einer Kurve die bergab durch ein Waldstückchen führt blasen die 2 Ducatis wieder uns vorbei. Der Apriliafahrer packt es nicht mehr und muss hinten dran bleiben. In meinem Aussenspiegel sehe ich hinter Klaus, der am Schluss fährt, laufend seine Scheinwerfer aufblitzen. Der hat anscheinend Frust.

Vor mir verengt sich die Strasse. Ein schmales Brückchen, gerademal breit genug für ein kleines Fahrzeug und von unten kommt auch schon ein Kleinwagen angefahren. Nervös schaue ich nochmal in den Aussenspiegel und sehe wie der Apriliafahrer gerade haarsträubend den Klaus und anschliessend noch Purzel überholt und wild bremsend hinter mir einschert. ICH HASSE SOWAS. Der entgegenkommende Kleinwagen ist jetzt schon fast an der Brücke und ich denke mir noch, der Depp hinter mir wird doch nicht etwa......und da ballert der wahnsinnige auch schon an mir vorbei und schneidet mich dermassen, dass ich voll in die Eisen langen muss um nicht am Brückengeländer einzuschlagen. ABS sei Dank packe ich es haarscharf, an den Eisenteilen des Geländers vorbei zu kommen. Der Chaot merkt jetzt, dass er es nicht mehr packt, kommt ins schleudern, fräst haarscharf auf dem Brückelchen an dem Kleinwagen vorbei, verliert vollenst die Kontrolle und bläst volles Programm in den Graben. Eine Staubwolke, das Farn schlägt über ihm zusammen und weg ist er. 

 

Schnaubend vor Zorn stelle ich meinen Bock ab. Mein Blutdruck jenseits von gut und böse als der Kasper aus dem Farn rausgekrochen kommt und mir gegenüber vor sich hinbrummelt, dass das gerade wohl etwas knapp gewesen wäre....?? Grosser Fehler!!! 

Ich ziehe mit der rechten einen gewaltigen Halbkreis und scheppernd schlage ich ihm dermassen auf seinen noch behelmten Kopf, dass es ihn fast nochmal in den Staub legt.  Sein herbeieilender Freund fragt Purzel warum ich dem "armen" Kerl eine Ohrfeige verpasst hätte...?

Purzel knurrt ihn an wie ein Wolf....wenn DUUUU nochmal so blöd fragst, fängst DUUU auch noch eine und eure Moppeds schmeissen WIR die Klippen hinab...KLAR?!!!

Danach war dann alles klar, der Aprilia-Kasper hat sich kurze Zeit später dann noch bei mir entschuldigt. Passiert war ihm beim Sturz nichts grossartiges. Ein paar blaue Flecken....und  wahrscheinlich ein geschwollenes Ohr.

Für ihn war Korsika auf absehbare Zeit sowieso gestorben, da seitlich an der Aprilia alles mögliche weg war. Wer sein Mopped liebt der schiebt....

 

Wir sind dann ein paar Meter auf eine Parkbucht weitergefahren....erstmal ein paar Nikotinröllchen reinziehen um Dampf abzulassen.

 

Ein paar Minuten später setzen wir unsere Tour fort.

 

Spätabends sind wir dann wieder in Calvi eingelaufen. Das war eine unseren schönsten Touren die wir je gefahren sind. 

Absolut Top. Circa 284 Kilometer vom allerfeinsten.

Monsieur POPO mault zwar, egal...Abends nach dem Essen und ein paar ( es können auch ein paar mehr gewesen sein ) Bierchen sind wir dann alle zur Erkenntniss gekommen, dass Korsika nur sehr schwer zu toppen sein wird.

 

Ach ja, an diesem Abend musste ich zu meiner "ÜBERRASCHUNG" leider noch feststellen, dass mein Videorecorder das Zeitliche gesegnet hatte. Reparaturversuche habe ich dann um Mitternacht aufgegeben. Sämtliche Aufnahmen futsch. Also leider keine Filmchen von Korsika.

Die Scheisse soll den Elektronikgott treffen.

 

 

 

 

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