Endlich hats geklappt  !

 

Mit dem Motorrad in Südafrika

 

 

 

Seit Anfang 2009 bin ich jetzt beruflich in Südafrika unterwegs....uuuuund es hat nie geklappt.

 

Entweder war keine Zeit oder an den Wochenenden war anderes angesagt. Zumal es auch seltsamerweise nicht möglich war eine R 1200 GS für einen oder zwei Tage zu mieten. Ich wollte ja was Offroad-taugliches. Die Mietstationen für BMW in Kapstadt sind von Freitag mittag bis Montag mittag geschlossen, also steht man des öfteren vor geschlossenen Offices und vorher buchen war nicht drin.

In der Nähe meines Appartment befindet sich eine Harley Station.....das is nix für die "gravel ( ungeteert-staubig )Roads"......die 2 einigermassen geländetauglichen Buells die der Händler hatte waren ständig kaputt und so da bin ich mehr wie einmal unverrichteter Dinge und gefrustet wieder weg.   

 

Aber bevor "2012" die Welt untergeht, so jedenfalls war so die Vorhersage eines aktuellen Kinofilms, wollte ich unbedingt wenigstens einmal auf zwei Rädern die Umgebung erkunden. 

 

 

Also......DOCH Harley....wenns not tut....und es tat not..!!!!!!!

 

 

Freitag abends beim freundlichen Harley Händler eingetrudelt...Ich will die gelbe Buell ordern, Kenny der freundliche schüttelt mit dem Kopf...das Dingens ist wieder mal "damaged"( kaputt )...scheisse nochmal aber auch.

 

Mit vor Zorn leicht geröteten Augen schaue ich mich um. Nur noch "Eisenhaufen" da...aber jetzt ist Schluss mit lustig und MORGEN wird Motorrad gefahren.

Ich entscheide mich für die V-Rod...wenn schon denn schon.!!

 

Wir schreiben den 20.ten Februar 2010..ich bei Frühtau bei der Station. Kurze Einweisung..Motor angelassen...neidlos muss man sagen...der Ton ist einsame Klasse. 

 

Ich rolle vom Parkplatz und finde mich Sekunden später auf der falschen Strassenseite wieder..???...nicht das ich da hin wollte...aber man bewegt eine V-ROD nicht wie eine BMW..!!! Lenken ist da so eine Sache für sich. Also die nächste Parkbucht angesteuert und die geplante Route umgeschmissen. An das Teil muss ich mich doch erst ein bisserl gewöhnen.

Harley V-Rod Harley V-Rod

 

 

Auf der N7 gebe ich dem Eisenpferd erstmal die Sporen.

 

Gerade aus kein Problem..das macht sogar richtig Laune.

 

Das Gebrüll aus den beiden Abgastüten dringt problemlos an beide Trommelfelle und bringt die Gehörknöchelchen so richtig in Bewegung....

 

 

...heute abend werde ich wohl taub sein...!!

 

 

 

Piekenierskloof Piekenierskloof

 

 

 

Jetzt will ich mal sehen was mein Metallhengst so drauf hat...aber ab 90km/h verschwimmt mein nach vorwärts gerichteter Blick zusehendst.

 

Meine Augengläser hüpfen dermassen auf meiner Nase herum....Brrrrr....oder wie sagen Harley-Treiber....langsam musst du tun...cruisen!?...also von jetzt an cruise ich, vor allem als die ersten Kurven der Pikenierskloof mich an die ( Un )handlichkeit der Harley erinnern. 

 

 

Sneeuberg bei Citrusdal Sneeuberg bei Citrusdal

 

 

In  Citrusdal biege ich auf die R303 ab und fahre vorbei am Sneeuberg Richtung Middlebergpass. 

 

Vor mir auf einmal Ende des Teerbelags. Feldweg...staubig braun und hoppelig. Geil...so liebe ich das....

 

Ca.500 Meter später klopft mein linkes oberes Amalganplömbchen an und sagt...mach weiter so und ich verlass Dich.

 

Rückenwirbel Nr.7 - 12  schliessen sich an und da sich nach weiteren Metern sich noch mehrere Skeletteile zusammen mit den Bandscheiben verbünden und in gemeinsamen Streik treten und über die Nervenbahnen unmissvertändlich Schmerzsignale an das Großhirn senden, gebe ich auf. So weh es tut...mit einer Harley ist das nicht zu machen..GRRRRR

 

Ich drehe dann um und fahre zurück nach Cape Town. Ausserdem >>>>> Bitte nur normale Strassen fahren hat mein freundlicher Harley Händler gesagt...!! 

 

 

Durch weite Ebenen führt die N7 zurück nach Cape Town. Dort fahre ich erst mal hoch auf den Tafelberg..vorbei an der Seilbahnstation zum Eingang zum Devils Peak. Normalerweise ist die Streckgesperrt aber heute hat einer wohl vergessen dieSchranke runter zu lassen. Nach ein paar Metern werde ich dann von 2 freundlichen Cops gestoppt. Wieso ich hier fahre...ist doch gesperrt....aber die Schranke war doch offen..!...waren die Cops..die dürfen das...ich nicht.

 

Ich troll mich dann bevor die Cops noch auf "dumme" Gedanken kommen und nehme die M62 Richtung Camps Bay.

 

Auf einem der Aussichtspunkte werfe ich begeisterte Blicke auf die vor mir liegende Szenerie. Unten die palmenbestandenen weissenTraumstrände von Camps Bay, rechts der in der Sonne liegemde Lions Head und hinter mir die wie auf einer Perlenkette aufgereihten Felsvorsprünge der "12 Apostel".

 

 

In Camps Bay angekommen biege ich nach links auf die Küstenstrasse M6 ab.

 

Jetzt wirds richtig klasse.  Die gute Strasse führt in weit geschwungenen Kurven direkt am Atlantik entlang. Hier kommt sogar die fette Harley richtig gut....cruisen....!

 

Dann gehts den Hang hoch und der Blick nach Llandudno, einem der kleinen aber feinen Küstenörtchen, verleitet mich hinunter zum Strand zu fahren.

 

"Llandudno Beach" soll einer der schönsten sein. Wollen mal sehen. Kurz danach bin ich dort und......einfach geil..!!

 

 

Hout Bay Hout Bay

 

Ich muss leider weiter...will ja noch mehr sehen.!

 

Kurz darauf erreiche ich Hout Bay..wieder ein Hotspot.

 

Keine Zeit für einen Aufenthalt an der "Mariners Wharf" denn ich will in Ruhe über den "Chapmans Peak" einen der atemberaubensden Abschnitte der Küstenstrecke, bevor der ganz normale Touristenwahnsinn losbricht.

 

Und bei diesem Traumwetter lohnt sich das viel viel mehr als an übervollen Plätzen zwischen den Touris herum zu stolpern.

 

Siehe einfach die folgende Bildergalerie

 

 

Strand von Kommetije Strand von Kommetije

 

Chapmans Peak ist ein absolutes Muss für jeden Zweiradtreiber. Kurz nach der anschliessenden Abfahrt....ein Knallerstrand nach dem anderen.

 

Ich versuche zu vermeiden jedesmal das Prädikat "das ist jetzt aber der schönste Strand" neu zu vergeben.....sinnloses Unterfangen..!!

 

In Kommetije fahre ich Richtung Scarborough. Die M65, das mittlerweile schmäler und  hoppeliger gewordene Strässchen schlängelt sich den Hang hinauf und kurz danach werden meine Äuglein schon wieder groß. Die "Misty Cliffs" liegen vor mir. Hier ist immer Wasserdunst in der Luft was ja auch zu dem Namen dieses Küstenabschnittes beigetragen hat. Einfach nur klasse.

Smithwinkel Bay Smithwinkel Bay

 

 

 

Das Cape of Good Hope Nature Reservat lasse ich notgedrungen links liegen....die Zeit wird sonst zu knapp. So cruise ich lieber gemütlich die Küstenstrasse weiter Richtung Simonstown.

 

Traumhaft.

 

In Kalk Bay fahre ich links auf den "Boyes Drive" hoch. Hier oben könnte man alle paar Meter stehen bleiben... 

 

man geniesse die Bilder

 

Von hier wollte ich über die R310 an der Küste entlang nach Sommerset West fahren.

Aber irgendwie habe ich mich im Gewirr der Strassen, Baustellen und Umleitungen verfranzt und bin dann irgendwie mitten in Khayelitsa, einem der größten und wohl auch gefährlichstem Townships Südafrikas gelandet.

Und an dieser Stelle sei es erlaubt auch mal Kritik am politischem System Südafrikas zu üben

Was man hier zu sehen bekommt stimmt einen gelinde gesagt sehr sehr nachdenklich. Das hat nichts mehr mit leben an der Armutsgrenze zu tun. Das ist weit weniger.!! Nur menschenverachtend.!!

 

 

Da wird unverständlich was hier in Südafrika für die Fussball WM 2010 Unmengen für Geld, teilweise sinnlos, ausgegeben wird. Einen Teil dieses Geldes hätte man wesentlich sinnvoller ausgeben können oder müssen wenn man das hier "LIVE" gesehen hat. "Normal-Touristen" bekommen normalerweise, wenn sie denn überhaupt wollen, nur einigermassen erträgliche "Vorzeige-Townships" wie "Imizamu Yetho" bei Hout Bay zu sehen. Meiner Meinung nach hätte die WM niemals nach Südafrika vergeben werden dürfen bevor solche Zustände nicht beseitigt sind.

 

Nun zum letzten, wirklichem Highlight.

Kurz nach Sommerset biege ich Richtung Gordons Bay und Kleinmond ab. Auf der R44 befahre ich nun einen der grandiosesten Küstenstrassenabschnitte Südafrikas.

Immer am Saum der False Bay entlang, nach jeder Kurve faszinierende Ausblicke auf das Küstengebirge und hinüber zum Kap der guten Hoffnung.

Die Beschreibung spare ich mir hier. Die folgenden Bilden sprechen für sich.!

 

 

 

 

Von hier aus trete ich dann über die Autobahn den Rückweg nach Cape Town an.

 

 

Nach wissentschaftlichen Erhebungen hat der menschliche Körper so um die 238 Knochen.

 

Als ich an der Viper-Lounge ächzend von der V-Rod absteige ist eines für mich klar... das muss falsch sein...ich spüre mindestens 400 Knöchelchen die multiple Schmerzsignale aussenden..!!

 

Das kann ja noch heiter werden

 

Trotz Harley..Es war ein geiler Tag und hat mein Hirn freigemacht.

 

 

 

Was ich an diesem Abend noch nicht wissen konnte: es sollte jemand aus dem Großraum Wuppertal in mein Leben treten, der meine Entscheidung niiieeee mehr eine Harley besteigen zu wollen, zunichte machen sollte.

 

 

  

 

 

Günther

Seines Zeichens Servicetechniker, der nun zum 2.ten mal in kurzer Zeit bei uns auf Reparaturmission war und wir beide haben uns da schon so manche Nacht um die Ohren geschlagen. Arbeitstechnisch..nur um jegliche Zweifel zu zerstreuen..!!!

 

Eines Abends beim Abendessen kamen wir im Gespräch darauf, dass er lustigerweise die ganze Zeit Südafrika nur bei Nacht gesehen hat...der Arme((((

Tage später, wieder beim Abendessen, hat er dann ein bisschen rumgedruckst und mich dann gefragt, ob ich mir vorstellen könnte mit ihm eine Runde Motorrad zu fahren. Ausgerechnet mich fragt er das?!...Klar doch Günther..das machen wir..!! Ich glaube im selben Moment har er seine Frage so ein bisserl bereut...schon lange nicht mehr gefahren...keine Praxis...doch kleine Bedenken usw...

Zu spät...mitgegangen...mitgehangen.

Am nächsten Tag sind wir zum freundlichen Harley-Händler. Und ob ichs geahnt hätte..die Buell war schon wieder kaputt. Aber da wäre ja noch die V-Rod vom letzten Mal. NENEEEEEE..das tut nich not..!!! Für mich bitte die Heritage Softtail und Günther entschied sich für die Fat Bob. So Günni...nun isses gewiss..morgen früh fährst Duuuu Mopped. Die Nacht hat er wohl nach eigener Aussage etwas unruhig geschlafen..(((

 

Die Tour sollte ans Kap gehen, also im Umfang vergleichbar mit der Tour die ich alleine gefahren bin. Deswegen hier keine nachfolgende Beschreibung. Nur die Bildergalerie.