Montag 30. Juli 2007
Grantown-on-Spy - Fraserburgh
Nach einem mäßigen Frühstück verlassen wir Granton-on-Spey in Richtung Tomintoul. Wie immer nieselt es leicht aber nach einer halben Stunde kommt die Sonne durch und der Wind vertreibt die restlichen schwarzen Wolken. Bei Ballindalloch - Bridge of Brown - verlassen wir die Highlands und befinden uns nun ab jetzt in den Grampians in der Region Cairngorms Nationalpark.
Eingang zu den GrampiansEine hügelige, wilde und einsame Gegend. Das Gebiet ist, abgesehen von einigen Regionen wie Aviemore, ein Winter- und Schneesportzentrum, sehr dünn besiedelt.
Wir durchfahren Tomintoul und am Ende der Hauptstraße stehen wir vor einem Feldweg. Steffi hat nix von „abbiegen" gesagt, auch nach wiederholtem aus- und einschalten des Zümo, beharrte Steffi darauf, dass es hier auf der alten Military Road weitergeht.
Off-Road bei TomintoulEigentlich sieht der Weg recht vertrauenserweckend aus, kleinere Wasserlöcher waren zu sehen, sonst nichts. Also fuhr ich los.
Nach einiger Zeit wandelte sich der Weg, wieder mal, zur gemeinen Schlammpiste. Pfützen wurden zu kleinen Tümpeln, die zu durchfahren machte richtig Laune. Dann kamen wieder die tiefen Fahrrinnen und um das Ganze noch interessanter zu machen, kam ein richtiger See ins Blickfeld. Oh was eine Sch... .
Jürgen kam nach kurzer Überlegung zu der Erkenntnis, dass es nix hilft also „Augen zu und durch".
Jürgen fuhr zuerst los, ich wartete bis er am anderen Ufer ankam. Ganz schön tief und seifig dachte ich mir, als ich Jürgens Schlingerfahrt beobachtete. Dann war ich dran. Also los,
mitten im Wasserloch fängt die GS an zu schwänzeln, das Hinterrad dreht durch. Ich denke mir noch, lieber nasse Füße, als ein Vollbad und bleibe mitten im See stehen. Wasserdampf steigt hoch, ich
spüre die Füße werden Nass und denke nur noch, hier musst du ganz schnell raus. Hoffentlich hat der Reifen Grip und gräbt sich nicht ein oder schmiert seitlich weg, denn dann nehme ich sicher ein
Schlammbad, merde, merde, is eh egal, habs ja so gewollt.
Jürgen steht am Ende des Wasserlochs und lacht sich eumelig, in Erwartung was sein könnte. Ne, Ne den Gefallen tue ich dir heute nicht, mein Brüderlein.
Ein bissel mit Kupplung und Gas spielen, der Reifen hat wieder Grip und so fahre ich auch aus dem See heraus. Was denn, war doch ganz leicht und easy.
Jürgen und ich, kommen immer mehr zu der Überzeugung, Off-Road fahren, macht tierischen Spaß!!
Nach einer kurzen Erholungspause und nötigem Sockenwechsel fahren wir auf normalen Straßen weiter.
Die Mopeds sind
sowas von versaut, um die wieder sauber zu bekommen reicht ein Tag intensives Reinigen bestimmt nicht aus.
Strathisla DistilleryIn Keith besuchen wir ganz kurz die Strathisla Distillery, der Ursprung des Chivas Regal und Pernod. Wer hätte das gedacht.
Unser Weg führt uns weiter über Fochabers und die B9104 zur Spey Bay bei Buckie. Hier treffen wir erstmalig auf unserer Reise, auf die Nordsee die sich recht stürmisch präsentiert.
Auf diesem Weg entlang der Spey Bay, die wegen ihrer langen Sandstrände eine immer beliebtere Baderegion wird, genießt man herrliche Aussichten über dem Moray Firth bis hinüber zu den Hügeln von Sutherland.
Lange halten wir uns nicht in Buckie auf. Es ist schon fast Mittag und wir haben vor in Cullen die lokale Speziallität die „Cullen Skink" zu genießen.
Portknockie an der Cullen BayDie Straße führt uns entlang der Nordseeküste, ein recht strammer Wind bläst von der Nordsee an Land und die Wellen sind schon recht hoch. Eine faszinierende Landschaft, wo soll man zuerst hinschauen oder anhalten?
Blick von der Upper Town zur Cullen BayCullen, eine kleine Küstenstadt an der gleichnamigen Bucht ist in die Sea- und Uppertown aufgeteilt. Von der Uppertown bietet sich ein schöner Blick auf die Cullen Bay.
Cullen SkinkDie Motorräder stellen wir am Marktplatz ab, wir gönnen ihnen auch eine Pause. Wir werden nun die „Cullen Skink" eine kulinarische Speziallität von Cullen genießen. Es ist eine herzhafte schottische Suppe aus Räucherfisch und Kartoffeln. Sie ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber doch wohlschmeckend. Hier das Rezept;
2 Filet von geräuchertem, weißen Fisch (traditionell Schellfischfast, noch besser schmeckt Kabeljau)
1-2 Zwiebel(n), gewürfelt
Kartoffelpüreepulver oder frischer Kartoffelbrei
½ Liter Milch, Vollmilch, oder Buttermilch
30 g Butter
Salz und Pfeffer
Das Fischfilet in einem großen Topf mit ausreichend kaltem Wasser bedecken und zum Kochen bringen. Die gehackte Zwiebel dazugeben und 10-15 Minuten gar kochen.
Den Fisch herausnehmen und das Fleisch von den Gräten lösen. Gräten und Haut in die Brühe zurückgeben und weitere 30 Minuten kochen.
Die Brühe sorgfältig in einen sauberen Topf sieben. Das Fischfleisch dazugeben, die Milch dazugeben, nach Geschmack salzen und einige Minuten kochen.
Kartoffelbrei (Menge nach Geschmack - der Kartoffelbrei wirkt als Bindemittel für die Suppe), Butter und Pfeffer hinzufügen und sofort servieren.
Zur Verfeinerung kann auch ein Teil der Milch durch Sahne ersetzt werden.
Eine wirklich herzhafte Fischersmahlzeit von der schottischen Ostküste.
Nach dem Genuss der Cullen Skunk bleiben wir auf der Küstenstraße, die herrliche Ausblicke über die Buchten der Nordseeküste und Fischerdörfer mit ihren geduckten Häusern bietet.
So erreichen wir Portsoy, ein hübscher kleiner Ort, der sich an zwei kleine Hafenbecken drängt. Portsoy ist bekannt für den „Portsoy Marble", ein grüner
Marmor, der sich für jede Art dekorativer Accessoires oder Bauwerke eignet.
Auf dem weiteren Weg nach Fraserburgh durchfahren wir das malerische Banff, dessen Häuser in den steilen Sträßchen unter Denkmalschutz stehen. Oberhalb der Küstenstraße hat man nochmal einen wunderbaren Ausblick auf Banff, bevor die Straße sich vom Meer abwendet und auf das küstennahe Hochplateau zustrebt.
Über das wünderschöne Hochplateau der küstennahen Single-Road fahren wir nun zwei absoluten Highlights entgegen.
Die Küstenlandschaft zwischen Banff und Roshearty ist atemberaubend schön, besonders zwischen Gardenstown und Pennan.
Gewaltige Felswände ragen über hundert Meter aus der Nordsee auf. Crovie ist ein winziges Dorf, dessen Fischerhütten direkt an die Ufermauer gebaut sind und zu denen nur eine kleine, 25 Prozent steile Straßenverbindung führt. Man hat das Gefühl, dass die Zeit hier langsamer läuft, die Häuser tief an den Berg geduckt, trotzen den Stürmen und Elementen.
Pennan PromenadeÜber die steile Straße fahren wir zurück und auf der anderen Seite in unmittelbarer Nachbarschaft liegt der wohl berühmtere Ort Pennan.
Hier wurde der Film Local Hero gedreht. Dieser Film erzählt, wie ein schlauer alter Mann die Vertreter einer internationalen Erdölgesellschaft überlistet hat, die den Strand als Raffinerie ausbauen
wollten.
Das Pennan InnHier im Pennan Inn trank Burt Lancaster, im Film seinen Whisky.
Wir wollten auch eine Pause machen, aber entweder war alles besetzt oder das Pub war noch geschlossen.
Genau weiß ich das nicht mehr.
Die Telefonzelle von PennanDas ist wohl die berühmteste Telefonzelle in Schottland. Sie gibt es wirklich und sie funktioniert auch noch.
Wir reißen uns von den schönen und großartigen Ansichten los, steigen wieder auf die Motorräder und fahren auf der B9031 über Rosehearty unserem Tagesziel Fraserburgh entgegen, wo wir gegen 17:00 Uhr eintreffen. Erst fassen wir Benzin gleich am Ortseingang, danach halte ich, während wir nach Frazerburgh hineinrollen, Ausschau nach B&B-Schildern. Es gibt keine, also halten wir auf dem Marktplatz und Jürgen geht ins Info-Center. Die Dame gibt Jürgen einen Tip wo es vielleicht noch freie Zimmer gibt. Im Ort gibt es nur zwei Häuser wo B&B angeboten wird. Also ins Navi programmieren und los gehts durch die Stadtmitte.
B&B FrazerburghBei Heather Muir haben wir Glück, es ist noch ein feines Zimmer frei.
71 Saltoun Place
Fraserburgh
AB43 9RY
Contact: Heather Muir
Tel: 01346 518356
Am nächsten Tag beim Frühstück wurde Jürgen von Heather zum Geschirrspülen in die Küche eingeladen, Mmpff was hab ich gelacht.
Stellt euch die Frau vor; mittelgroß, breit, halboffener Kittel, mächtige Brüste, herabhängende BH-Träger, rutschende Strümpfe, Pantoffel, sexy Frau. Ich lache heute noch über Jürgen's Reaktion auf das verlockende Angebot.
Nach 220 km haben wir natürlich Hunger und Durst. Auf der Suche nach Nahrung finden wir dann endlich in Hafennähe ein Pub, und die wohl schlechtest gelaunte Waitress in ganz Schottland. Booaah war die muffig, vielleicht weil wir die ersten Gäste waren. Das Pub selbst war Klasse.
Jedenfalls war das Essen und Guinness sehr gut, was danach wieder Bewegung in Form eines längeren Spaziergangs durch Frazerburgh erforderlich machte.
Uns zog es zum Fischereihafen von Fraserburgh, die Fangboote dichtgedrängt, die Hafenpromenade trostlos, nichts für Touristen. Es gibt nicht viel zu sehen in der Stadt, alles grau in grau, für uns langweilig und trostlos. Granit, das Material aus dem die Häuser und sogar die Dächer gebaut sind.
Wine TowerAn der Küste steht der Wine Tower aus dem 16.th Jahrhundert.
Nur über eine Leiter war der einzige Eingang im zweiten Stock zu erreichen. In dem gewölbten Raum sind interessante Wappen zu sehen, wenig ist bekannt über die Geschichte des Turms, auch das Alter ist unsicher.
Eine Legende, die Kinnaird Head mit dem benachbarten Wine Tower verbindet, der auf dem Rand der Klippe steht, berichtet von einer Liebesgeschichte vergleichbar mit Romeo und Julia.
Die Tochter des Eigentümers hatte einen Dudelsackspieler in der unter dem Turm befindlichen Höhle eingesperrt. Noch heute können Besucher des Leuchtturms und des Towers die mit roter Farbe markierte
Stelle sehen, an der sie stürzte.
An manchen Tagen, so sagt man, kann man den Dudelsackspieler noch immer für seine verlorene Geliebte spielen hören.
Leuchtturm am Kinnaird HeadGleich nebenan befindet sich der Kinnaird Head und das schottische Leuchtturmmuseum.
Der ursprüngliche Turm ist als historisches Gebäude mit architektonischem Wert gelistet. Den Aufzeichnungen nach wurde der Leuchtturm am 1. Dezember 1787 fertiggestellt. Kinnaird Head hatte das kraftvollste Licht seiner Zeit:17 Reflektoren, angeordnet in 3 horizontalen Reihen. Zeitgenossen zufolge strahlte das Licht bei klarem Wetter 12 bis 14 Meilen weit hinaus auf das Meer. Bis zu seiner Umgestaltung 1824 wurde die Anlage so betrieben. Dann wurde der Turm so verändert, dass er den Erfordernissen einer neuen Leuchte gerecht wurde. Außerdem wurden weitere Gebäude für die Leuchtturmwärter errichtet. Das Nebelhorn wurde 1987 außer Betrieb gesetzt. Im Original-Leuchtturm von Kinnaird Head befindet sich heutzutage das „Museum of Scottish Lighthouses", das Museum der schottischen Leuchttürme. Direkt neben dem ursprünglichen Leuchtturm nahm 1991 eine automatische Leuchte ihren Dienst auf.
Saltoun-BrunnenLangsam schlendern wir jetzt zum Saltoun Place, wo unser Zimmer auf uns wartet.
Gegenüber ist ein kleiner Park, worin ein „wunderschöner" Springbrunnen steht. Den muss man unbedingt gesehen haben.
Tataa, der Saltoun Brunnen. Mit diesen Eindrücken gehen wir nun dunkel liegen.
Ein bisschen unruhig sind wir doch, denn heute nacht stehen unsere Motorräder an der Straße.
Alle Schlösser sind im Einsatz. Mr. Muir lächelt und sagt, wenn jemand die Motorräder will, nutzen die Schlösser auch nix. Sehr beruhigend. Mit dem Gedanken schlafen wir aber trotzdem ein.
Guats Nächtle.
