Dienstag 31. Juli 2007
Fraserburgh - Crail
Hungrig und durstig wache ich gegen sieben Uhr auf. Die Toilette ist ein Traum, vorwärts rein - rückwärts raus. Das Waschbecken mitten im Zimmer, leise fluchend hantiere ich am Wasserhahn, denn in
diesem Land sind Einhebel-Mischbatterien oder simple Mischbatterien immer noch nicht bekannt.
„Was'n los?", mit diesen Worten taucht Jürgen aus den Tiefen der Matratze auf. Seine zweite Frage, „sinn die Mopeds noch da?" Ochja die Mopeds, da ich ja schon fertich angekleidet bin, gehe ich aus
dem Zimmer öffne die Eingangstür, da stehen sie komplett und unversehrt.
Frühstück diesmal mit „Black Pudding", das ist eine Art Blutwurst in der Pfanne gebraten. Geschmeckt hat sie gut, aber den ganzen Vormittag hat sie mit mir geredet.
Aus gewissen Gründen, hi hi, hat Jürgen dann zum Aufbruch gedrängt.
Nicht nur deshalb, denn heute wird es mit ca. 250 km eine lange Tagestour. Und wir wollen noch etliches anschauen.
Ab heute fahren wir in südlicher Richtung durch die Region Grampian.
Steinkreis bei DaviotEin bisschen sind wir von der Landschaft, hier im Osten der Grampians, entäuscht. Für andere ist sie bestimmt sehr schön, für uns ist sie nur langweilig. Wir fahren nur durch landwirtschaftlich genutzte Landschaft. Die einzige Abwechselung sind die Steinkreise „Loanhead Stone Circle", südlich von Daviot.
Das sind die letzten, die wir uns in diesem Urlaub anschauen.
Wir machen uns davon, umfahren Aberdeen in einem großen Bogen und treffen bei Stonehaven, an der Ostküste, auf die Nordsee.
Südlich von Stonehaven besuchen wir die Ruine des Dunottar Castle.
Der Reiz von Dunnottar Castle liegt vor allem in seiner malerischen Lage. Sie liegt auf einem nur durch einen Pfad mit dem Festland verbundenen Felsen in der Nordsee an der schottischen Ostküste.
Wer Dunnottar Castle einmal gesehen hat, der wird den Anblick nicht so schnell vergessen. Es ist absolut faszinierend, wie die ehemalige Burg auf ihrem Felsen thront und mit ein wenig Phantasie kann man sich gut vorstellen, wie majestätisch sie zu ihren Hochzeiten gewirkt haben muss. Wie bereits beschrieben ist eine kleine Wanderung nötig, um den Eingang Dunnottar Castles zu erreichen. Wir aber sind zu faul und genießen die Aussicht auf die Burg und die Küstenlinie, von einer Klippe gegenüber und schauen den Touristen zu. Mit einem Gunness in der Hand, könnte man es hier stundenlang aushalten.
Phantastische Ausblicke von den Klippen auf die Ostküste. Leider gibt es keine Straße, die durchgängig an der Küste entlang führt.
Hier war Jürgen wegDa wir leider immer wieder von den Küstenstraßen auf Autobahnähnliche Straßen ausweichen müssen, fahren wir auf der A 92 nach Dundee.
Es ist eine langweilige Straße, fast wie eine Autobahn und sehr viel Verkehr. Zu sehen gibt es auch nichts, also schnell weg und durch.
In Dundee wollen wir über die Tay Road Bridge, alles steht im Stau. Baustelle, Umleitung. Straßenführung ist komplett unübersichtlich und Steffi mault auch herum.
Es hilft nix, ich muss mich nach den Schildern richten, die sehr "übersichtlich,, aufgestellt sind. Jürgen hängt sich dran, macht die nötigen wilden Spurwechsel mit.
Dann sehe ich im letzten Augenblick die Abbiegespur „roter Pfeil". Ich schlage einen Haken nach links, schaffe gerade noch die Auffahrt zur Tay Bridge. Jürgen schafft sie nicht mehr, dann war er weg.
Er fährt geradeaus. Ich fahre auf die Brücke und warte am Ende einer Fahrspur auf Jürgen - blauer Pfeil -. Kommt so ein blinder Fahranfänger, mit großem - P - auf der Motorhaube angefahren, und fährt von hinten auf mein Moped. Habe Mühe das Motorrad zu halten, der schottische Büffel hält noch nicht mal an, und ich habe jetzt einen verschrammten Koffer. Ich musste ja auf Jürgen warten, sonst ....NM. Dann kommt auch noch ein Brückenwärter auf mich zu und fordert mich auf weiterzufahren da ich da, wo ich gerade mit dem Moped stehe, nicht stehen darf. Ich sagte zu ihm, ich warte auf meinen Bruder der die Auffahrt verpasst hat. Nein ich muss sofort da weg. Ich sagte, ne ne ich bleib da stehn und wenn es Oktober wird, und nahm wie zur Unterstreichung meiner Aussage den Helm ab. Mein Gesichtsausdruck M ; N muss wohl alle Missverständnisse ausgeräumt haben. Denn der Brückenwärter trollte sich. Na geht doch.
Es dauerte nicht lange und Jürgen kommt die Auffahrt zur Brücke hochgefahren, es geht weiter über die Tay Bridge und von da an befinden wir uns auf der Halbinsel Fife, wo wir nun auf der A914 und A91 nach Saint Andrews fahren.
Ruine der St. Andrews KathedraleSt. Andrews, die altehrwürdige Universitäts- und Bischofsstadt Schottlands und Mekka aller Anhänger des Golfsports, liegt an der St. Andrews Bay. Dort stehen auch die mächtigen Ruinen der Saint Andrews Kathedrale. Einst war die Kathedrale die größte Kirche in England und Schottland.
Saint Andrews kann mit einer über tausendjährigen Geschichte aufwarten. Teile der alten Stadtbefesigung sind erhalten.

Wir fahren nun noch die letzten Kilometer nach Crail. Unser heutiges Tagesziel. An der Haustür eines B&B war nur eine Telefonnummer angegeben. Jürgen rief an und bekam die Auskunft, dass wir bis ca.17 Uhr warten sollten, dann sei er zurück.
Also haben wir die Motorräder abgestellt und haben erst mal ein oder zwei Guinness an der Straße getrunken und beobachtet, was im Ort so alles los ist.
Nachdem wir also unser Zimmer für die Nacht bezogen hatten startete „the same procedure as every evening", die Suche nach einem Pub. Im Golf Hotel fanden wir was wir suchten. Ein paar Guinness zum Nachspülen mussten es schon sein, danach eroberten wir Crail zu Fuß.
Eines der hübschesten und meist fotografierten Hafenstädtchen an der Küste von East Neuk ist Crail. Crail ist ein kleiner Ort, ca. 1200 Einwohner, auf der Halbinsel Fife. Die ehemalige königliche Burg wurde im 12. Jahrhundert erbaut.
Ursprünglich lebte der Ort vom Fischfang. Obwohl man auch heute noch Fisch und Lobster am malerischen kleinen Hafen kaufen kann, ist Crail heute vor allem eine Touristenattraktion.
Hier am kleinen, geschützten Hafen ist das wirkliche Zentrum von Crail. Besonders, wenn die Fischerboote in den Hafen zurückkehren und frische Krabben und Hummer an Ort und Stelle zubereitet werden.
Wir kamen leider zu spät, denn das Anlanden der frischen Meerestiere erfolgt morgens mit der Flut, schade. So ein kleiner Hummer zum Nachtisch, mit Knoblauchsoße, Weißbrot und ein trockener Weißwein dazu, würde bestimmt noch ein Plätzchen in unserem Magen finden.
So schlendern wir durch Crail, bewundern die alten Häuser in der Unterstadt und die Aussicht von der Schlossterrasse.
So langsam werden wir müde, wir gehen zum Caiplie House zurück, Matratzenhorchdienst ist angesagt.
War ein langer Tag mit vielen Höhepunkten und ca. 250 km.
Morgen wird es eher ein kurzer Tripp bis Edinburgh.
