Freitag 03. August 2007
Edinburgh - Newcastle
Das Frühstück heute morgen war auch nicht besser als gestern, im Gegenteil, der Kaffee war noch ein bisschen dünner, der Toast naja.
Schnell weg hier, aber einen hoffentlich lang nachwirkenden Gruß habe ich hinterlassen, das konnte ich mir nun doch nicht verkneifen.
Alles ist verstaut und so kann es losgehen zur letzten Etappe, nach Newcastle. Heute Abend, um 17:30, legt die Fähre ab.
Die Fahrt durch Edinburgh verläuft eigentlich problemlos. Nur einmal habe ich die Einmündung zur A1 verpasst. Steffi hat das aber wieder hinbekommen.
Da wir ja den ganzen Tag Zeit genug haben, hatten wir uns entschlossen an der Ostküste entlangzufahren, aber es gibt keine Möglichkeit dauerhaft an der Küste entlangzufahren. Schade eigentlich, denn
die Küste ist an manchen Stellen wunderschön. Die A1 dagegen ist die einzige Nord-Süd Verbindung und da fließt der ganze Verkehr drüber. Die Landschaft ist so was von langweilig, dass ich fast
einschlafe. Dann wird es doch nötig, noch ein paar Liter Benzin nachzutanken, sicher ist sicher. Hat nun überhaupt nix mit Angstanken zu tun, gell. Und nun fängt auch noch der Magen an zu knurren,
was ja überhaupt kein Wunder ist, bei dem reichhaltigen Frühstück. Wir haben ja noch Müsli-Riegel und für einen Kaffee werden unsere letzten Schillinge hoffentlich noch reichen.
St. Abbs
Dann zweigt die Straße nach links ab. Wir folgen der Straße und kommen an einen malerisch, direkt an der Steilküste, gelegenen Ort an der Nordsee.
St. Abbs ist ein malerischer Fischerort an der Nordseeküste Northumberlands, also gerade eben noch Schottland.
Der Ort verführt und lädt zum Verweilen, alle Viere von sich strecken, ein letztes mal die Seele baumeln lassen, ein.
Die Sonne brennt, man riecht das Meer, den Seetang. Die See liegt glatt wie ein Spiegel vor uns. Schottland zeigt sich zum Abschied nochmal von seiner besten und freundlichsten Seite. Nur der Parkplatzwächter nölt herum, wir müssen unsere Motorräder vom leeren Parkplatz, weg auf einen Motorradparkplatz parken. Jawoll machen wir, denn Ordnung muss sein, auch in Schottland gelle.
Hafenordnung
Wir entschließen uns, den Hafen und den Ort ein bisschen näher anzuschauen, auf Schildern wird vor den Wellen und dem Klettern auf den Klippen gewarnt.
Die Hafen-Trolle beobachten dich auf Schritt und Tritt.
Trolle von St.Abbs
Springbank Cottage in St.Abbs
Dann lockt uns das Springbank Cottage, ein liebevoll renoviertes Bistro und B&B mit kleinem Garten.
Es wird just ein Tisch frei, den wir sofort besetzen. Jetzt wird unser Problem der Geldknappheit akut. Alle englische Münzen, die ich aus den tiefen der Hosen- und Jackentaschen Ausgrabe, drücke
ich Jürgen in die Hand, und sage, mach was damit. Ich muss ganz dringend auf die Toilette.
Ich höre von Innen Jürgens Frage, „what else I got for three pounds sixty" this is our last money?
Die Frau lacht herzlich laut heraus, und Jürgen sagt zu ihr, may be it's enough for two coffee?
Die Frau denkt bestimmt, da fahren die teure Motorräder, aber nix auf der Naht. War eine lustige Situation und die Frau nahms mit Humor, wir auch.
Wir bekommen für den rest des Geldes, zwei Kaffee und sogar noch Rosinenbrötchen mit Butter drauf. Das muss bis zum Abendessen auf dem Schiff reichen. Mit dem beruhigungs Snak im Bauch, sagen wir St.Abbs und Schottland, Tschüß.
Dann kommt bei Lamperton die schottische Grenze in Sicht und wir verlassen bei schönstem Wetter Schottland. Gegen 15:00 Uhr stehen wir am Parkplatz in Newcastle und warten auf das Boarding. Pünklich um 16:45 beginnt das Check-Inn, Motorräder festzurren, Kabine suchen, Duschen, Umziehen. So richtig wollen wir es noch nicht glauben, dass der für uns, schönste Motorradurlaub zu ende ist. Die restlichen 550 km bis nach Hause, fahren wir auf einer Arschbacke herunter.
Eins ist klar, Jürgen und ich sind zu Schottlandfans geworden. Und wir kommen 2009 mit Freunden wieder.
VERSPROCHEN
Failte!
Das heißt „Willkommen" auf Gälisch, der usprünglichen Sprache der Schotten.
Hier gilt der Willkommensgruß allen Neugierigen und Sehnsüchtigen, allen kommenden und existierenden Schottlandfans.
Und wie wird man zum Schottlandfan?
Klarer Fall: indem man hinfährt! Spätestens dann kann man gegen das Schottlandvirus nichts mehr machen.
Vor der Infektion sei dringlich gewarnt!
Was dem Schutzsuchenden in diesem Zusammenhang nicht wirklich hilft, ist das Bemühen von Statistiken. Jenen Statistiken zufolge suchen sich die Deutschen ihr Reiseziel nämlich nach drei grundlegenden
Faktoren aus:
die persönliche Sicherheit muss gegeben sein (86 %)
das Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen (83 %)
sonniges, warmes Wetter sollte vorhanden sein (78 %)
Immer wenn wir unseren Mitmenschen als liebstes Urlaubsziel Schottland nennen, ernten wir die volle Breitseite der sonnenhungrigen Pauschaulurlauber-Mehrheit: „Wieso denn ausgerechnet Schottland? Da
wäre es mir aber zu kalt, ständig regnet es, es gibt nichts vernünftiges zu Essen und teuer soll es da ja auch sein!".
Gut, wenigstens das letzte Argument ist nicht von der Hand zu weisen. Gegen einen typischen Türkei-Urlaub kann Schottland preislich nicht konkurrieren.
Vor die Wahl gestellt, würden wir allerdings jederzeit einen mehrwöchigen Aufenthalt in den High- oder Lowlands einem Pauschalurlaub in den Touristikhochburgen - mit oder ohne Sonnengarantie - vorziehen.
Das Essen ist allen anders lautenden Behauptungen zum Trotz viel besser als sein Ruf, die Schotten selbst sind ein wirklich sehr humoriges, hilfsbereites Volk, die Landschaften einfach unbeschreiblich schön (sowohl bei Regen als auch bei unserer Erfahrung nach reichlich vorhandenem Sonnenschein) und damit jeden hartverdienten und leicht ausgegebenen Cent wert!
Ein wenig von unserer Lust an Land und Leuten hoffe ich mit diesem Reisebericht zu vermitteln. Und wer dann immer noch meint, er kann oder will mit Schottland nichts anfangen, dem gönnen
wir jedenfalls seinen persönlichen Urlaubstraum neidlos. Ganz ehrlich!
Schottische Symphonie
Zwischen grandiosen Landschaften und königlicher Architektur
Stark von keltischen Traditionen geprägt, entwickelten die Schotten eigene Lebensformen. Für die lange und oft englandfeindliche Geschichte sind Adelsburgen und Schlösser, Klöster und alte Städte
beredete Zeugen. Eine besondere Rolle spielt die Landschaft mit ihren Mooren, Seen, Buchten und Bergketten. Schottland ist mehr als nur Whisky, Regenland, Schottenrock oder Monster von Loch Ness -
Schottland ist eine Symphonie aus Kultur und Natur, die das Herz höher schlagen läßt.
