Dienstag 24. Juli 2007

Tyndrum - Mallaig Port

Nach dem opulenten Frühstück haben wir uns recht schnell von den wirklich netten Gastgebern verabschiedet denn wir haben einen langen Weg zum heutigen Tagesziel, und es gibt viel zu sehen.

Nochmal den Tank füllen, Ulli würde jetzt „Angsttanker" sagen. Aber wir haben noch keine Erfahrung mit der Tankstellendichte.

 

Wir sind bei strahlendem Sonnenschein links losgefahren, durch Dallmally biegen auf die A819 ab zum Ostufer des Loch Awe. Dorten steht das Kilchurn Castle. Kilchurn Castle ist ein verfallener Herrensitz aus dem 15. Jahrhundert am Nordostufer von Loch Awe. Damals war es der Wohnsitz der Breadalbanes aus dem Campbell-Clan.

Während der Sommermonate ist sie für Besichtigungen geöffnet. Sie kann auf dem Wasserweg von der Ablegestelle am Lochawe Pier an der A85 erreicht werden.

 

Wir rollen noch ein kleines Stück weiter, am Ufer des ca. 35 km langen Loch Awe entlang.

Die ganze Länge schaffen wir eh nicht, denn unser Zwischenziel ist das Glen Orchy.

Die schmale Straße führt in ein malerisches Tal, immer am River Orchy entlang.

Sehr oft verwehrt der dichte Uferbewuchs von Rhododendren, Ginster und Riesenfarnen den Blick auf den Fluss. Wo aber der Fluss zugänglich ist eröffnen sich phantastische Ausblicke und Stromschnellen.

An jeder Kurve gibt es was Neues zu sehen, wenn nur das Helm ab, Helm auf, nicht wäre. Ich weiß nicht mehr, wo zuerst, wohin schauen und laufen. Am besten man schiebt das Moped bis zur nächsten interessanten Stelle. Eine Stunde für 5 km brauchen wir. Jürgen sagt, „wenn das so weiter geht, kommen wir heute nicht mehr an".

Ich teile seine Meinung.

Dann muss ich mal, halte an und denke, eigentlich könnte man ja einen Cappuchino trinken. Ist ja auch kein Problem, wozu haben wir denn alles dabei. Also Kaffeepause.

Gleich kocht das Wasser, es ist eine himmlische Ruhe,

man hört nur den Fluss rauschen, die Vögel zwitschern und den fauchenden Kocher, sonst nichts.

Das erlebt man nicht oft. Diese Landschaft, dieses Grün, dieses Licht,

es wirkt fast unwirklich auf mich. Und doch ist es reale Natur, ich kann mich nicht sattsehen.

 

 

Einen Fotostop weiter erreichen wir eine Stelle am Fluss, wo einst Rob Roy durch einen Sprung von der Brücke in den Fluss seiner Verhaftung entgangen sein soll.

Die Steinbrücke gibt es nicht mehr, heute steht an ihrer Stelle diese hüsch hässliche Eisenbrücke. Man hat von hier einen guten Blick auf die Stromschnellen des River Orchy. Der Fluss frisst sich unaufhaltsam durch das Gestein.

Wie mag das wohl aussehen nach starken Regenfällen oder während der Schneeschmelze?

Irgendwann öffnet sich das Tal und man trifft auf die A82 und die Grampian Mountains.

Vorbei, durch das Rannoch Moor geht es weiter zum Glencoe und seiner blutigen Geschichte. Bekannt als das "Massaker von Glencoe".

 

Ballacholis
12. Februar 1692

An Captain Robert Campbell of Glenlyon

Sir.
Sie werden hiermit beauftragt, die Rebellen zu überfallen, die MacDonalds of Glencoe, und alle Personen jünger als 70 Jahre hinzurichten. Sie werden insbesondere angewiesen darauf zu achten, dass der alte Fuchs und seine Söhne auf keinen Fall Ihnen entkommen können. Sie haben alle Straßen und Wege zu sichern, dass kein Mann entkommen kann. Diesen Befehl müssen Sie exakt um 5 Uhr morgens ausführen. Ich werde um diese Uhrzeit oder kurz danach mit einer starken Streitmacht zu Ihnen stoßen. Sollte ich nicht um 5 Uhr kommen, haben Sie nicht auf mich zu warten, sondern weiterzumachen. Dieser Befehl kommt direkt als Spezialauftrag vom König, zum Wohle und zur Sicherheit des Landes, damit die Wurzeln dieser Kreaturen abgeschnitten werden. Achten Sie darauf, dass dieser Befehl unparteiisch befolgt wird, andernfalls werden Sie als Feind des Königs und der Regierung betrachtet und als unfähig ein königliches Kommando zu führen. In Erwartung, dass sie schon in eigenem Interesse erfolgreich sein werden, unterzeichne ich dies eigenhändig
Unterzeichnet Robert Duncanson
Im Dienste Ihrer Majestät

Ein weiterer Erklärungsansatz für das Massaker ist der, dass durch das bewusste Beauftragen des Argyll Regiments, das eindeutig den Campbells zugerechtet wurde, der jahrhundertealte Zwist zwischen den Hochlandclans neu geschürt werden sollte. Staatssekretär Dalrymple war bekannt dafür, dass er als Lowländer die Bewohner des Hochlands nur als Barbaren ansah und sie hasste.

 

In Glencoe nahm sein Hass dann mörderische Formen an. Die Erinnerung an das Massaker und die Fehde zwischen beiden Clans besteht teilweise bis heute.

Bis Ende des 20. Jahrhunderts hatte der bei Bergsteigern beliebte Gasthof „Clachaig Inn" in Glencoe den Hinweis auf der Eingangstür

 

 „Zutritt für Hausierer und Campbells verboten"

Und Generationen von schottischen Kindern lernen heute noch

 „never trust a Campbell".

Wir verlassen das Tal und Glencoe, wenden uns nach rechts und finden uns in einer ganz anderen Landschaft wieder. Vor uns liegt der Loch Leven, eingebettet in eine friedliche Hügel- und Bergkulisse. Wir umfahren den See und treffen in Ballachulish wieder auf die A82.

Wir fahren auf der A 82 weiter bis zur A 861, wo wir mit der Fähre über den Loch Linnhe nach Corran übersetzen.

 

Am Westufer des Loch Linnhe angekommen, fahren wir die A861 bis Trelaig. Auf der Straße nach Treslaig musste man höllisch aufpassen, denn „Dörte" tauchte immer unverhofft überall am Straßenrand auf.

Fast hätte ich eins erwischt, eins ist in den Graben gesprungen und hat sich überschlagen und hat blöd gekuckt, andere sind in den See gesprungen, hab mich beäumelt vor Lachen.

Am Nordende des Loch Linnhe angekommen sieht man am gegenüberliegenden Ufer Fort William und den Ben Nevis, den mit 1343m höchsten Berg Englands. Hier hat er allerdings, wie so oft, eine Mütze auf.

Am Südufer des Loch Eil auf kleinen, schmalen Straßen ohne nennenswerten Verkehr,

fahren wir bis zur A 830 und links auf der „the Road to the Isles" weiter.

Auf dieser Straße ist man nie weit vom Wasser entfernt, fährt man durch wunderschöne Landschaften.

Straßen wie Achterbahnen, wo man mit den Motorrädern über die Straßenkuppen springen könnte, wenn die Bikes nur nicht so schwer beladen wären.

Hat trotzdem richtig Laune gemacht.

Nach kurzer Zeit erreichen wir einen weiteren Punkt schottischer Kultur, Glenfinnan.

Auf der A830 erreicht man von Fort William in Richtung Westen fahrend das Glenfinnan Monument am nördlichen Ende des langgestreckten Loch Shiel.

Neben der Straße steht der hohe Turm, von einer Highlanderfigur gekrönt, dicht am Ufer. Er markiert die Stelle, an der am 19. August 1745 Bonnie Prince Charlie die Hochland-Clans zum Kampf gegen die Engländer versammelte.
Aber fast ein Jahr danach floh der Prinz, nachdem die Schotten vom Sohn Georgs II., dem Herzog von Cumberland, bei Culloden Moor vernichtend geschlagen worden waren.
Nach der Schlacht von Culloden Moor (16.04.1746) verboten die Engländer den Dudelsack, den Kilt und die gälische Sprache, sie wollten die Kultur ihres Erzfeindes ausrotten.

 

Die Zeit wird uns langsam knapp, glaube ich. Auch, dass wir sehr spät in Mallaig ankommen werden.

Also drehen wir mal den Gasgriff ein bisschen mehr auf, und schon passieren wir den Loch Eilt , Loch Ailort und Loch Nan Uamh.

Wo soll man stehen bleiben, man kann sich nur schwer entscheiden, so unglaublich schön ist das Szenarium.

Fährt man am Viadukt von Loch Nan Uamh vorbei, hat man über das Loch, den ersten faszinierenden freien Blick auf die Hebriden.

 

Der weitere Weg nach Arsaig ist recht kurvenreich, teilweise nur Single-Roads, die Lanschaftlich wunderschön und abwechslungsreich sind.

Kurz vor Arisaig fahren wir an die Südspitze des Loch nan Ceall, von dort hat man einen wunderbaren Blick auf die vorgelagerten kleinen Inseln, die noch von Robben bevölkert werden.

Auf dem weiteren Weg nach Mallaig kommt man Nördlich von Arisaig, an mehreren Sandbuchten vorbei, den„Silver Sand’s of Morar".

Der weisse Sand und das glasklar blau schimmernde Wasser laden zum Baden ein. Gerade mal die Füsse reinhalten, mehr Zeit bleibt uns nicht, Badehose haben wir eh nicht und barfuß in’s Wasser gehen, kommt bestimmt nicht so gut.

 

Wir müssen die gleiche Wegstrecke zurück und am Sound of Sleat und Loch Morar entlang, Schottlands tiefster See mit ca. 350 metern tiefe.

„Morag" , ein Ungeheuer ähnlich dem im Loch Ness, ein Vetter von Nessie quasi, soll den See unsicher machen.

So erreichen wir um 18:11 Uhr, viel zu spät unser Tagesziel. Mallaig ist ein kleiner, recht lebhafter Fischerort mit Fischereihafen, am Sound of Sleat gelegen.

Hier ist Endstation für alles was Räder hat, denn ab hier geht es nur übers Wasser nach Armadale, zur Isle of Skye, weiter.

 

Nun hatten wir wirklich Probleme ein B&B zu finden. Außerhalb von Mallaig haben wir dann doch noch etwas gefunden. Ein komplett rosa eingerichtetes Zimmer mit rotem Teppichboden. Ein Blindenhund hätte geknurrt.

Dazu kommt, dass es kein warmes Wasser gibt, also wird nicht geduscht. Katzenwäsche ist angesagt. Aber der Besitzer ist sehr freundlich und bietet seine private Dusche an. Ich nehme sein Angebot dankend an, schließe aber mal die Türe ab, denn sein Blick macht mich doch ein bisschen nervös.

 

Nachdem wir die „Rosa Suite" bezogen und uns landfein gemacht hatten, mussten wir um Nahrung und Guinness zu bekommen, nun nach Mallaig laufen.

In einem Pub wollten wir draußen Essen, es gab aber kein Guinness vom Fass. Nur aus der Flasche, bääh das geht überhaupt nicht. Im nächsten saßen wir auf kleinen wackeligen Stühlen, der Tisch war mit rustikalem Porzellan und Gläsern gedeckt. Als wir Guinness bestellen wollten rümpfte der Wirt die Nase, und tschüß draußen waren wir wieder.

Im dritten Pub hat es uns dann wieder gefallen, „he guys what you like to drink?" war die Frage als wir reinkamen. „Two pint of Guinness", war die Antwort. Vier oder fünf Guinness und einmal pan fried Haddock* weiter machten wir uns auf den Weg zurück zu unserem „Rosa Zimmer" bei

B&B Mr. A. Johnson

Marven / Mallaig

PH 41-4 RH

Tel.: 0044 - 01687 460034

Mob.: 0044 - 0788 - 0594 300

Ob wir morgen weiterfahren können ist ungewiss.

Es ist jetzt 23:30 Uhr, und Jürgen baut den Schubert auseinander mmpf. Ja ja, so kennen wir Ihn.

Scotisch Breakfast ist für 8:00 bestellt.

Die Fähre legt um 9:30 ab.

 

 

Resümee des Tages;

Nach zwei Tagen Schottland fragen wir uns, „kann das, was wir heute alles sahen, getoppt werden?" Und wie?

Wir haben die Erfahrung gemacht, es kann!!

Sonne, Sonne den ganzen Tag, ca, 22°C,

am Abend kamen dann die

oder auch:
Culicoides Impunctatus - was wohl Latein ist und sich vermutlich wie „heimtückischer kleiner Bastard" übersetzt (oder so ähnlich ;-). Kommen nur während der Sommermonate, besonders im Juli und August, in Schottland vor.

Draußen auf der Terrasse sitzen war unmöglich. Die Biester sind mit und durch nichts aufzuhalten.

 

 

 

Fahrstrecke 215 km.

Noch keine Probleme mit dem Popometer.

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