Mittwoch 25. Juli 2007
Armadale, Isle of Skye - Uig, Isle of Skye
Heute Morgen um sieben war die Nacht vorbei. Mühsam gehen die Augen auf und es sieht aus, als regnet es. Nein, es ist mehr heftiges nieseln, aber auch Nass. Jürgen kann mich gerade noch am öffnen des Fensters hindern. Madre mio, das sind gar keine dunklen Wolken, das sind Midges, die herein wollen. Dädäderä, lange Nase gemacht und die Midges müssen draußen bleiben und sollen ersaufen.
Der Regen hat nachgelassen, schnell das Gepäck verstaut und die Kamera angebaut.
Nach dem vorzüglichen schottischen Frühstück, heißt es Jacke an, Helm auf und ab zum Hafen. Es regnet wieder stärker, hat auch sein Gutes, wenigstens keine Midges mehr. Sind wohl doch alle ersoffen.
Im Hafen haben wir noch ein wenig Zeit, diese nutzen wir um zu tanken, Gruß an Ulli, Kamera wieder verstauen, denn heute wird wohl viel Wasser herunter kommen. Wenn man den Himmel über der Jsle of Skye betrachtet, schwant uns Übles.
Die Fähre legt mit ein bisschen Verspätung um 9:45 Uhr ab.
Die Überfahrt nach Armadale dauert 30 min. Und nun beantwortet sich auch unsere Frage; „Ist Armadale eine Ortschaft?" Ja es ist eine Ortschaft, zwar nur eine ganz kleine, da gibt es sogar eine Tankstelle. Wir fahren die Single-Road nach links, wir wollen versuchen zum Point of Sleat, den südlichsten Punkt von Skye, zu erreichen. Wohlgemerkt, mit dem Bike.
Es ist eine schmale Single-Road die an der Küste entlang führt, gesäumt von alten Korkeichen geht es im Wechsel immer bergauf, bergab. Keine Menschenseele begegnet uns.
Nach einer Weile wechselt der Straßenbelag, aus der Single-Road wird eine Schotterpiste, nach ca. 500 Metern ist Schluss und wir stehen vor einem Gatter.
Hier müsste eigentlich der Weg weiter führen, aber ab hier ist der Weg als Privat Road ausgewiesen.
Wanderer kommen, kucken ganz erstaunt, und gehen durch das Gatter. Sollen wir mit den Motorrädern hinterher?
Eigentlich sind wir ja auch Wanderer, oder?
Wir entscheiden uns die A851 bis Broadford zurückzufahren, biegen hier nach links ab auf die B 8083 nach Elgol.
Vier km nach Broadford erreicht man die Ruine „Church of Cill Chriosd" Die Kirche und der Friedhof wurden im 16. Jahrhundert gebaut.
Jürgen guckt ganz skeptisch, hat er was gesehen was es eigentlich tagsüber nicht gibt. Gespenster vielleicht?
Die Hügel hier in dieser Gegend sind nicht natürlichen Ursprungs. Es sind Abraum- und Aushubhügel, denn hier wurde der sehr teure Skye Marmor abgebaut. Eine Tafel am Straßenrand weißt darauf hin.
Wir genießen die Fahrt nach Elgol, die schmale und kurvenreiche Straße führt um das Loch Slapin herum.
Die Fahrt runter zum Hafen ist atemberaubend, man muss höllisch aufpassen, die Straße hat 20 Prozent Gefälle, ist schmal und eng, es herrscht Gegenverkehr und zu guter Letzt, diese unglaubliche Aussicht. Fast ist man überfordert, die Straße und die Dosenfahrer im Auge zu behalten und die Aussicht will man ja auch genießen. Was zuerst!! Erst mal stehen bleiben und kucken.
Wir machen erst mal ein Päuschen und genießen die neuen Eindrücke von Skye, die man so einfach gar nicht verarbeiten kann. Für uns ist schon jetzt klar, wir kommen wieder.
Ja, Skye wird seinem Namen Eilean a’ Cheò (Nebelinsel) gerecht. Die Cullins zeigen sich nur widerstrebend. Tiefhängende Wolken verwehren den Anblick des Bergmassivs. Irgendwann muss man sich von der Idylle hier, wie wir es sehen, verabschieden. So entschließen wir uns nun über Armadale, Broadford und dann auf der A87 weiter Richtung Sconser zurück zu fahren, umrunden die Bucht von Loch Aimor/Ainort auf einer kaum befahrenen Straße.
Die Wolken hängen tief, wir haben Glück. Dem Regen sind wir entwischt und die Sonne kommt durch, naja was sonst, wenn Engel reisen.
Hier am Loch Ainort werden Lachse gezüchtet. Nein der Berg brennt nicht.
Nach ca. 5 km erreichen wir Sligachan, die Straßengabelung, die nach Dunvegan und Portree führt. Hier steht das um 1830 errichtete Hotel Sligachan mit Restaurant und Pub. Im Pub werden bis zu 70 verschiedene Whiskys, verschiedene auf der Insel gebraute Ale Sorten und sehr gute Pub-Meals angeboten. Davon werden wir zu einem späteren Zeitpunkt, Gebrauch machen.
Hier steht auch die alte mittelalterliche Brücke die den River Sligachan überspannt und in diesen Tagen, allerdings nur für Wanderer freigegeben ist.
Die Halbinsel Trotternish im nordosten Skyes gilt als die schönste der Insel. Und dahin wenden wir uns nun und fahren nun nach Portree, Gälisch Port
Rígh "der Hafen des Königs". Portree ist der Hauptort der Insel und die einzige Stadt der Isle of Skye.
In Portree selbst halten wir uns nicht lange auf, ist zwar ein schöner Ort sind aber zu viele Touris in der Stadt. Wir werden später wiederkommen*, deshalb verlassen wir Portree auf der A 855 in
Richtung Staffin, fahren an den Lochs Fada und Leathan vorbei. Von hier sieht man schon ein weiteres Wahrzeichen, den „Old Man of Storr", das ist ein ca. 50 m hoher Naturobelisk.
Das Storr Massiv ist ein beliebtes Wandergebiet und der Alte Mann wird gern bestiegen. Nee nicht was ihr schon wieder denkt.
An der Nordspitze des Loch Leathan geht eine Single- Road (Hydro road) ab, die über die 1952 gebaute Staumauer, zum Aussichtspunkt „Beareraig Bay" führt. Wir parken am Ende der Hydro road an einem Cottage. Hinter dem Windenhaus geht ein Wanderweg hinab zur Bay. Es sind sagenhafte Ausblicke, die sich hier auftun.
Nimmt man den Weg auf sich und folgt dem ausgewiesenen, steilen Weg nach unten, würde sich solch ein Panorama eröffnen, wenn man sehr viel Phantasie hat kann man sich die nach Nahrung suchenden Dinosaurier, die vor 170 Millionen Jahren hier gelebt haben, vorstellen.
Von hier fahren wir über Culnacnock bis zum Loch Mealt und kommen zu einem weiteren Highlight auf der Isle of Skye,dem „Kilt Rock".
Ein brauner Basaltfelsen an der Steilküste, der aufgrund seiner Streifenfärbung "Kilt Rock" genannt wird.
Gleichzeitig am Kilt Rock zu bewundern , ist der 100 Meter ins Meer stürzende Wasserfall. Jetzt im Juli, führt der Wasserfall leider wenig Wasser, so dass es wenig spektakulär aussieht und wir uns deshalb gar nicht lange aufhalten.
Vom Land aus gibt es praktisch nur eine Möglichkeit, dieses Naturschauspiel zu fotografieren, nämlich von der äußersten Ecke der extra dafür angebrachten Aussichtsplattform.
Wir müssen weiter, es gibt noch so viel zu sehen hier, aber die Zeit wird verdammt knapp. Und wir haben noch kein B&B in Uig.
Unser Plan war eigentlich von Staffin aus, ganz um die nördliche Inselspitze über Kilmaluag nach Uig an der Westseite der Trotternish Halbinsel zu fahren.
Wir bewegen die Bikes auf der A 855 nach Staffin. Dann aber entschließe ich mich ganz spontan, nach links abzubiegen, und zu den Quiraing Klippen zu fahren. Es ist ein Muss, die traumhaft steile und kurvenreiche Straße mindestens bis zur 260 m hohen Passhöhe zu fahren.
In früherer Zeit waren die Quiraing Klippen ein beliebtes, von den MacDonalds, gerne benutzes Versteck für gestohlenes Vieh. Sieht man sich die Landschaft ein bisschen genauer an, versteht man sofort, dass was hier versteckt wurde so leicht nicht wieder gefunden wurde.
Nach einiger zeit haben wir uns dann doch entschiedenn, nicht mehr ganz um die Nordspitze herum nach Uig zu fahren. Es würde einfach zu spät werden. Es ist Urlaubszeit, auch für die
Engländer und Schotten, dadurch sind die freien B&B sehr schnell weg, und lange nach einem Bett zu suchen haben wir keinen Bock. Dadurch sehen wir einiges an Sehenswürdigkeiten nicht. Ist aber
weiter nicht schlimm, denn für 2009 ist das alles schon jetzt, ganz fest eingeplant.
Wir fahren also die kleine Straße über die Höhenzüge des Trotternish nach Uig. An dem Cafe und Tankstelle fragen wir nach freien B&Bs.
Die freundliche Frau, schreibt mir sofort die Adresse auf einen Zettel, beschreibt mir den Weg und sagt, wir sollten uns beeilen, also ist Eile angesagt. Wir finden das Haus recht schnell. Es steht in einer Seitenstraße über der Bucht von Uig.
Mopeds parken, Zimmer beziehen, über welches wir wieder richtig amused sind. Wir laufen zur Nahrungsaufnahme in ein etwas weiter entferntes Pub, essen Hammel, trinken Guiness, lassen es uns richtig gut gehen. Später genießen wir den Abend, auf der Bank vor dem Haus, mit Blick über die Bucht von Uig und schlürfen, schon zum Ritual gewordenen Schlummerkaffee, auf der Bank vor dem Haus.
Es war wieder ein sehr abwechslungsreicher Tag mit vielen landschaftlichen Höhepunkten. Wenn wir nur ein bisschen mehr Zeit hätten um an manchen Stellen länger zu verweilen. So haben wir auch die Töpferei mit den Bierkrügen und die Skye Brewery nicht besucht.
Warum nicht? Ich hatte es schlichtweg vergessen. Merde.
Fahrstrecke heute: 200 km.
Mindestens 50 mal ab- und aufgestiegen, unsere Ohrläppchen sind schon ganz verschroben vom dauernden Helm auf, Helm ab.
Es wird dann auch langsam Zeit zum slafen.
Jürgen versinkt sehr tief in den weichen Matratzen. Mal sehen, ob ich Ihn morgen früh wiederfinde.
Wecken ist um 7:00 Uhr. Auch deshalb, weil ich der erste im Bad sein möchte. Guats Nächtle.
