Freitag 27.Juli 2007

Dornie - Applecross - Coulin Forrest - Dornie

Heute ist ein ganz besonderer Tag, nicht ganz Freitag der 13. aber fast.

 

Aber dazu später mehr.

 

Heute morgen bin schon recht früh erwacht, so um 6:30 Uhr wars. Eigentlich nicht zu früh, denn das Frühstück war für 7:30 bestellt.  Außerdem wird bei Purzelbikers immer so früh aufgestanden, denn man weiß ja nie was der Tag so bringt. Mein Brüderlein schlief noch selig uns so ging ich derweil schon mal unter die Dusche. Brüderlein brummelte so was ähnliches wie Guten Morgen und gähnte herzhaft, als ich aus der Dusche kam.  Ich hörte Caroline im Erdgeschoss hantieren, mit der Katze und ihrem Mann sprechen. Er musste zum Foodstore, Speck und Eier holen. Ich dachte mir, da dauert es ja noch ein bisschen mit dem Frühstück, so dass ich jetzt mit ruhe mein Gepäck zusammenlesen und auf dem Motorrad verstauen kann. Ich ging mit meinem Gepäck aus dem Haus, und Nieselregen erwartete mich, aber was solls, sind ja nicht aus Zucker außerdem sinds  wir ja mittlerweile ja schon gewöhnt, dass es früh am Morgen nieselt. Bis jetzt hat es immer spätestens nach einer halben Stunde aufgehört und Sonnenschein und Wolken haben sich abgewechselt. Es blieb eigentlich immer trocken und schön. Heute war irgendwie alles anders, nicht beschreibbar, aber irgendwas lag in der Luft. 

Straße nach Plockton Straße nach Plockton

Wir fahren gemütlich auf der Straße zwischen Coillemore und Duirinish dahin, zu sehen gibt es außer der kargen und einsamem Landschaft nichts aufregendes. Naja, es ist ja auch noch ein bisserl früh, so um acht Uhr morgens.  Dunst und Nebel hängen noch über dem Moor, außer dem sonoren Klang der Mopeds ist nichts zu hören. Es scheint, wir sind die einzigen, die bei solchem Wetter unterwegs sind.

Nein sind wir nicht.

Die Straße führt nun durch einen dichten Mischwald, ideal für Wildschweine denke ich mir noch, als die Bäume anfingen sich wie von Geisterhand zu bewegen. Was passier hier denke ich, als eine Rinderherde aus dem Wald hervorbricht und direkt vor meinem Moped auf die Straße springt, zusammen mit einem übelgelaunten, gefrusteten, geilen Stier. Madre Mio, Booa, ich nix wie in die Eisen, gerade noch mal gutgegangen, denke ich. Dem Stier passte meine Anwesendheit aber ganz und gar nicht, denn der Fleischberg kuckt mich mit rot unterlaufenden Augen an, wirft kiloweise Erde herum, gibt komische Geräusche von sich, sein Pimmel fährt bis zum Boden aus, dabei schaut er meine rote „Q" Kuh so komisch an. Ich denke nur, der wird doch nicht. Mach kein Scheiß, denke ich und zur Vorsicht mache ich erst mal den Motor aus und mache mich zur Flucht bereit.

Eine wirklich echte Chance zur Flucht habe ich sowieso gar nie nicht. Wenn der schwarze Fleischberg sich entschließt meine GS zu knutschen, komme ich sowieso nicht schnell genug vom Moped herunter. Hoffentlich kommt jetzt kein Auto entgegen, denke ich nur.
Ich drehe mich herum denn hinter mir ist es so still, ich bin alleine, wo ist Jürgen? Na prima, da stehe ich also, Mutterseelen allein, Aug in Aug mit dem Monster. Laß mich vorbei, du blödes Vieh, denke ich. Was wird er tun wenn ich das Moped starte? Mich in den von dichten hohen Farnen gesäumten Straßengraben werfen und niedertrampeln? Oder mich mit meinem Moped, auf den Hörnern durch den Wald tragen? Scheißegal, kein Mensch würde mich jemals wieder finden! 

Dann höre ich Motorgeräusche, im Rückspiegel sehe ich, Jürgen kommt zurück. Er ist aus dem Gefahrenbereich gefahren, um das Videotape zu wechseln und um das ganze zu filmen. Sacht er. Vielmehr glaube ich, der Sack hat sich davon gemacht und sich in die Hose gepisst vor Lachen. Mein Brüderlein bestreitet das vehement, bis zum heutigen Tag.

So nehme ich all meinen Mut zusammen, starte mein Moped. Der Stier wirkt leicht ungehalten, bleibt aber stehen und schaut seinen Kühen hinterher, die sich schon ein ganzes Stück entfernt haben. 

Also entschließe ich mich äußerst langsam an dem Stier vorbeizufahren. Seine Bräute erst mit wiegendem Schritt in der Hüfte, langsam vor mir her. Dann fallen sie in Trab, ihre Euter wiegen sich immer schneller im Tritt, klatschen links und rechts an die Seite. Ich denke mir, hoffentlich reißen die nicht ab.

Ich bin vor Lachen fast vom Moped gefallen und mir fiel ein, dass fast genau solch eine Szene in einem Moto-Mania Heft steht.

Also mitten aus dem Leben. Schließlich haben wir die wild rennende Herde doch noch überholen können. Dem Bauern ging es abends beim Melken, bestimmt genauso wie im Cartoon! *

* Namensgleichheiten, sind  rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Mit diesen Gedanken und immer noch grinsend, erreichen wir schließlich bei immer noch trüben Wetter, Plockton. Der Ort, am Loch Carron gelegen wird von den Reiseführern folgendermaßen beschrieben " Plockton ist so idyllisch, dass es von Hollywood entworfen sein könnte. Bunte Häuser, Palmen und Biergärten tragen zur Idylle bei und laden zum verweilen ein. Doch die malerische Idylle rund um die geschützte Bucht mit ihren kleinen Inselchen ist absolut echt."

 

Von wegen bunte Häuser, alle sind weiß und die Palmen, die ich gesehen habe, sahen ziemlich zerrupft und verkümmert aus.
Die Biergärten, die es hier an der Promenade gibt, lassen uns wegen des trüben Wetters kalt. Ein paar Bilder vom Hafen müssen aber sein.
Bei schönem Wetter und Sonnenschein mag es ja sein, dass Plockton wirklich ein schönes Dorf ist, so aber lassen wir Plockton hinter uns.

 

Wir fahren weiter durch die wilde Landschaft des Wester Ross, umfahren den Loch Carron bis zur Ortschaft Lochcarron, das schon zur Region des Wester Ross gehört.

 

Wester Ross, die Gegend zwischen Lochcarron und Loch Broom, beinhaltet den nordwestlichen Teil der schottischen Highlands.
Ein Land mit einer atemberaubenden Szenerie von Seen und Bergen, geprägt durch das grandiose Torridon-Massiv mit Bergen bis zu 1.100 m Höhe und nicht zu vergessen einer traumhaft zerfurchten Küstenlinie.

Nach kurzer Pause in Lochcarron, fahren wir auf der A 896 bis zur Abzweigung, Road to Applecross, bei Tornapress.

Sollte man ernst nehmen Sollte man ernst nehmen

Von hier führt die Straße über den "Belach na Ba" den Rinderpass, ein *Muss* für jeden Motorradfahrer, if you dare? (wer getraut sich).

 

Große Schilder warnen, dass der Pass im Winter nicht befahrbar ist und ebenso nicht für Gespanne und große Wohnmobile geeignet sei. Dann muss ich wohl geträumt haben, als mir ganze Sattelzüge begegnet sind.

 

Man versteht das rasch, wenn man den Pass nach Applecross überquert. Bei klarem Wetter bestimmt noch mehr.

 

Straße nach Applecross Straße nach Applecross

Vom Pass oder Gipfel des Belach na Ba ist nicht viel zu sehen, besser gesagt gar nichts. Die Nebel wabbern am Berg entlang und kommen immer tiefer. Vielleicht ist die Sicht oben, am Aussichtspunkt, ja besser? Wir schauen uns an, sollen wir so tun fragen wir uns. Sind wir jetzt zu Weicheiern geworden oder was? Ne sind wir nicht, also, we go ahead to dare. Basta.

Haarnadelkurven am Belach na Ba Haarnadelkurven am Belach na Ba

Die Single-Road ist ist höchst dramatisch angelegt, mit Steigungen bis zu 20 Prozent Höhenunterschied. Auf jeden Fall eine traumhafte Strecke, schön zu fahren, kurvenreich, es gibt sogar 3 Haarnadelkurven, die uns im Nebel überrascht und die ich mehr erahnt als gesehen habe. Die Straße passiert in 629 m Höhe den berüchtigten Rinderpass.

 

Die Aussichten sollen grandios sein. Wir hatten leider kein Glück, denn durch den Nebel, Sichtweite teilweise unter 10 m, haben wir gar nichts gesehen. Die Straße mehr erahnt als gesehen wollten wir nur noch runter vom Berg, zumal das Thermometer auf gefühlte 2°C fiel.

Schade, aber es gibt ein nächstes Mal! 2009 ganz gewiss!! 

 

Ich fühlte, dass sich die Straße nun neigte und bergab führte, keine Ahnung wie lange das noch so gehen sollte. Ich fror wie ein junger Hund, die Hände waren schon ganz steif und die Konzentration leiß auch immer mehr nach. Ich träumte von Sonnendurchfluteten Straßen und Pässen über dem Gardasee, wo wir im Frühjahr waren.

 

Der Nebel fing an sich zu lichten und durch die Nebelfetzen sah man schon die Appelcross Bay. Auf einmal wurde ich brutal aus meinen Träumereien herausgerissen, denn drei ausgewachsene Hirsche sprangen wie aus dem Nichts, von oben über die Trockenmauer, keine fünf Meter vor meinem Vorderrad, über Straße. In letzter Sekunde hab ich das Moped zum Stehen gebracht. Nun war ich wieder hellwach auch ohne Kaffee. Ich schaute zurück und sah in zwei weiße Zahnreihen, Jürgen grinste nur mal wieder und sagte, zum Glück fahre ich nicht vorneweg. Was heißt, dass es Ihm wohl ähnlich ergangen wäre.  Wir entschieden, Kaffee braucht der Mensch und sei es nur zum Aufwärmen.

Walled Garden - Potting Shed Cafe & Restaurant Walled Garden - Potting Shed Cafe & Restaurant

Beides bekamen wir im Potting Shed Cafe & Restaurant, gehört zum Walled Garden im Applecross House. Das soll ein vorzügliches Restaurant mit einem Stern sein. Wir bekamen wirklich vorzüglich heißen Kaffee und einem Stück steinharten Kuchen. Ich behaupte immer noch, der Kaffee war Tee und der Kuchen war bestimmt eine schottische spezialität.
Ich dachte, bin mal gespannt was sonst noch alles passiert, heute.

 

Nach dem vorzüglichen Kaffee und zahnfreundlichem Kuchen wollen wir weiter. Was ganz ungewöhnliches, es regnet am hellichten Tag, na hoffentlich nicht lange.

Strand von Applecross Strand von Applecross

Im Regen umfahren wir die Halbinsel Applecross. Es schüttet, was äußerst lästig ist, un so entschließen wir uns zu einem Spaziergang am Strand von Apllecross. Da noch Ebbe herrscht, kann man sehr weit hinauslaufen. Herrlich klares Wasser und feiner roter Sand. Ich schaue mich um und denke, diese "Priele" waren vorhin noch nicht da und Leute sind auch keine mehr zu sehen. Was haben wir damals in der Schule gelernt, na was? Scheiße die Flut kommt. Nu mach hin, sage ich zu Jürgen. Wir müssen zurück,sonst kriegen wir nasse Füße.

Applecross (gälisch a'Chomraich) ist ein kleiner Ort an der Westküste von Schottland. Er wurde im Jahre 671 durch den irischen Mönch Maelrubha gegründet und galt als einer der ersten christlichen Orte in Schottland. Der Name leitet sich von „Aber Crossan" ab, was so viel bedeutet wie „Mündung des Flusses Crossan". Der gälische Name wird mit „Schongebiet" übersetzt was auf das Kloster zurückgeführt wird, in dem verfolgte Einheimische immer wieder Schutz gesucht haben. Heute ist davon allerdings nichts mehr zu sehen. Der Ort besitzt weiters ein Pub (The Applecross Inn) und eine Kirche aus dem Jahre 1818 die nicht mehr in Verwendung ist. Zu erreichen ist er von Norden über Shieldaig und von Osten über den Pass Belach na Ba (der höchste Pass in Schottland).

Es hat aufgehört zu Regnen, sach ich doch das dauert nie lange, und fahren die nach Norden weiterführende Straße und erreichen den fast verlassenen Ort Lonbain, wo fast alle Häuser verfallen und verlassen sind. Solch traurige Ansiedlungen sind auf unserem weiteren Weg noch öfter zu sehen.

 Das sind leider nicht die Resultate der rauhen, wilden, unwirtlichen Landschaft und ihrer harten Lebensbedingungen. Vielmehr war dieser Landstrich von den Clearances, der Vertreibung der Pächter und Kleinbauern durch die landbesitzenden Lords, schwer betroffen.

Dörte, war der Grund. Mit Wolle war mehr zu verdienen!

Die prächtige Landschaft wurde von den damaligen Bewohnern bestimmt nicht mehr wahrgenommen. Uns fasziniert sie immer mehr.

Straße, entlang am Loch Torridon Straße, entlang am Loch Torridon

Wir fahren auf einsamer und Menschenleerer Straße in nördlicher Richtung weiter. Bei Fearnmore erreichen wir den nördlichsten Punkt der Appelcross Insula. Weiter gehts am Loch Torridon, auf einer unglaublich Ausblicke freigebenden Küstenstraße entlang. Felsübersät, von Schafen bevölkert, moordurchtränkt die Landschaft am Loch Torridon. Man kann sich einfach nicht sattsehen an diesen spektakulären Landschaften. Wir fahren bis zum Hauptort Shieldaig.

Hübsches Dorf am Ufer des gleichnamigen Lochs. Hier gibt es Unterkunft, einen Campingplatz und einen Laden, aber, soweit ich mich erinnern kann, kein Benzin. Dafür, fantastische Aussichten!  

River Torridon River Torridon

Sehr schön ist die Fahrt in östlicher Richtung, auf der A896 eine Single-Road, durch das Glen Torridon. Links von uns streckt sich der 1054 m hohe Liathach „der Graue" und der 993 m hohe Spidean Beinn Eighe, Gälisch „Coire nan Clach" empor, rechts plätschert der River Torridon. Wir genießen die Fahrt und fahren gemütlich durch die Gegend, bis die Abzweigung zum Loch Clair und Coulin Forrest zu sehen ist.

 

Was ich bis dahin nicht wusste,

 

das unaufhaltsame, nahm seinen Verlauf !

Schotter bis zum Loch Dughail? Schotter bis zum Loch Dughail?

Auf dieser kleinen 10 km langen „minor road" Schotterpiste fährt man nun bis zum Loch Dughail.

Über die klapprige Holzbrücke (Hilde halt dich gut fest) führt der Schotterweg, der immer sumpfiger und schmieriger wird, sich zu einer ausgewachsenen und steinigen und gemeinen Off-road Piste entwickelt.

Ich muss sagen, das gefällt uns recht gut und wir werden immer ausgelassener, auch wenn hie und da mal das Heck wegschmiert. Das kann die GS und wir ab, sacht Jürgen. Jau das ist Off-Road, so muss das tun, mit Schmackes in die Wasserlöcher rein, dass der Dreck nur so spritzt. Das ist sowas von geil, so ungehemmt im Dreck spielen. Wir toben uns erst mal so richtig aus, dann ein kleines Päuschen und weiter müssen wir irgendwann ja auch.

Coulin Lodge Coulin Lodge

Zuerst führt der Pfad recht malerisch am Fluss zwischen Loch Clair und Loch Coulin entlang. Dann werden wir von Steffi auf einen Pfad geführt, der an der Coulin Lodge vorbeiführt und prompt ist der Weg wech. Steffi kennt sich nicht mehr aus. So was nun, wir könnten ja auf der Karte nachschauen. Ätsch habe aber keine.

 

Ich nehme halt den erstbesten Weg, dieser führt Richtung Wald über den Fluss und das Geläuf ist richtig schmierig.

Uffbasse, die Brücke hat einen Blechbelag, ich schlingere, da gibst keine Dackelmauer (ich höre Hilde,im Hinterkopf), hinüber, die GS will mich doch wirklich in den Bach schmeißen. Puuh, gerade noch mal gut gegangen. Was Jürgen hinter mir anstellt, weiß ich nicht. Anhalten ist nich. Der Pfad, welcher immer morastiger wird, führt steil bergauf in den Wald hinein. Ich hüpfe und schlinger mit ausbrechendem Hinterrad bergauf und dann ist Schluss mit lustig, hier geht es nicht mehr weiter. Ich kann auch gar nicht mehr, meine Arme und Muskeln fühlen sich an wie Pudding.

 

Hinter mir sagt eine Stimme "Wo willst Duu denn hin". Also wenden. Aber wie?

 

Stellt euch vor, ein Pfad einen Meter breit, tief und zerfurcht von Wildsäuen oder anderen Raubtieren, Bäume dicht bis an den Rand des „Weges" und dann mit einer vollgepackten GS drehen. Und den ganzen Schlammpfad wieder zurück bis zu dem Punkt, wo kein Pfad oder keine Straße mehr angezeigt wurde. Das gibt Kondition und Muckies in die Arme !.

Coulin Pass Coulin Pass

Nachdem wir den richtigen Weg gefunden hatten ging es weiter über wassergefüllte Löcher, so groß wie schottische Lochs. Fahrspuren, in denen das Wasser wie in Flüssen den Berg hinab lief.

Die Fahrrinnen werden immer schmaler und da schlägt er zu, der Gott des „Schottischen Heidekrauts". Die GS bockt wie eine Kuh stellt sich quer und schmeißt mich letztendlich ab. Da lieg ich nun im Dreck und kuck blöd.
Es ist nix passiert, aber stell mal ein vollbeladenes Motorrad auf so einem Pfad wieder in die richtige Fahrtrichtung, madre mio borgo miseria. Ich packe das nicht alleine, Jürgen hilft die Fuhre wieder aufzustellen, hält das Motorrad am Topcase fest, ich schaukel unter Zuhilfenahme von Motorunterstützung, stinkender Kupplung und durchdrehendem Hinterrad die GS wieder in die Richtung, in welcher unser Ziel liegt. Mmmpfff, ich muss lachen, als ich Jürgen ansehe. Er sieht aus wie ein Erdferkel.

 

Was musst Du dich auch hinter das Hinterrad stellen, sage ich ihm. „Ich sehe aber auch nicht viel besser aus", denke ich. Müsste man abwaschen können. Ich sollte Gelegenheit dazu bekommen.
Der Mistweg wird immer schlechter, die Fahrrinne immer tiefer, die Äste und Wurzeln der Rothodentronbüsche stehen in den Weg hinein, so dass sie sich im Motorschutzbügel verfangen und das Motorrad zur Seite drücken. Keine Haftung des Vorderrades führt zum Absteigen, ich lege das Moped auf die Seite. Verdammte Scheiße aber auch, ich muss erst mal ein Päuschen machen und meine verspannten Muskeln lockern.
Zwei Wanderer die uns entgegen kommen, kucken uns wie Mondkälber an, sagen aber nichts. Motorräder sind hier oben bestimmt nicht oft zu sehen, glaube ich.

So gaaanz langsam ebnet sich der Weg und das Off-road-Vergnügen geht in die letzte Runde. Der weg wird weiter und breiter, führt durch den Wald und wir haben den Coulin-Pass in schwindelden 266 m Höhe erreicht. Ein Wildgatter versperrt uns den Weg. Ich steige ab, öffne dieses, Jürgen fährt hindurch, ich schiebe mein Motorrad die paar Meter, bis ich durch das Gatter bin und stelle meine GS auf den Seitenständer rechts am Weg ab und schließe das Gatter.
Ich springe mit angehobenem Bein über die Sitzbank, greife den Lenker und richte dabei mit meinem Schwung das Moped auf und will mich mit meinem rechten Bein am Boden abstützen. welcher Boden, da war keiner mehr. Mein kurzer und verzweifelter Aufschrei „Neeeiiiinnn" erregte Jürgens Interesse.

 

Er drehte sich herum und sah wohl noch meine Seitwärtsrolle. Da lag ich, das Moped auf mir, wo wohl?

Nein nicht im Graben, es war ein kleiner Scheißbach. „Jetzt habe ich die Schnauze aber voll", habe ich geschimpft und bin unter dem Motorrad hervorgekrabbelt, triefend vor Nässe, Wasserpflanzen und Gras auf dem Helm, und mein Bruder liegt auf dem Rücken wie ein Maikäfer, brüllt vor Lachen und pisst bald in die Hose.

Gemeinsam stellen wir die Fuhre wieder auf, beide haltlos lachend. Jürgen sagte unter anhaltendem Lachen

 

„Ich hätte Dir fast nicht helfen können vor Lachen, so einen Absprung macht dir keiner nach, dann noch, wie das aussah, als du aus dem Bach aufgetaucht bist, da konnte ich nicht mehr".

 

Es dauerte noch eine ganze Weile bis wir wieder weiterfahren konnten.
Übrigens am Motorrad ist nix passiert.
Weiter bis Kyle, zur Tankstelle und das Moped und mich ein bisschen abstrahlen war noch zu erledigen, bevor die letzten Kilometer bis Dornie unter die Räder genommen wurde. Im alten Polzeihaus war leider nichts mehr frei, aber kein Problem, ein paar Meter weiter fanden wir eine andere Unterkunft. Jetzt erst verspüren wir einen Mordshunger, also ab ins Pub. Zurück in der Unterkunft, schreibe ich den Tagesbericht, Jürgen lacht immer noch. Ich übrigens auch. Hätte euch auch gefallen. Bleibt nur noch zu erwähnen,


„Wir sind die Weekend Warriors - The Frontline is in Scotland"
Wie wahr, ist mein letzter Gedanke.

 

 

 

 

 

 

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