Samstag 28. Juli 2007

Dornie - Inverness

Five Sisters Five Sisters

Nach wie schon gewohnt gutem Frühstück, wollen wir es heute ein bisschen gemütlicher angehen lassen. Aber noch ist nicht aller Tage abend. Es regnet ganz leicht als wir Dornie auf der A 87 in südlicher Richtung verlassen. Die gut ausgebaute Straße führt bis Glenshiel am Loch Duich entlang. Ein mächtiges Bergmassiv ist schon eine ganze Weile im Blickfeld. Es sind die „Five Sisters".

 

Die Straße führt uns nun in das Glen Shiel, wo die Fünf Schwestern, nur wenig Sonne durchlassen. In diesem geschichtsträchtigen Tal fahren wir nun doch ein bisschen schneller, denn hinter uns kommen dicke Regenwolken bedrohlich näher, doch am Loch Clunie scheint die Sonne, da hat der Regen sich schon in die Berge verzogen.

 

Der See ist nicht natürlichen Ursprungs, hier wurden verschiedene kleine Flüsse des Glen Shiel zum Loch Clunie aufgestaut, das auslaufende Wasser ist nun der Fluss Morriston, der in den Loch Ness mündet,einer der wildesten white water-Flüsse Schottlands.
Allerdings nur, dienstags und mittwochs, während der Sommersaison. Denn nur an diesen Tagen wird der Damm dann soweit geöffnet, dass der Fluss sich mit seiner ganzen Wildheit zeigt und Rafting möglich ist.

 

Rafting am River Moriston Rafting am River Moriston

Die Rafting Tour dauert ca. 3-4 Stunden, kostet ca. 75 £ und ist bestimmt so geil wie Off-Road fahren. Was denkt ihr, sollen wir es tun?

 

Während ich die Infotafel studiere, öffnet sich der Himmel, die Sonne scheint und produziert einen wunderschönen Regenbogen über der Straße.

Regenbogen am Loch Cluanie Regenbogen am Loch Cluanie
Urquhart Castle am Loch Ness Urquhart Castle am Loch Ness

Endlich erreichen wir bei Invermoriston das geheimnisvolle Loch Ness und folgen der A82 bis zum Urquhart Castle, von dem nur noch eine Ruine übrig ist.
Ein großes Besucherzentrum versperrt den direkten Weg zur Ruine. Es sind jede Menge Touris anwesend und wir fragen uns sollen wir uns das antun oder nicht?

Also berappen wir 6,50 £, ca 10 Euronen und besichtigen unsere erste Ruine in Schottland. Die Anlage ist überraschend gut gepflegt und weitläufig.

 

Etwa 1230 erbaut, zählte die Burg zu den größten in Schottland. 1296 wurde sie von den Engländern eingenommen, fiel dann aber unter die Kontrolle von Robert the Bruce, nachdem dieser schottischer König wurde. Die letzte Garnison verließ die Burg 1692, die fortan dem Verfall überlassen wurde. In den 1930er Jahren erwarb ein Mr Chewett die Ruine. Heute gehört sie „Historic Scotland" und kann für 6,50 Pfund (Erwachsener) besichtigt werden.

Blick über die Ruinen & Loch Ness Blick über die Ruinen & Loch Ness

Vom Towerhouse blickt man über den Loch Ness und das Visitor Center. Nessie haben wir nicht gesehen, und wir müssen aber gestehen, gesucht haben wir sie nicht, die Nessie.

 

Den Touristentrubel hinter uns lassend, lassen wir die Motorräder ins nahe Glen Afric rollen. Hier ist man wieder im realen Schottland. Bei Corrymony biegen wir auf eine Single-Road ab und schauen uns die „Corrimony Cairns" das sind Hügelgräber, die schon vor tausend Jahren existierten. In den fünfziger Jahren hat man sie gefunden und ausgegraben.

Brücke über den Cannich River Brücke über den Cannich River

Also Helm auf und die Straße führt uns weiter nach Cannich, tief ins Glen Afric hinein. Dort folgen wir dem River Cannich auf einem sehr kleinen und kurvenreichen Sträßchen, das sich durch dichten Buchenwald schlängelt. Mein Blick reicht tief in den Wald hinein, ich suche eine Brücke, die einen Wasserfall überspannt, ich sehe nichts, höre nur Wasser rauschen, hier muss sie doch irgendwo sein.

Mein Brüderlein huupt wie wild, er hat sie durch die Bäume gesehen. Die Motorräder lassen wir einfach am Straßenrand stehen, nach ein paar Metern im Wald sehen wir sie eh nicht mehr, dass sie gestohlen werden könnten, denn Gedanken hatten wir keine Sekunde. Wir gehen und kraxeln mit den Händen Halt suchend, querbeet durch den Wald, auf die nicht gerade Vertrauen erweckende Brücke zu.

Cannich River bei Muchrachd Cannich River bei Muchrachd

Das Wasser des Cannich Rivers ist schwarz wie die Nacht und stürzt rauschend in die Tiefe. Naja so tief ist es nicht aber das Tal bietet eine beeindruckende unberührte Natur und Pflanzenvielfalt. Wir wären kein bisschen überrascht gewesen, wären wir hier auf Bären und Wildschweine gestoßen, so wild und einsam ist es hier.

Wir streifen noch eine Weile im Wald herum, beide Hände braucht man zum Festhalten in den steilen Hängen. Am meisten begeistern die Heidelbeeren, die dick und fett hier wachsen. Ob es Fuchsbandwürmer hier gibt? Mir wurscht, die Beeren sind dick wie Kirschen und zuckersüß hmmh. Mit blauer Zunge, die Hände voll mit Heidelbeeren, kämpfen wir uns zu den Mopeds zurück. Und siehe, da stehen sie genau so wie wir sie verlassen haben. Tja, Füchse, Rehe und anderes Wildgetier können halt kein Moped fahren, die müssen laufen. Und Zweibeiner sind uns seid Stunden nicht mehr begegnet.

Wir müssen zurück bis Cannich zur A 831 fahren, hier biegen wir rechts ab und folgen der Single-Road, ein winziges Sträßchen noch einmal etwa 15 km südwestlich am River Affric entlang, ins verwunschene Glen Affric.

Hier findet man sich schon nach kurzer Zeit in absoluter Hochlandeinsamkeit unter der selten gewordenen Scots Pine, der schottischen Kiefer und Birken wieder. Dieses Naturparadies ist wahrlich ein »Muss« in Schottland.

Das Glen Afric, Heide und Einsamkeit Das Glen Afric, Heide und Einsamkeit

Das heute praktisch unbewohnte Glen Affric gehört zum ehemaligen Clanland des Clans Chisholm. Vom Taleingang bei Cannich erstreckt sich der Glen nach Westen und bildet zusammen mit dem Gleann Lichd einen natürlichen Zugang zur Westküste bei Shiel Bridge. Eine öffentliche Straße führt bis ans Ende des Stausees Loch Beinn a' Mheadhain, der über Stromschnellen vom 1 km talaufwärts liegenden Loch Affric gespeist wird. Der Talgrund liegt auf ca. 250 m Höhe, darüber erhebt sich im Norden die Bergkette des Carn Eige (1183 m) und im Süden die Flanken, die sich bis zum Sgurr nan Conbhairean (1109 m) hinaufziehen.
In den letzten Jahrzehten wurden zu beiden Seiten der Seeufer umfangreiche Aufforstungsarbeiten durchgeführt, die den stark dezimierten Bestand an ursprünglich heimischen caledonischen Pinien sicherstellen konnten. In diesen Naturschutzgebieten hat sich ein reicher Rotwildbestand angesiedelt.

Dog Falls im Glen Afric Dog Falls im Glen Afric

Die Dog Falls am River Affric sind ein kleiner Wasserfall unterhalb der Staumauer des Loch Beinn a' Mheadhain.

Der Fluss führt um diese Jahreszeit relativ wenig Wasser, so kann man von Stein zu Stein über den Fluss hüpfen und Trouts beobachten. Anschließend muss man manchmal die Socken trocknen.

Nasse Füße? Nasse Füße?
Lodge Afric Lodge Afric

Wir fahren weiter bis zum Ende der Straße auf den Parkplatz an der Chisholm Bride. Von hier wollten wir weiter am Loch Affric bis zur malerisch gelegenen Affric Lodge fahren, aber erstens ist es verboten, mit dem Auto zur Herberge zu fahren, da auf einem Privatgrundstück gelegen.

Ob es mit dem Motorrad erlaubt ist? Also versuchen wir auf der anderen Seite der Brücke am Loch Affric weiter zu fahren.

Aber da stehen Warnschilder auf denen steht „ab 12. Juli bis Ende September dürfen Wanderer (Motorradfahrer auch?) nicht mehr vom Weg abweichen, da man sonst ernsthafte Probleme mit den "wilden Jägern" dieser Gegend kriegen könnte, und man sollte sich mit den bewaffneten Eingeborenen doch lieber immer gut stellen" . Wir fahren lieber nicht, eine Kugel im Tank oder Bobbes tut nicht Not.

Brücker über den River Afric bei Fasnakyle Brücker über den River Afric bei Fasnakyle

Dann brauen wir halt erst mal einen Kaffee am Parkplatz, dachten wir. Midges, ruft Jürgen über den Parkplatz.

Tatsächlich, da sind sie wieder. Das Drecksviehzeug braucht kein Mensch. Also weiter, an der alten Steinbrücke bei Fasnakyle machen wir dann aber doch Pause und kochen Kaffee.

Nach der wohlverdienten Stärkung wird es dann auch Zeit wieder auf der A831, zurück bis Drumnadrochit zu fahren, von da weiter auf der A82 am Loch Ness entlang bis Inverness, unserem Tagesziel.

Das Castle von der Bridge Street Das Castle von der Bridge Street

Am späten Nachmittag erreichen wir Inverness.

Am Ende des Great Glen und an der Mündung des River Ness in den Morray Firth gelegen. Inverness ist Hauptstadt und Verwaltungszentrum der nördlichsten Provinz Schottlands, den Highlands. Mit ihren Hängebrücken über den Ness und alten Steingebäuden ist es eine schöne Stadt, die für ihren Blumenschmuck bekannt ist. Der Ort und seine Umgebung sind geschichtsträchtig. Auf der Burg von Inverness regierte im 11. Jahrhundert Macbeth, nicht so grausam wie von William Shakespeare geschildert. Anstelle seiner Burg steht seit dem 19. Jahrhundert ein repräsentatives Burgschloss auf dem Hügel.

B&B Inverness B&B Inverness

In der Kingsmills Road, bei Morag und Robert, zwei sehr freundlichen Leuten, finden wir endlich ein freies B&B. Leider ist dies die letzte Saison für Morag & Robert, denn Sie gehen in den Ruhestand.

 

Die Motorräder dürfen wir im Hof abstellen. Nachdem ich einen flachen Stein für den Seitenständer gefunden habe, bleibt das Mopped auch einigermaßen stabil stehen. Gepäck abladen, duschen und landfein machen, schon sind wir unterwegs und erkunden Inverness. Nach kurzem Spaziergang sind wir schon in der Innenstadt, wo das schottische Leben, Samstag nachmittags, tobt. Im Pub, in welchem wir landen ist der Teufel los. Live Musik mit Drums und Piper erzeugen eine Gänsehaut. Das Pub ist proppenvoll, unmöglich bis zum Thresen vorzudringen, ich bestelle bei irgendeinem Gast zwei „Pint of Guinness" und nach einiger Zeit bekommen wir unser Guiness. Ich drücke Ihm 10 £ in die Hand und ich bekomme das Wechselgeld, wieder von jemand anderem zurück. Nach einem Bier gehen wir wieder, denn der Magen fängt an zu maulen.

 

Es ist Samstag Nachmittag und jedes Pub oder Restaurant ist krachvoll. Sind dann über den River Ness geschlendert und sind bei einem Schottischen "Italiener" gelandet.

Es gab „Soup of the Day, Karottensuppe mit Orange" sah aus wie Glibber, schmeckte sehr ungewöhnlich und muss auch nicht mehr sein. Da war es wieder, das Vorurteil, englische Küche, brrrr.
Nach dem Lunch im Whiskey-Shop ein paar Kleinigkeiten eingekauft, danach weiter durch die Straßen von Inverness geschlendert. Selbst in der High Street waren die Geschäfte schon geschlossen, kein Mensch mehr auf der Straße. Ich frage mich wo sind die denn alle? Es ist Samstag Nachmittag.

 

 

Inverness Castle Inverness Castle

Über eine herrlich schwankende Hängebrücke, nicht wir, überqueren wir den River Ness, schlendern an der Bank Street entlang, immer das Schloss im Blick, in heutiger Zeit Stadtverwaltung und Gericht, die Castle Street hinauf am Schloss vorbei,

 

The Castle Tavern in Inverness The Castle Tavern in Inverness

um dann wenig später in der Castle Tavern zu stranden.

 

Männlein und Weiblein machen sich Samstag nachmittags fein und gehen ins Pub, zur Whiskey Probe.

Wir probieren das örtliche Guinness 3 bis 4 mal. Es schmeckt von Pint zu Pint besser. So gegen acht Uhr machen wir uns gut gelaunt und beschwingt wieder auf den Weg in die Kingsmills Road.

Verdammich aber auch, ich krieg das Schloß nicht auf. Jürgen grinst und sacht, lass mich mal ran, aber es rührt sich auch durch Jürgen's Hand nicht. Wir müssen wohl ziemlich laut gelacht haben, denn auf einmal öffnet uns Robert, der Hausherr, die Türe.

 Er bittet uns leise zu sein, denn ein anderer Gast sei krank.

Ein merkwürdiger Geruch zieht durchs ganze Haus. Auf der Treppe zum Bad und den Zimmern sieht man überall verdächtige braune Spritzer und Flecken. Da sagt Jürgen „der Kerl hat das ganze Haus verschissen, die Sau". Ich kann nicht mehr an mich halten und pruste laut los. Von unten tönt es herauf „Please be quietly" So betten wir unsere müden Häupter auf die Kissen und schlafen lachend ein.

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