Sonntag 29. Juli 2007
Inverness - Grantown-on-Spye
Ich wache so gegen sieben Uhr auf, es liegt ein sonderbarer Geruch in der Luft. Dann fällt mir der Krankheitsfall wieder ein. Ich öffne die Türe einen Splat weit und schaue hinaus. Die Türe zum Nebenzimmer steht offen, scheinbar macht sich der Unglückselige auf den Weg ins Bad. Ich springe in meine Stiefel, barfuß laufe ich nicht zum Bad, und erreiche das Bad.
Nach vorsichtigem Betreten des Bades, den immer noch vorhandenen braunen Flecken ausweichend, schnell die Morgentoilette erledigen. Auf Zehenspitzen das Bad verlassend und Jürgen zurufend „schnell eil dich der Stinker kommt" rast Jürgen an mir vorbei ins Bad. Ich höre ihn schimpfend rufen „Scheiße Scheiße", wie wahr!.
Das Frühstück ist exzellent, wie inzwischen gewohnt.
Der Hausherr kommt und entschuldigt sich nochmal für die Umstände, wir wiegeln ab und lachen.
Dann kommt „Stinker", zu uns an den Tisch und möchte frühstücken.
Jürgen sagt nur mit verstohlenem Seiteblick auf ihn, oh oh ob das gut geht, der ist ja immer noch breit wie Nachbars Lumpi.
Ja der liewe Jung is goar nich krank, das Wasser des Lebens hat Ihm die Sicherungen durchknallen lassen. Aber es ging gut, er hat die feste Nahrung in sich behalten.
Fort George
Nachdem die Mopeds gepackt und wir uns nochmal von Morag und Robert verabschiedet haben, verlassen Jürgen und ich Inverness ostwärts auf der A96 , wir wollen Fort George besichtigen, das am Moray Firth liegt.
Fort George ist eine Festung des 18. Jahrhunderts in der Nähe von Inverness in Nordwestschottland und heute eine der bedeutendsten erhaltenen Anlagen dieser Zeit in Europa. Sie wurde gebaut, um das schottische Hochland nach dem Jakobitenaufstand von 1745 zu befrieden und ersetzte eine in diesem Zusammenhang zerstörte frühere Anlage. Eine erste, für eine Garnison von 400 Mann vorgesehen Festungsanlage mit dem Namen „Fort George" entstand 1727 in Inverness auf einem Hügel am River Ness am Standort einer mittelalterlichen Burg, an deren Stelle Oliver Cromwell 1657 eine später aufgegebene Befestigung errichtet hatte. Während des Jakobitenaufstands von 1745 kapitulierte die Garnison vor den Aufständigen unter Charles Edward Stuart, als diese im Februar 1746 Inverness besetzte. Unter der Anleitung eines französischen Pionieroffizers namens L'Epine wurde daraufhin eine Sprengung der Anlage vorbereitet; bei der vorzeitigen Explosion der Sprengladungen wurde neben anderen auch L'Epine getötet. 1747 erhielt der Pionieroffizer William Skinner den Auftrag, Fort George wieder aufzubauen, wählte aber auf Bitten des Stadtrats von Inverness einen anderen Standort.
Beeindruckend der Ravelin mit Zugbrücke.
Ravelin mit Zugbrücke
Toranlage
Als Ravelin (deutsch: Wallschild) bezeichnet man im Festungswesen ein eigenständiges Werk mit meist dreieckigem Grundriss, das den Wall- (Kurtine) und Grabenabschnitt zwischen zwei Bastionen schützt. Direkt im Festungsgraben liegend, ist es niedriger als an den angrenzenden Bastionsmauern.
Grabenabschnitt
Das Fort ist wirklich beeindruckend, sogar einen kleinen Hundefriedhof gibt es hier. Wir verlassen das Fort, denn es gibt noch viel zu sehen hier in dieser Gegend.
Clava Cairns, Hünengräber
In der Nähe liegen die Clava Cairns und wenige Kilometer westlich liegt das Schlachtfeld von Culloden, wo 1746 die letzte schottisch-englische Schlacht mit einer verheerenden Niederlage für die Schotten endete.
Clava Cairns sind eine lokal begrenzt vokommende Form endneolithischer Megalithanlagen in Schottland. Zwölf von den nur etwa 50 artifiziellen Rundhügel liegen in der Grafschaft Inverness-shire. Die bekanntesten und namengebenden sind die drei nicht besonders großen Balnuaran of Clava, die östlich von Inverness liegen.
Clava Cairns, Hünengräber
Bis heute ist nicht geklärt was es genau mit diesen Steinkreisen auf sich hat. Es sollen schon Leute darin verschwunden sein, Ja ja wer weiß? Ich habe mich mal von den Steinkreisen ferngehalten.
War bestimmt jede Menge Arbeit die ganzen Steine hierher zu tragen und aufzuschichten. Nee nix für uns, da fahren wir lieber weiter zum Culloden Moor, was sich dort abgespielt hat, liegt noch nicht so weit in der Vergangenheit.
Wir begeben uns nun weiter in die Vergangenheit und fahren das kurze Stück zum Drummossie Muir, auch bekannt als Culloden Moor.
Gedenktafel
Die Schlacht von Culloden vom 16. April 1746 zwischen englischen Regierungstruppen und aufständischen Jakobiten fand auf dem Culloden Moor (gälisch Culloden Muir, auch bekannt als Drummossie Muir) nahe der gleichnamigen Ortschaft nordöstlich von Inverness in Schottland statt und endete mit einem Sieg der englischen Regierungstruppen.
Nach der Schlacht befahl Cumberland, alle verwundeten und gefangenen Jakobiten zu exekutieren. Lediglich die Soldaten der Irischen Brigade und der Royals Ecossais wurden hiervon ausgenommen und als Kriegsgefangene behandelt. Seine Soldaten töteten etwa 450 verwundete Jakobiten, weitere sollen in eine Scheune gebracht und in ihr bei lebendigem Leib verbrannt worden sein. Einige höherrangige Gefangene wurden zunächst verschont, um in Inverness vor Gericht gestellt und später gehängt zu werden.
Dieses auch für damalige Verhältnisse barbarische Vorgehen versuchte Cumberland damit zu rechtfertigen, dass es sich bei den Jakobiten um Hochverräter handele, denen gegenüber die üblichen Kriegsregeln nicht galten. Am folgenden Tag schickte Cumberland Patrouillen auf das Schlachtfeld, um etwaige weitere Überlebende aufzugreifen und zu töten. Hierbei starben zeitgenössischen Quellen zufolge noch einmal etwa 70 Jakobiten. Weitere Gefangene brachte man zunächst ins englische Carlisle Castle und stellte sie dort wegen Hochverrats vor Gericht. Auch sie wurden bis 1754 großenteils hingerichtet. Die erbeuteten Fahnen der Jakobiten wurden öffentlich verbrannt. Nur eine Fahne, auf der noch die Blutspuren des Bannerträgers zu sehen sind, überdauerte in einem Versteck
Die Clangräber sind mit Gedenksteinen markiert.
Das Leanach Cottage war während der Schlacht ein Feldlazaret der Jakobiten und wird im Originalzustand erhalten. Durch das täuschend echte nachspielen von damaligen Geschehnissen und Operationen
werden, makaberweise die benötigten Gelder dafür aufgebracht.
Es werden immer noch Blumen an den Gedenksteinen abgelegt. Schotten vergessen nicht so leicht.
Wir lassen jetzt die Vergangenheit ruhen und verlassen Culloden und Inverness, fahren in südlicher Richtung auf der A9 und begeben uns auf die berühmte und beliebte Straße der meisten Schottland Touristen „den Whisky Trail" durch das Tal der Spey, wo eine Whisky Destillerie nach der anderen liegt, aufgereiht wie an einer Perlenschnur.
Die feinsten Whiskys Schottlands kommen bekanntlich aus dem überschaubaren Gebiet namens Speyside. Es wurde nach dem für seine Lachse berühmten Fluss benannt, der diesen Landstrich durchfließt.
Dort versteckten die „Highlander" ihre heimlich betriebenen Hausbrennereien und das Wasser des Lebens „Uisge beatha" vor den wachen Augen der Gesetzeshüter. Erwischt haben
sie selten jemand.
Jeder Schottlandbesucher hat die bekannten Whisky Distillerien besucht, ein Muss? sozusagen.
Unser Urteil dazu später.
Parken, neben der Carrbridge
Wir folgen der A9 weiter Richtung Aviemore, zweigen aber nach ca. 30 km ostwärts ab auf die A938 nach Grantown-on-Spey.
Vorher machen wir noch einen Abstecher nach Carrbridge.
Eine alte Brücke, die dem Ort den Namen gab, abseits der Straße, ist sehenswert sie sich anzuschauen.
Wie immer wenn man Bilder in Reiseführern sieht, bekommt man den Eindruck, dass das Objekt irgendwo abseits jeden Weges, in der Landschaft steht und erst gefunden werden muss.
Denkste, keine 10 Meter neben der Straße, wo wir die Motorräder abstellten, steht sie.
Autoren von Reiseführern neigen leider dazu, falsche oder irreführende Angaben zu machen. Hat sich schon oft bestätigt!
Carrbridge, überspannt den River Dulnain
Sie wurde 1707 gebaut, um schneller und ohne Umwege zum Friedhof zu gelangen, dazu musste man den Dulnain River überqueren.
1829 wurde sie von einer starken Flut des Dulnain Flusses teilweise zerstört und blieb in diesem Zustand.
Heute ist die Brücke recht baufällig geworden und sollte nicht betreten werden. Aber ein lohnendes Fotomotiv ist sie allemal.
Cardhu Distillery
Die Route führt uns weiter nach Grantown-on-Spey.
Ab Grantown-on-Spey fahren wir zunächst auf der B9102 Richtung Archiestown. Die schmale Straße führt durch das einsame Strathspey Tal. Es ist eine sehr schöne Fahrt, immer am dunklen River Spey
entlang.
Wir erreichen Knockandhu bei leichtem Nieselregen und ein Schild zeigt uns die Zufahrt zur Cardhu Distillery.
Die erste auf unserem Weg. Eine gute Gelegenheit sich von Innen aufzuwärmen.
Von Cardhu, dessen gälischer Name soviel wie „black rock", also „schwarzer Felsen" bedeutet, heißt es, daß Helen, die Frau des Firmengründers John Cumming, die Kleinbauern in den umliegenden Hügeln durch eine rote Fahne vor anrückenden Zollfahndern warnte. Denn früher brannte fast jeder Bauer seinen eigenen Whisky - illegal, was sonst.
Cardhu Lagerhaus
Die Destillerie Cardhu wurde von Helen Cummings 1811 gegründet. Zusammen mit ihrem Mann betrieb sie die Destillerie zuerst illegal, bis sie 1824 eine Lizenz erwarb.
Sie brannten damals ihren Whisky noch auf ihrem Hof der Farm in Cardow. Erst die Schwiegertochter baute 1874 an heutiger Stelle einen Neubau. Bereits seit 1893 stand Cardhu im Zeichen von Johnnie Walker und seit 1997 gehört alles zu UDV und damit dem Großkonzern Diageo.
Hier lagert das Wasser des Lebens mindestens 5 Jahre, vorher darf der Stoff nicht verkauft werden. Die reguläre Lagerzeit beträgt aber mindestens 10 - 15 Jahre und man riecht den „Angels share"
Angels share
Bezeichnung, die eigentlich überall gebraucht wird, wo Spirituosen hergestellt und in Holzfässern gelagert werden, wo man also die Erfahrung machen kann, daß ein Teil der kostbaren Flüssigkeit sich
im Lauf der Jahre leider durch das Holz verflüchtigt. Wie groß dieser Anteil der Engel ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab: von der Dauer der Lagerung ebenso wie von der Temperatur und dem
Mikroklima, in dem das Faß gelagert ist, aber auch von der Beschaffenheit und der Qualität des Fasses selber.
Der britische Zoll, der es in Gestalt der unbeliebten oder sogar gefürchteten excisemen ja immer ganz genau genommen und versucht hat, jedwedem Missbrauch auf die Spur zu kommen, wird erst dann
misstrauisch, wenn sich pro Jahr mehr als 2 Prozent der Menge angeblich in Luft aufgelöst haben sollten, und vermutet dann doch eher einen heimlichen Genießer.
In Schottland verliert der Whisky darüber hinaus auch an Alkoholvolumen.
Nach diesen neuen Kenntnissen und Eindrücken begeben wir uns uns auf den Weg zur nächsten Distillery. Auf nach Dufftown.
Craigellachie-Bridge
Bei der Durchfahrt von Craigellachie sieht man in der Nähe der Einmündung der A95 die Craigellachie Brücke, die zwischen 1812 und 1814 erbaut wurde.
Bis 1973 hat die Brücke ihren Dienst getan, dann wurde daneben eine neue Brücke gebaut.
Die alte Brücke dürfen nur noch Fußgänger und Fahrradfahrer benutzen. Motorräder dürfen die Brücke nicht mehr befahren.
Clock Tower in Dufftown
Wir fahren auf dem direkten Weg nach Dufftown. Mitten im Ort steht der viereckige Clock Tower.
Er stammt aus dem Jahr 1839 und war das Stadtgefängnis.
Die Turmuhr, „The clock that hanged MacPherson", kam aus Banff nach Dufftown. Folgende Legende wird über die Uhr erzählt: MacPherson, ein Räuber und Tunichtgut, sollte
an den Galgen. Nun wollte aber die Bevölkerung, unter der er gerne gelitten war, ein Gnadengesuch einreichen. Um dem zuvorzukommen stellte Lord Braco, die Sau, Sheriff in Banff, die Uhr um eine
Stunde vor, und gewann so Zeit das Urteil zu verkünden und zu vollstrecken - heißt es.
Wir besuchen die Glenfiddich Brennerei, die ihren Namen vom gleichnamigen Tal und dem Fluss Fiddich erhalten hat. Wir besuchen nur kurz den Shop, ansonsten sind es uns zu viele Besucher und Gedränge hier. Uns überrascht immer wieder, wie gut die Anlagen gepflegt sind.
Das Glen Livet
Wir fahren nun weiter auf der B9009 durch die sanfte Hügellandschaft des Glen Rinnes.
Der Nieselregen ist endlich durch die immer stärker werdende Sonne vertrieben worden und nun können wir heute das erste Mal die herrliche Landschaft genießen.
Kurz vor Tomnavoulin biegen wir rechts ab und genießen die Fahrt durch das Glen Livet, das für mich, starke Ähnlichkeit mit den Höhenzügen des Odenwalds und Spessart hat.
Die Glenlivet Brennerei besuchen wir nur ganz kurz, es ist kein Mensch zu sehen, man hört zwar die Stills arbeiten, aber die Türen bleiben uns verschlossen, na klar, es ist ja Sonntag, keine
Besucher heute.
Wir fahren auf der B9136, durch das Tal des Avon, biegen nach rechts ab auf die A939 und lassen uns gemütlich, die Nase im Wind, den Geruch nach Erde, Wald und Schafen schnuppernd, nach
Grantown-on-Spey zurück treiben.
Die Waverly Villa
Unser Tagesziel erreichen wir nach weitern 20 km.
Es ist jetzt 18:30 Uhr, die Suche nach einer Unterkunft geht wieder los.
Wir haben Glück, wir und unsere Motorräder finden nach kurzer Zeit bei
Mr.& Mrs.Calder, Waverley Villa, High Street, Grantown-On-Spey, Highland,
PH263EW eine schöne Unterkunft.
Parken bei den Calders
Für unsere Seitenständer haben die freundlichen Calders sogar Blechplatten bereit. Wir sind also nicht die ersten Motorradfahrer, die hier übernachten. Nach einer Weile small talk lassen uns die Hausherren alleine, sie wollen noch ausgehen. Na klar doch, es ist ja Sunday.
Auch wir machen uns hübsch und schlendern durch die Kleinstadt, immerhin Hauptort der Cairngorms Region mit knapp 2200 Seelen.
Heute am Sonntag Abend haben wir Mühe um 19:30, noch ein offenes Pub oder Restaurant zu finden. Die Befürchtung wächst, dass heute der Schmalhans regiert. Dann finden wir J J's Restaurant, The
sizzling steak and chips is delicious. Theres not much space in JJs, but a nice atmosphere. Stimmt genau. Nach dem Essen haben wir uns die Ortschaft genauer angeschaut und es ist wirklich eine
kleine schöne Ortschaft.
Nach dem Verdaungsspaziergang wollen wir noch einen Schlaftrunk zu uns nehmen, aber Pech gehabt. Um 22:00 Uhr hat kein Pub mehr geöffnet, da bleibt halt nur noch der Schlafkaffee im Zimmer.
Wird ja auch Zeit für uns ins Bett zu kriechen, nach 210 km Tagesetappe. Und morgen werden es auch nicht weniger werden. Und bis jetzt keine Probleme mit dem Moped oder Popo.
Ach ja abschließend noch ein Wort zum Whisky Trail:
Meine Meinung dazu ist, hat man eine Distillery gesehen, kennt man alle. Für Whisky-Fans mag das Ok sein jede Distillery in der Spyside Region zu kennen, für uns allerdings haben die Landschaft,
die Menschen und die Geschichte Schottlands, nicht zu vergessen die herausfordernden Off-Road Strecken, vorrang.
