10.Tag 24.05.2009
von Ullapool
nach
Durness - oder Richtung 58°Nord
lecker Sachen...
Von gestern abend bis heute morgen früh hat es durchgehend aus Eimern geschüttet.
Da wir gestern nacht nochmal alle Heizkörper auf volle Stufe gedreht haben, selbst die auf dem Gang, sind wenigstens unsere Klamotten trocken.
Gut geschlafen haben wir nach dem gestrigen Zechgelage allemal. Ich schiebe das angelaufene Zimmerfenster hoch und wage einen Blick hinaus zu werfen. Es hängen zwar tiefschwarze Wolken über dem Loch Broom, aber es ist trocken. Kann ja nicht mehr schlechter werden....oder doch?
Aber nun zum Ernst des Tages. Wir sind ja nicht zum "Vergnügen" hier in den schottischen Highlands.
Das Frühstück war wie üblich wohlschmeckend und vollständig ausreichend. Unsere Wülfrather würden sagen...das langt den ganzen Tag...muss ja auch, denn die Planung sagt, dass wir heute jede Menge löchrige, schlammige Strassen zu erwarten haben.
Unser fahnenflüchtiger, genannt "Purzel", seines Zeichens Chefplaner war dafür verantwortlich.
Alle haben fertig gesattelt und so kann es dann losgehen.
Wir verlassen die Garve Road und Ullapool über die A 835 in Richtung Morefield und Ardmair. Hier ist unser erster Stop am Parkplatz mit Blick auf die "deep freeze Mountains" einer kargen und trotzdem atemberaubenden Vulkanlandschaft. Am Horizont sehen wir schon die schroffen Kraterkegel des Stac Pollaidh.
10 Kilometer weiter, kurz vor Drumrunie biegen wir nach links auf eine Brücke ab und überqueren den River Runie.
Auch hier in diesem Gebiet haben Ewan McGregor und Charley Boorman für "Long Way Round" geübt und nun sollen uns jetzt die "dirt roads" ins Gelände führen.
Das vor uns liegende Strässchen ist zwar kurvig und schmal aber von einer Teerschicht 2.Wahl überzogen. Nix mit Gelände - Schotter - Schiebestrecken. Die Schotten denken immer mehr an die zahlungskräftigen "Dosenfahrer" und Bustouristen....SCHaaaaade..!
Aber was solls...die traumhafte Gegend machts wieder wett und das fahren auf dem Strässchen macht einfach Laune. Die führt uns an den Lochs Lurgainn - Bad a Ghaill - und Loch Osgaig entlang.
Achnahaird Bay
Durch die spektakuläre Landschaft fahren wir bis zum Loch Raa weiter.
An der Kreuzung biegen wir nach recht auf die "Road to the Summer Isles" ab.
Nach ca. 2 Kilometern erreichen wir die Abzweigung nach Brae of Achnahaird und kurz danach die Traumstrände der Achnahaird Bay.
Hier verweilen wir ein bisschen. Dirk erledigt kurzfristig ein paar Wartungsmassnahmen an Ulrikes Pferdchen. Da es die letzten Tage doch öfters "geregnet" hat muss halt auch mal die Kette geschmiert werden.
Weiter gehts. Kurz danach erreichen wir die Abzweigung nach Reiff und Althandu. Der Ausblick auf die verstreut im Meer liegenden Summer Ilses verschlägt uns die Sprache. Mir gehen langsam die Worte für diese Superlativen aus.
Wir umrunden mit staunenden Augen die Halbinsel und fahren über Polbain, an den Lochs Raa und Osgaig zurück. Menschenleere...nur ein paar Hochlandrinder weiden hier und da in der Weite der Hochlandsteppe....einfach gigantisch.
Die Sonne hats sich ( mal wieder ) etwas verzogen und es ist ganz schön windig.
An einem Parkplatz finden wir etwas abgestreifte Schafswolle im Gebüsch und ich probiere mal das Naturtoupet. Die Bande äumelt sich bald vor lachen weg, trotzdem glaube ich nicht dass mir blond steht..?! Da bleibe ich doch lieber Plattkopf..!!!
einsam...einsam
An der Strassengabelung biegen wir rechts bab und fahren am Loch Osgaig zurück bis zur Strassengabelung Richtung Badnagyle.
Diese "Low-Way-Road" führt uns in nördlicher Richtung durch einsamste und wilde Landschaften bis nach Inverkirkaig.
Auf kurvenreichen, meist nur von Schafen benutzten Strassen nähern wir uns Lochinver, einem kleinen Hafenstädtchen in den nordwestlichen Highlands von Schottland.
Unterwegs werden naturalmente diverse Päuschen eingelegt um die landschaftlichen Eindrücke der seendurchsetzten Urlandschaften auf Zelluloid, ähem, in diesem Falle besser SD-Karten zu bannen.
Die Strasse nach Drumbeg bietet weiter einzigartige Panoramen und wunderschöne Strände. Hier fällt es richtig schwer sich auf das schmale Strässchen zu konzentrieren, dass sich wie eine Schlange durch die Highlands windet.
Ab Drumbeg wirds dann wie auf einer Achterbahn mit 25%igen Steigungen und bis zu kurzfristigen 40%igen Gefällstrecken. Hammerhart...!
Wir wechseln von der B 869 auf die A 894 und überqueren bei Unapool den Loch Chairr Bhainn über die Kylesku Bridge und erreichen Kylestrome.
10 Kilometer weiter liegt dann Scourie vor uns. Hier waren dann auch nochmal 2 kurze Offroad-Abstecher geplant. Durch das sich rapide verschlechternte Wetter und die noch ca.40 verbleibenden Meilen nach Durness haben wir das jedoch ausgeklammert.
Schade, aber zeitlich gesehen war es genau die richtige Entscheidung, ei derweil diese 40 Kilometer zwischendurch immer wieder Fotostops an weiteren Perlen der schottischen Highlands wie Loch Culag - Chlachtoll Bay - Edrachillis Bay unterbrochen werden mussten...! Die Akkus unserer Digicams wurden hier an diesen "Hotspots" an die Leistungsgrenze getrieben.
Schlussendlich erreichen beim Point Gualin Ho den Eingang durch das vergessene Tal nach Durness. Warum vergessenes Tal...? Du stehst an der Strasse und kriegst den Mund vor staunen nicht mehr zu. Ein Blick in eine atemberaubende Weite die du hier nicht vermutest. Unten im Tal schlängelt sich der River Dionard glitzernd durch die von beiden Seiten von schroffen, steilen Bergen eingeklammerte Ebene in Richtung Kyle of Durness. Man erwartet hier eigentlich Herden von grasenden Mammuts und Dinosaurieren zu sehen....und wenn die dagewesen wären....keinen hätte es gewundert.!!
Es geht das am Hang klebende Strässchen hinuter ins Tal und dann noch ein paar Kilometer weiter und dann stehen wir am Kyle of Durmess, einem kilometerlang ins Hinterland reichendem Meeresarm. Jetzt bei Ebbe eigentlich ein kilometerlanger, goldfarben daliegender Sandstrand. Wir stehen wieder da und können uns kaum sattsehen.
Hilft alles nichts, wir müssen weiter. Hunger und Durst treiben uns die letzte Strecke bis nach Durness und unseren Tagesziel, dem Foinaven B & B.
Auf dem Schild steht geschrieben: you expect a warm, friendly and homely Atmospehre ( ein warmer Empfang und eine freundliche und heimelige Atmossphäre erwartet dich hier ) Wir haben nichts davon gemerkt...und das zum ersten mal in Schottland. Später mehr dazu..!
Da wir ja bekanntlich schmerzfrei sind wurde halt auf small-talk verzichtet. Zimmer bezogen, geduscht und ab nach Durness City zum essen fassen.
Das gestaltet sich in Durness erstmal nicht so ganz einfach. Hier ist bei 58° Nord erstmal Lands End. Will sagen das ganze Nest ist ein halt ein sehr kleines bewohntes Gebiet mit ein paar verstreut wohnenden Einwohnern und einem Campingplatz. Hier gibts ausser verdammt viel Landschaft, also Natür pür nur sehr wenig Zweibeiner.
Der Campingplatz hat weit mehr Bewohner wie Durness, aber liegt exponiert direkt auf dem Plateau einer tollen Steilküste. Grüner Rasen auf den Wimbledon neidisch wäre. Mit Blick auf die noch schönere Sango Bay mit Traumbuchten und weissen Sandstränden vom feinsten.
Wir wollen im Campingrestaurant einfallen....es hat zu...ich krieg ne Krise. Erst ab 18:00 Uhr geöffnet. Also vetreten wir uns die Beine und schlendern erstmal auf den Aussichtspunkt, eine Holzterasse direkt auf den Klippen, und geniesen ( hungrig ) das Traumpanorama. Vor uns der Atlantik, die kilometerlange Steilküste und die Sango Bay unter uns. Da wir für Essen gehen immer noch zu früh sind wird der Strandspaziergang vorgezogen. Wenn hier Palmen stehen würden...Hawaii kann nicht schöner sein.
Mittlerweile ist es 18:00...der Gourmettempel hat die Pforten geöffnet und wir erleben das schlechteste Essen dass wir je in Schottland zu uns genommen haben. Wirklich wahr. Der Chef de Cuisine hat halt ein Monopol hier und das nutzt der Küchenkasper auch schamlos aus. In Kriegszeiten hätte der am Baum gebaumelt. Na ja, das bisschen Essen kann man ja auch trinken. Bier kommt aus Flaschen und da kann man bekanntlich nicht so viel falsch machen....!!!
Nach dem Essen war dann noch ein kleiner "Verdauungsspaziergang" angesagt.
Am Postoffice treffen wir dann eine Gruppe motorradfahrender Berliner mit denen wir ins Gespräch kommen und uns über Schottland unterhalten. Die waren auch etwas vom Pech verfolgt...diverse Umfaller...und der Hinterradreifen von dem einen Berliner, Ralf hieß er, würde bei einer deutschen Verkehrskontrolle wohl auch zu einem Punkt in Flensburg führen. Ob der das noch bis nach Hause schafft...?
Danach nichts wie in die Heia. Der Tag morgen wird ja auch nicht wesentlich kürzer sein.
