11.Tag  25.05.2009

 

rund um 58° Nord - nordwestlichster Punkt Schottlands - Durness

 

 

 

 

 

 

B&B Foinaven in Durness B&B Foinaven in Durness

Gähn.....wir schälen uns behäbig aus den Laken.

 

Draussen lacht die Sonne vom Himmel. Erstmal Körperpflege und dann den knurrenden Magen beruhigen. Wir betreten den Frühstücksraum und siehe da...unsere Hausherrin ist schon am wirken. 

 

Die Frau "mürrisch" hat anscheinend heute einen guten Tag erwischt und bringt sogar ein paar Sätze über die Lippen. good morning...Coffee orTea...how would you like your breakfast...and so on. Kurz und knapp aber immerhin...sie redet!

 

Heute können wir in Ruhe den Tag angehen lassen. Wird heute nur eine kurze Tour. So ca.90 Kilometer rund um Durness und das alles ohne Gepäck.

Also ganz gemach das "early piece" geniessen und dann sehen wir mal was der Tag so bringt. Highlights gibts ja zur Genüge.

Wir wollen zuerst zum Cape Wrath.

 

Das Kap stellt den nordwestlichsten Punkt Schottlands dar.

Der Name Cape Wrath (auch englisch für Zorn oder Wut) stammt vom altnordischen Wort für "Umkehrpunkt".

Die alten Wikinger kehrten von hier oft zurück in ihre Heimat.

Das Kap kann entweder zu Fuß aus Süden oder mit der Passagierfähre von Keoldale bei Durness aus über den Kyle of Durness erreicht werden, wobei man bei der zweiten Variante das letzte Stück zu Fuß, mit dem Fahrrad oder einem Minibus zurücklegen muss.

Wir kommen an der Anlegestelle bei Keoldale an. Ein verwaistes  Haltestellen - Häuschen. Ein Schild...Road across the Bombardment Range closed today ( will heissen..wir gucken in die Röhre ). Auch kein Fährboot in Sicht.

 

Wir schauen uns ein bisschen um und finden noch ein Hinweisschild. Das Gebiet wird von der Royal Air Force als Übungsgebiet für Bombardierungen genutzt, weshalb die Fahrt zum Kap in gewissen Zeiten des Jahres untersagt ist. Also ausgerechnet heute Zutritt nicht gestattet..Volltreffer..!!  

Naturschutz und gleichzeitig militärische Nutzung...ein Widerspruch in sich selbst.

Am Kap selbst steht ein Leuchtturm, der 1828 von Robert Stevenson erbaut wurde und bis 1998 bemannt war. Weiter finden sich die Ruinen der Lloyd's-Signalstation, die benutzt wurde, um die Schifffahrt zu überwachen.

Etwa 6,5 Kilometer entfernt liegen die Klippen von Clò Mór, die höchsten am Meer gelegenen Felsen der britischen Hauptinsel.

 

Die Anreise zum Leuchtturm von knapp 18 Kilometern , die uns durch eine einsame und praktisch unbewohnte Kapregion und an die supertollsten Panoramen und Sandstrände führen soll (te), bleibt uns heute also verwehrt. 

So ein Scheiss aber auch. Da steht man sprachlos an den Ufern des Kyle of Durness und denkt sich seinen Teil..!!!

 

Das wäre uns zu Augen gekommen...wenn da nicht die Royal Air Force dazwischen gefunkt hätte.

 

Cape Wrath und die Klippen bei Clo Mor Cape Wrath und die Klippen bei Clo Mor

 

Nun denn, aufgesessen und weiter gehts am Kyle of Durness talaufwärts. Die Meerenge sehen wir heute bei Flut. Ich für meinen Teil würde den Blick bei Ebbe vorziehen. Die vielen im glitzerndem Wasser liegenden goldfarbenen Sandbänke sehen einfach besser aus.

 

Es geht das schmale Strässchen zuerst am River Dionard entlang bis wir die Hochebene erreichen. Kurz danach verlassen wir das Tal und fahren durch eine baumlose Steppenlandschaft. Unzählige Wasserläufe und kleine Wasserfälle durchziehen das Hochmoor. Wir bleiben stehen und streifen zu Fuss durch die Gegend um so nah wie möglich an einen der Wasserfälle heran zu kommen. Hilde betätigt sich dabei wieder mal als "Großwildjäger" und fängt so allerlei Getier ein. Ein paar Meter weiter sehen wir einen Platz an dem anscheinend immer noch Torf gestochen wird.

 

am Loch Inchard am Loch Inchard

 

Auf der A 8381 weiter bis zum Loch Inchard. Wieder einer dieser grandiosen schottischen Fjordlandschaften.

 

In Rhiconish angekommen biegen wir auf die B801 Richtung Kinlochbervie ab. Die Strasse schmiegt sich an die sattgrünen Berghänge und führt uns in weit ausladenden Schwüngen, immer den Blick auf den Loch Inchard freigebend, zu unseren nächsten Zielen...Oldshormore mit dem Meallan Beach - Pollin Beach.

 

In Droman fahren wir zum Droman Pier, einem ins Meer betoniertem Anlegesteg...von hier kann man Bootsausflüge nach Eilean an roin Mor oder den anderen vorgelagertern Inselchen zum bird-watching oder zu den Robbenkolonien unternehmen. Wieder ein einsames Haltestellenhäuschen. Ein Fahrplan hängt zwar aus. Der ist aber vom letzten Jahr. Fragen kann man niemanden...hier gibts keine menschlichen Aktivitäten. So machen wir halt ein bisschen Unfug und fahren dann nach Sheigra - Sheigra Beach weiter.

 

An all diesen Orten scheint wiederum die Zeit irgendwann kurz nach Ende des Mittelalters stehengeblieben zu sein. Einsam in stillen Buchten gelegene, von ein paar einheimischen bewohnte typische Steinhäuschen, dazwischen aber auch viele leerstehende Crofts. Hier ist die anhaltende Landflucht der jüngeren Schotten überall spürbar. Teilweise liegt eine gespenstische Ruhe in der Luft.

 

Also Landschaft pur, die Strände, allesamt vom feinsten, sind malerisch zwischen schroffen Steilküsten eingezwängt.

Hier und da ist die "scottish highland patrol" ( gemeint sind Schafe ) in den sich im Wind wiegenden Schilfgraswiesen unterwegs. Gut getarnt, wie man auf den Bildern in der nachfolgenden Galerie sehen kann.

 

Insgesamt kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die vor uns liegende Szenerie einem ambitioniertem Landschaftsmaler vor Begeisterung Tränen in die Augen treiben würde. 

 

Foinaven & Arkle Foinaven & Arkle

 

Wir machen noch ein paar Abstecher an die Küste bei Sheigra. Da ist dann Ende Gelände. Von hier gehts nur noch zu Fuss weiter.

 

So machen wir uns auf den Weg zurück nach Durness. Dort angekommen biegen wir nach links ab. Die Strasse führt uns ein paar Kilometer Richtung Balnakeil.

 

Es geht am Balnakeil Croft Village vorbei und dann weiter bis die Strasse an einem kleinen Friedhof endet. Gegenüber des kleinen Parkplatzes liegt ein Farmhouse.

Vor uns liegt der Atlantik mit den Stränden von Balnakeil. Rechts von uns die Halbinsel Faraid Head, ein unter Kennern sehr bekanntes Beobachtungsgelände für die verschiedensten Vogelarten. Einfach traumhauft.

 

So traumhaft, dass ich auf alles achte, nur nicht auf den Stolperweg der voller Löcher hinab zum Strand führt. Die Digicam im Anschlag passiert es dann...ich knicke um und micht haut es volles Programm auf die Schnauze. Von meinen Kollegen kriegt das zum Glück keiner mit...die hätten sich totgelacht über meine grazilen Rolle die ich im Dreck hingelegt habe. Ein "Furchenroller" par exellance. Den Dreck noch in den Klamotten geselle ich mich wieder zur Truppe dazu. Die sind immer noch mit den Seevögeln zugange die mit ein paar Stückchen Brot angelockt werden. Mein Hildchen sagt als sie mich sieht...wieso bist über und über mit Sand voll....? Die waren so gedankenverloren...ich hätte mir den Hals brechen können und keiner hätte es gemerkt.

 

Auch von hier gibts keine Chance weiter ins Naturschutzgebiet einzudringen. Wie gesagt...Dank an die Royal Air Force...closed today..!

So besichtigen wir noch kurz den alten Friedhof, machen jede Menge Fotos und beschäftigen uns noch eine Weile mit den futtergierigen Vögeln.

 

 

Dann wirds langsam Zeit für unser nächstes Etappenziel für heute. Ein paar Meilen weiter wartet die Smoo Cave auf uns.

 

Die Smoo Cave ist eine Meeres- und Süßwasserhöhle östlich von Durness in der Grafschaft Sutherland an der Nordküste der schottischen Highlands. Ihr innerer Teil ist eine Karsthöhle aus dem Kalkstein der Durness Gruppe. Das altnordische Wort „Sumvya“, von dem sich Smoo ableitet, bedeutet „Bachtal“ oder „Spalte“.

Die Kalksteinhöhle ist über 60 m lang, 40 m breit und der Bogen über dem Eingang über 15 m hoch. Damit ist sie die Meereshöhle mit dem größten Zugang auf den Britischen Inseln. Die aus zwei T-förmig angeordneten Kammern gebildete, leicht zugängliche Höhle erreicht man über einen steilen Pfad, der zu einer Bucht hinunter führt. Die Höhle kann auch per Boot besucht werden. Ihr Inneres wird mit Flutlicht beleuchtet.

 

Es gibt einige Geschichten über die Smoo Cave, die auch ein Schmugglerversteck gewesen sein soll. Eine lokale Legende aus dem 16. Jahrhundert erzählt, dass der Landstreicher McMurdo seine Opfer ermordete, indem er sie in das Blasloch der Höhle stieß. McMurdos Grab liegt auf dem Friedhof der Balnakeil-Kirche, mit Blick auf die nahe Balnakeil Bay.

 

Die Meeresbrandung und ein kleiner Bach, der sich aus dem inneren Teil der Höhle ergießt, haben im Laufe der Jahrtausende den engen, etwa 800 m langen Fjord „Geodha Smoo“ gebildet. Der „Allt Smoo“ genannte Bach fließt durch ein Loch in der Decke in die fast 25 m lange, „Falis Smoo“ oder Schornstein Smoo genannte zweite Kammer. In Kaskaden fällt er in ein Becken mit einer Tiefe von rund acht Metern. Nach starken Niederschlägen wird der Allt Smoo zum reißenden Bach. Das Blasloch und der Wasserfall können auch von einem Aussichtspunkt oberhalb der Höhle und einer Holzbrücke, die direkt über die Einfallöcher führt, beobachtet werden.

Hilde hat sich schon wieder bei mir bedankt...ich lieeeebe Holzbrücken!

 

Ein kleiner aber feiner Ausflug den wir nur empfehlen können.

Beach bei Sangobeg Beach bei Sangobeg

Nachdem die Höhlenexursion beendet war und wir uns schnaufend die steilen Treppen hinauf gequält hatten war erstmal eine kurze Verschnaufpause angesagt. 

 

Als Abschluss der heutigen Tour gabs dann nur noch eine kurze Küstentour von Durness in Richtung Loch Eribol in Planung.

 

Vorbei an traumhaften Stränden bei "Leirinmore" - "Sangobeg" und "Ceannabeinne" führt uns das schmale Teerband.  An der Abzweigung der A838 nach Rispond biegen wir nach links ab. Die Holperstrecke führt allerdings nur noch ein paar Kilometer bis ins nirgendwo. 

Dort liegt an einem kleinen Naturhafen ein Gehöft vor uns, durch das die mittlerweile als Feldweg mutierte Strasse wahrscheinlich bis zum Strand direkt am Atlantik führt.

Leider mit Schranke und Hinweisschild...absolutely private..! Sorry, aber heute haben wir irgendwie kein Glück.

 

Trotzdem bieten sich uns von hier aus wunderschöne Aussichten über den Loch Eribol und bis hinüber an die Steilküste von Whiten Head.

 

Wir brechen auf...zurück nach Durness. Es war zwar eine kurze Tour heute aber nicht minder anstrengend.

 

Abendessen...aber wo? Das Campingrestaurant schliessen wir nach der gestrigen Pleite kategorisch aus. Und der Gott des Hungers half gnädig und wies uns den Weg ins Mackays.

Ein kleines, feines Gourmettempelchen an der einzigen Kreuzung von Durness. Tischreservierung an der Rezeption und dann warten im Vorraum bis uns der Kellner an den Tisch geleitet.

Richtig leckerschmecker. Etwas teurer aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Den Absacker nehmen wir dann doch noch im Pub der Sango Sands Caravan Site und geniessen den göttlichen Ausblick auf den Atlantik vor uns.

Draussen bahnt sich ein Sonnenuntergang der Superlative an. Mich hälts nicht mehr auf dem Hocker und mit der Digicam im Arm mache ich mich auf den Weg zu den Klippen. Meine angetraute und die Kremers wollen auf mich warten...!

So denn, ich laufe und laufe. Umzäunte Viehweiden versperren mir den direkten Weg. Mindestens 10 Zäune werden überstiegen bis ich endlich auf einer Anhöhe ankomme von der ich nach beiden Seiten freien Blick habe. Der Häuptling einer Schafherde, gemeinhin Schafbock genannt, beäugt mich misstrauisch von einer Bergkuppe.

Das Lichtspiel dass ich hier zu Auge bekomme verschlägt mir den Atem. Tiefhängende Wolken werden von der untergehenden Sonne blutrot angestrahlt. Ich setze mich ins weiche Gras und weiss nicht in welche Richtung ich zuerst fotographieren soll. So vergeht die Zeit...mittlerweile ist es schon sackdunkel und als ich auf die Uhr schaue merke ich erst, daß ich hier wirklich Stunden gesessen habe.

 

Soll ich zurück ins Pub..?....Nee, die sind bestimmt schon ins B&B gelaufen...denke ich mir jedenfalls und mache mich auf den Weg. Im Dunkeln über die Viehweide stolpern macht Laune. Irgendwann sehe ich komisch leuchtende Punkte vor mir . Zusätzlich vernehme ich ein tiefes gebrummel. Ich bin auf einer abgezäunten Stierweide gelandet und die Vierbeiner fühlen sich irgendwie in der Nachtruhe gestört und unternehmen vereinzelt Scheinangriffe auf mich. Ich sehe schon die Schlagzeile im "Durness Daily Telegraph"...deutscher Motorradtourist von Rindern zu Tote getrampelt. Nix wie los hier..!!

Ich komme am B & B an. Kein Licht...? Keiner da...? Und ich habe keinen Schlüssel dabei. Na ja, dann warte ich halt ein bisschen. Eine halbe Stunde später...immer noch nichts von den Kollegen zu sehen. Die werden mich doch nicht in der Wildniss suchen...?

Da rufen wir doch mal an. Handy gezückt und die Kremers angewählt...es klingelt und es meldet sich ein Anrufbeantworter von Ulrikes Versicherung in Wülfrath...unser Büro ist im Moment leider nicht besetzt...? Wie denn auch? Es ist stockfinstere Nacht und Ulrike sitzt ein paar Kilometer weiter in einem schottischen Gasthaus!

Wenn ich jetzt wirklich im Dreck gelegen wäre...von wilden Rindern niedergetrampelt...dann wäre ich schon mal nicht verkehrt gewesen...!!!

Nutzt alles nichts...ich muss zurück zum Pub. Die 3 von der Tankstelle sitzen gemütlich vor einem Bier und lachen sich halbtot...wir haben doch gesagt dass wir auf dich warten((((((((((( Bis morgen früh...oder wie lange denn???

 

So geht ein weiterer Tag in Schottland zu Ende.

 

 

 

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