
12.Tag 26.05.2009
von Durness nach Invernes
My heart's in the Highlands wherever I go .
Ein wahrer Spruch
Blick vom B&B - Sangobeg mit whiten headAlso, dieses Jahr bietet Schottland ein Wechselbad der ( Wetter ) Gefühle. Vier Jahreszeiten an einem Tag kannst Du hier erleben.
Aber heute strahlt die Sonne schon morgens vom stahlblauem Himmel.
Es wird ein lange Tag heute....wahrscheinlich der längste dieser Tour. Wir haben so einiges vor...da und dort eh bisschje offroad und dann später ist noch Whalewatching auf dem Moray Firth in Cromarty angesagt. Dieses auf ausdrücklichen Wunsch unserer Weiblichkeiten Ulrike und Hilde...ob die wissen was auf sie zukommt..???
Nach dem ausgiebigen Frühstück werden wir durch Dirk erstmal ausgebremst. Die Battere seiner Q streikt. Die war doch erst neu eingebaut? Erklärung...das Licht hat die ganze Nacht gebrannt, ei derweil Dirk hat den Zündschlüssel nicht abgezogen. Anschieben klappt nicht. Zum Glück habe ich Überbrückungskabel dabei und kurze Zeit später erwacht der Boxermotor zu neuem Leben.
Tschüss Durness heisst jetzt die Devise und wir fahren auf der A838 Richtung Loch Eribol. Immer entlang der Küste und an unzähligen Traumständen vorbei. Über den in der Sonne glitzernden Atlantik schweift der Blick bis hinüber zu der weissen Steilküste von Whiten Head. Wir biegen nach rechts ab und fahren am Loch Eribol entlang. Wir sind jetzt gerademal ein paar Meilen unterwegs und die landschaftlichen Superlativen jagen sich schon wieder. Loch Eribol ist einfach genial...wir sind allein auf weiter Flur...in stetigem auf und ab geht es die Uferstrasse entlang. Vorbei an Eilean Choraich, einer kleinen Insel. Ein absoluter Genuss für jeden Motorradfahrer. Postkartenpanorama vom feinsten.
Panzerwrack
Kurz nach Heilam steht zu unserer Überraschung ein Überbleibsel der britischen Armee am Straßenrand. So wie es aussieht wurde das Teil für den Holztransport benutzt. Ist jetzt aber wegen einiger fehlender Teile ausrangiert.
Ein paar Meilen weiter geht es über den River Hope. Wieder ein Traumsträsschen, teilweise eher ein asphaltierter Feldweg führt danach am gleichnamigen Loch entlang. Einsamkeit pur, ein paar Galoway Rinder kriegen Besuch von uns und ein kleiner Linienbus quält sich über die holprige Strecke. Am Ende des Loch Hope machen wir eine kurze Rast und geniessen die atemberaubende Landschaft. Wer mag kann die Gelegenheit nutzen und am River Strathmore die zahlreichen flach Furten zum Offroad - Training nutzen.
Weiter führt die Strasse durch das Glen Hope, am Loch Hope entlang, immer den freien Blick auf den Ben Hope. Hier wurde die Einsamkeit erfunden...so schätzen wir. Die Heidelandschaft und der Wind bilden hier die Kulisse und nur das Brummen der GS-Motoren sind das einzig vernehmbare Geräusch.
Dun Domaigil Broch
So langsam taucht in der Ferne der "Dun Domaigil Broch" auf. Ein geschätzt ca.2000 Jahre altes Überbleibsel einer Befestigungsanlage. Die Besichtung der ursprünglich 14 Meter starken Mauern kann man sich getrost ersparen.
So fahren wir dann lieber weiter und kurz nach Altnachaillich stehen wir auf einer Anhöhe.
Unten im Tal glitzert der Strahtmore River. Vor uns an einer Weggabelung stehen wir vor der Entscheidung...geradeaus....oder rechts dem Schild zur Gobernuisgach Lodge folgen. Wir folgen letzterem. Ich etwas innerlich grinsend....weil Schotterweg.
Da gehts zur Gobernuisgach Lodge
Der Schotterweg führt uns mit einzigartigen Panoramen hinab ins Tal bis zu einer Holzbrücke über den Strathmore River.
Wir sind im Nirvana. Es geht ein kurzes Stück durch den Wald und dann öffnet sich ein Talkessel und der Anblick vor uns haut uns fast vom Hocker.
Ein märchenhaftes Anwesen wie die Gobernuis Lodge hätte man hier in der umgebenden kargen, steinigen Landschaft wohl kaum erwartet. Eine Grünfläche soooo grün....kalkweisse Herrenhäuser und dann auch noch der Platzhirsch der uns doch etwas erstaunt aber neugierig betrachtet hat...was sind das den für komische Hirsche da..ohne Geweih..??...gelb ..rot und schwarz...seltsame Rasse!
Wir fahren auf den weissen Kiesplatz und fragen die erstaunten Eigentümer ob wir durchfahren dürfen und ob die Schotterpiste uns irgendwo wieder in bewohntes Gebiet führt.
Durchfahrt erlaubt und so in ca 25 Kilometern würde die Piste aneinem verschlossenem Zaun, aber kurz vor der normalen Strasse enden..? Kommen wir da durch fragen wir. Unsere Untersätze werden argwöhnisch begutachtet und dann die Aussage...versprechen tun wir nichts aber es müsste zu schaffen sein...!
Kurz in Runde geschaut...keine negativen Äuserungen vernommen und so nehmen wir die Strecke in Angriff.
Die darauf folgende Wegbeschreibung sieht dann so aus: wirklich 25 Kilometer Schotterpiste unterschiedlicher Körnung, aaaaber eine 5-Sterne-Landschaft die halt nur denjenigen unter die Augen kommt die auch ein bisschen Abenteuer nicht scheuen.
Am Ende der Strecke stehen wir ( Ulrike und Dirk sind noch nicht da ) dann wirklich, 5 Meter vor uns die Hauptstraße, vor einem verschlossenen Gatter. Große Kette und noch grösseres Vorhängeschloss.
Auf dem Gatter ein Schild....klingeln bei den Nachbarn zwecklos, da kein Schlüssel vorhanden...? Was tun..?
Das Gatter genauso breit wie der Weg. Zudem, um die Pfosten herum ist ein kleiner Erdsockel, gerademal 20cm breit und daneben gehts einen halben Meter tief hinab ins morastige Moor. Ob der Untergrung trägt? Ich sacke auf jeden Fall im Stand etwas ein. Und die vollgeladene GS wiegt dann doch ein bisschen mehr. Bedeutet...nun ist etwas Akrobatik angesagt um die GS ( ohne ins Moor abzustürzen ) oben herum um die Pfosten herum zu dirigieren. Es war knapp aber es hat geklappt.
Kurz darauf dann dasselbe Spiel bei Ulrike und Dirk.
Ulrike ist aufgrund der Pfostenumrundung erstmal etwas bad-temered...
O-Ton Ulrike...was wir hier machen nenne ich groben Unfug....aber, wenns doch so richtig Spass macht((((((
Jedenfalls stehen wir kurze Zeit später, jetzt prustend vor lachen gegenüber vom Loch Merkland und damit direkt an der Einmündung zur A838 .
Hier am Loch Merkland beginnt für uns die Fahrt durch weite Ebenen und Hügellandschaften, vorbei an unzähligen Seen der schottischen Highlands.
Die A838 ist eine richtige Hopserstrecke, die in weiten Schwüngen entlang am Loch Ghriama - Loch Shin - und dann kurz nach Colaboll über den River Tirry führt. Auf der Brücke hat man beidseitig Ausblicke über die weite Talebene des Loch Shin. Ein paar Meter weiter biegen wir rechts auf die A 836 ab, die uns dann bis nach Lairg und Invershin geleitet. Hier machen wir eine kurze Pause am Oykel Viadukt, einer alten eisernen Brückenkonstruktion auf der die Highland-Eisenbahn den River Shin überbrückt.
Nach weiteren 6 Kilometern überqueren wir dann über die Bonar Bridge den Dornoch Firth oder auch Kyle of Sutherland, einen ca. 25Km langen Meeresarm der Nordsee.
Bei Fearn Lodge wechseln wir auf die B9176, die nun an einer Bergflanke hochführt und halten an einem Parkplatz von dem das ganze Tal zu übesehen ist. Einfach supertoll. So langsam verlassen wir die Highlands und wenden uns Richtung Schottischer Ostküste zu. Kurz nach Novar Toll biegen wir auf die A9 ab. Wir wollen über die Cromarty Bridge hinüber zur Black Isle. Kurz vor der Brücke wird aber noch ein Stop an einer Haltebucht eingelegt. Von hier haben wir ein tolles Panorama auf die Brücke, den Cromarty Firth und zu unserer Freude dümpeln direkt unterhalb im Wasser zwei Robben. Die liegen wie angenagelt auf einer Sandbank und begrüssen uns mit hochgereckten Schwanzflossen.

Es ziehen dunkle Regenwolken auf. Es wird doch nicht anfangen wollen...?
Wir überqueren die Cromarty Bridge unf fahren durch gelbe Rapsfelder bis nach Jemimaville. Dort finden wir auch eine Werkstatt. Wieso brauchen wir die? Kurz zuvor hatten wir festgestellt, dass an Ulrikes Bike die Klemmschraube der Vorderradachse verloren gegangen war. Wahrscheinlich auf der Schotterpiste losgerüttelt. Die freundlichen Schlosser haben die Schraube angefertigt, montiert und noch nicht mal was verlangt....eben schottische Hilfsbereitschaft...! Auf der B9136 setzen wir dann beruhigt unsere Fahrt bis nach Cromarty fort. Hier erwartet uns das Highlight des Tages...unsere Whalewatching -Tour.
Alfredo hatte in Vorbereitung der Tour und nach mehrmaliger Rücksprache mit unseren "Wassernixen" bei ECOVENTURES dieses 2-stündigen Bootstrip gebucht. Leider hat er das nicht miterleben können.
Wir haben uns dann im Office angemeldet und da noch genug Zeit bis zur Abfahrt war, sind wir dann schleunigst ins Cromarty Hotel gegangen um etwas Nahrung aufzunehmen. Neptun soll ja auch nicht leer ausgehen..!!!
Dann wieder zurück und Einweisung vom Tourguide. Klamottenempfang, sprich wasserfeste Overalls wurden ausgegeben und angelegt. Hilde sieht in so einem Teil aus wie......wir haben uns fortgeeimert vor lachen....aber seht selbst.
Dann folgte für Hilde der Gang nach Canossa...wie gesagt, Hilde hasst nichts mehr wie Wasser oder Boot fahren...aber was tut die holde Weiblichkeit nicht alles für die Möglichkeit Wale oder Delphine zu sehen. Mit mulmigen Gefühl stakte sie über den Bootssteg zur Anlegestelle. Dort lag dann unser "Schlauchboot". Ein geiles Teil mit 300PS. Als Hilde die Sitze sah war die Angst verflogen Es ging mit einem Affenzahn hinaus auf den Moray Firth. So ein Teil macht unwahrscheinlich Laune. Nahbesichtigung von Ölplattformen die hier vor Ort abgerüstet werden. Vorbei an Steilküsten mit brütenden Seevögeln und dann gings hinaus aufs offene Meer.
Nach einiger Zeit hatten wir dann wirklich Glück. Zuerst hörten wir nur die Blasgeräusche und dann sahen wir nach Aussage unserer Bootsführerin den ersten Minkwal der Saison. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl diese Tiere in freier Wildbahn zu sehen...der gesamte Bootstrip war einfach nur genial.....uuuuund Hilde wollte gar nicht mehr vom Boot runter.
Hier die Bildergalerie
Wie gesagt...es war mit Sicherheit einer der schönsten Touren und Hilde hätte am liebsten gleich nochmal wiederholt.
Mittlerweile war es dann doch Eile geboten. Bis nach Inverness war es noch ein gutes Stück und schweren Herzens machten wir uns auf den Weg. Die restliche Strecke war dann aber unspektakulär und so gehe ich da auch nicht näher darauf ein.
Spätabends sind wir dann im Lyndon Guesthouse eingetroffen, einer wirklich empfehlenswerten Unterkunft. Sehr freundliche Leute, gemütliche Zimmer.
Wir haben dann in einem Pub direkt am River Ness lecker zu Abend gegessen und noch einen kurzen Spaziergang nach Inverness gemacht. Aber dann war wirklich Schluss und wir sind todmüde ins Bett gefallen.
