4. Tag   18.05.2009

    

von Tyndrum nach Mallaig

 

oder wie Purzel sagen würde…

der Anfang vom Ende!

 

Morgenstimmung Tyndrum Morgenstimmung Tyndrum

 

Sieben Uhr aufstehen, wie ist das Wetter ist der erste Gedanke, als ich noch ein bisschen schläfrig aus dem Fenster blicke.

 

Noch trocken, aber es zeigen sich schon dicke Regenwolken über Tyndrum.

 

Na dann wird es wohl nix werden mit der ersten geplanten Off-Road Etappe auf dem West Highland Way von Tyndrum to Bridge of Orchy.

 

Man wird sehen.

 

Erst mal frühstücken. Wie beim letzten mal hat es hervorragend geschmeckt. Musste mir noch einen Vortrag über Blumen und Gartenpflege anhören und dann war es schon zeit zum Aufbruch. Mittlerweile fing es dann zu regnen an und so wurde schon das aufrödeln zu einer feuchten Angelegenheit.

 

Ulrike hat sich dann noch "sicherheitshalber" in den Regenkombi gequetscht. Bis sie dat Dingens an hatte herrschte im Kombi wahrscheinlich schon subtropisches Klima...((((

 

Dann hies es Abschied vom Dalkell Cottage nehmen und ab auf die mittlerweile patschnasse Strasse.

 

Es sind zwar nur rund 200Km von Tyndrum bis Mallaig...aber bei teilweise Offroad-Strecken kann das ja heiter werden...! 

 

Wir wechseln in Tyndrum auf die A 82. Der Regen wird immer heftiger und die Temperatur fällt auf ca. 6°C, habe ich jedenfalls an der Außentemperaturanzeige abgelesen.

 

Von der Straße sieht man den West Highland Way und die Wanderer laufen.

 

Ich überlege, sollen wir so tun oder nicht. Viel Zeit für eine Entscheidung habe ich nicht mehr, denn vor mir sehe ich schon die Abzweigung die zur alten Militärstraße führt.

 

Scheiß drauf, Straße fahren kann ja jeder und schließlich sind wir ja in Schottland, wenn’s zu heftig wird, drehen wir halt um.

 

old military road old military road

 

Also, nach rechts abbiegen, der Weg führt bergab, vorbei an einer Farm, durch ein offenes Gatter und schon sind wir auf der alten Militärstraße.

 

Uups, nach dem Gatter geht es auf Schotter weiter, die „Straße“ wird ganz schön holprig und fordert unsere ganze Aufmerksamkeit.  Ich denke mir, das gibt ganz bestimmt Mecker, aber noch sehe ich alle Lichter im Rückspiegel, entfernt zwar, aber noch sichtbar.

 

Dann kommen zwei Muränenabgänge die den Weg fast verschüttet und unpassierbar gemacht haben. Ich bleibe stehen und warte bis Ulrike, Dirk und Jürgen mit Hilde wieder Anschluss haben. Ich gebe Gummi und fahre, ne es ist mehr hüpfen und schlingern, über die erste Muräne. Ich will schon anhalten, da sehe ich die zweite Geröllblockade. Also nix wie drüber, phuuh geschafft.

 

West Highland Trail West Highland Trail

 

Anhalten und auf die anderen warten ist in diesem Wegabschnitt nicht möglich. Also, fahre ich weiter bis das Gelände, anhalten zulässt. Ich blicke zurück, und sehe nichts. Keine Scheinwerfer, nur Landschaft. Nach zehn Minuten immer noch nichts, na da wird doch keiner im Dreck liegen.

 

Ich mache mich bereit zurück zu fahren, doch dann tauchen die ersten Scheinwerfer auf. Ein, zwei und drei, alle da. Also, weiter. Es ist fast geschafft, auf der linken Seite taucht die Rail Station von Bridge of Orchy auf, und ein Stück weiter stehe ich vor einem geschlossenen Tor. Die Weiterfahrt über die Bahngleise, ist hier zu Ende.

 

Ich denke, wenn wir jetzt den gleichen Weg ( ??? ) zurück müssen, bekomme ich Prügel. Sehe schon die Gesichter vor mir.

 

Als der Rest der Truppe auftaucht und die Gesichter lang werden, taucht zum Glück auf den Schienen eine Draisine mit Bahnarbeitern auf. Sie hält und einer der Bahnarbeiter steigt ab und öffnet für uns die Tore. So sind sie, die Schotten. Immer und allzeit hilfsbereit. 

Für Ulrike sieht es wie bestellt aus. Tja, Glück muss man haben.

 

Nach der Überquerung der Bahngleise geht es noch ein kurzes, aber steiles Stück bergab, bevor wir an der Kreuzung rechts auf die A82 abbiegen.

 

Loch Tulla Loch Tulla

 

Es geht nun weiter Richtung Loch Tulla , wir passieren den Loch Tulla und halten auf einem Aussichts-Parkplatz an.

 

Hier soll normalerweise ein "Panorama" zu sehen sein. Vielleicht sieht man ja etwas.

 

Wenn die über uns tiefhängenden und randvoll mit Wasser gefüllten Wolken mal kurz wegziehen, sieht man kurz die Umgebung.

Bei "schönem" Wetter muss es hier traumhaft sein, wie selbst bei diesem Scheisswetter zu erkennen ist.

 

Ansonsten nur volles Programm  eimerweise Wasser und Nebel. Kalt ist es auch. Meine Beine sind nass, trotz „Reusch Hose“, oder ist es  Einbildung, weil die Beine kalt sind?

 

Ich überlege, ob wir die Tour bei diesem Regen wie geplant fahren sollten oder das Glen Etive auslassen sollten. Jürgen und ich einigten uns darauf, dass ich das kurzfristig entscheiden sollte. Also gut, tun wir so.

 

Wir fahren auf der A 82 weiter, durchfahren das  Rannoch Moor,  welches man allerdings nur schemenhaft wahrnimmt. In der Ferne taucht auf der rechten Seite das Kingshouse Hotel auf und ganz plötzlich blitzt die Sonne durch die Wolken und es hört auf zu Regnen.

Kurz danach erreichen wir die Einfahrt zum Glen Etive,

Da gehts zum Glen Etive Da gehts zum Glen Etive

Die Straße ist zwar noch ein bisschen nass und am Anfang geteert.

 

Nach meiner Karte soll sich das aber ändern. Mal sehen was uns in dem 25 km langen Tal erwartet?

 

 

Es ist eine atemberaubende Landschaft durch die wir hindurchfahren.

 

Rechts und links ragen die Bergmassive des "Buachaille Etive Mòr" und "Buachaille Etive Beag" empor und dazwischen fließt der River Etive mit seinen Wasserfällen.

 

Der Ginster blüht und die Berghänge erstrahlen in gelb. Wir bleiben mehr wie einmal stehen um dieses Farbenspiel zu geniessen. 

 

Nach einiger Zeit erreichen wir das Nordufer des Loch Etive.

 

Ab hier gehts nicht mehr weiter. Ein Schild...Sackgasse und ein grosses, verschlossenes Gatter versperrt uns die Weiterfahrt. Wir beäugen mal den Pfad hinter dem Gatter. Da ist selbst für Profi-Offroader nix mehr zu holen. Auf dem Parkplatz machen wir erstmal Pause und geniessen die einigermassen trockenen Momente...tröpfeln tut es immer noch....und es wird wieder mehr....so en schiet..! 

4 Jahreszeiten an einem Tag 4 Jahreszeiten an einem Tag

 

Die Pause ist vorbei und so machen wir uns auf dem selben Weg zurück. Wir wollen ja noch ins Glen Coe.

 

So fahren wir gemütlich am River Etive entlang. Irgendwo, auf freiem Feld,  Hilde fängt ganz aufgeregt an zu winken, sehen wir dann noch ein paar friedlich grasende Rothirsche. Fotostop. Und noch mehr Hirsche, also noch mehr Stops.

 

Nach einer Pinkelpause mitten im Wald....Alfred und Ulrike sind schon losgefahren....Aufregung am Strassenrand.

 

Dirk will gerade am Seitenstreifen anfahren als sein Hinterrad, entweder auf dem seifigen Untergrund oder auf einem Grasbüschel, überraschend durchdreht und sich die bockende Maschine so quer - und schrägstellt, dass Dirk die Q nur noch "geplant" ablegen kann und sich selber nach einer gekonnten Hechtrolle auf der Strasse wiederfindet. Ich denke mir so im Hinterkopf.....Erst Scheisswetter und dann auch noch Sturz.... hoffentlich geht das heute nicht so weiter.

Mittlerweile hat sich Dirk wieder aufgerappelt und Gottseidank ist Ihm nichts passiert. 

Für die Ausführung der Hechtrolle gibts im nachhinein noch eine glatte10 in der B-Note.

 

Nachdem wir das Mopped wieder auf die Reifen gestellt haben und keine größere Schäden, ausser ein paar Schrammen, zu erkennen sind sehen wir zu dass wir wieder Anschluss zu Purzel und Ulrike bekommen.

 

Die warten ein paar Kilometer weiter an einer Haltebucht und sind doch sichtlich überrascht als Dirk von seinem Not-Stop erzählt. Jetzt erstmal in Ruhe die Schäden an Dirks Mopped begutachten. Nach der ersten Aufregung wurde dann schon wieder geflachst.....

O-Ton Ulrike in Anspielung auf Alfreds Nickname........today a new "PURZEL" was born...!!! 

 

Der nächste Halt war dann am Wasserfall  "Chunky Pink Rock". Aber nur kurz weil es jetzt wieder heftig zu sauen ( regnen ) begann.

 

Wieder auf der A 82 fahren wir nun durch das Glen Coe und am Aussichtspunkt „Three Waters“ war noch mal eine kurze Pause angesagt.

 

Am Loch Achtriochtan, auf der Brücke über den River Coe, war dann für mich ( Alfred ) die Schottlandtour 2009 zu Ende.

Was war passiert...?

Genau kann ich es nicht sagen...war ich zu schnell?...war die Holzbrücke zu seifig?...über das Cattle-Grid am Ende der Brücke erschrocken und zu heftig in die Bremse gelangt?...jedenfalls, das Moped kam am Ende der Brücke so ins rutschen und schleudern, dass ich mit dem Mopped stürzte und auf den Holzbohlen und am Brückengeländer entlang schlitterte.

Mein rechtes Bein blieb, wahrscheinlich irgendwo an einem Pfosten hängen und verdrehte sich. Ich spürte den Schlag und hörte sogar das krachen und splittern der Knochen.

So lag ich also auf dem Weg und spürte wie der Fuß hin und her wackelte. Dirk eilte herbei, half mir schnell den Stiefel auszuziehen und da war das Malheur auch schon zu sehen. Der Fuß hing nach unten, und hing nur noch an den Weichteilen und der Haut.

Nachdem ich ( Jürgen ) das Bein gesehen hatte, war für mich klar...da geht ohne Ambulanz nix mehr und lief in das nur ein paar Meter entfernte Croft. Da Autos davor standen hoffte ich dass jemand anwesend war. Klingeln, die Tür geht auf und eine alte Frau öffnete.

Sie hatte ein Fernglas in der Hand und hatte anscheinend alles per Fernstecher beobachtet und sagte nur zu mir...what happens...broken leg...?? Etwas verdutzt bestätigte ich und darauf wurde von ihr die die Ambulanz verständigt.

 

Ich lief also wieder zurück zu unserem Bruchpiloten wo uns mittlerweile schon ein Schotte Hilfe anbot und meinen Bruder unbedingt in sein Auto einladen und ihn ins Krankenhaus fahren wollte. Sowas nennt man schottische HILFSBEREITSCHFT.

 

Kurze Rede, da kam auch schon die Ambulanz angefahren. Die waren dann aber doch sehr schnell da. Hat gerademal 10 Minuten gedauert.

Alfred war mittlerweile auch den Umständen entsprechend, zumindestens gedanklich, wieder auf dem Damm. Es wurde kurz untersucht und der Verdacht bestätigte sich...zumindestens Wadenbein und Schienbein waren gebrochen....wenn nicht mehr!  Alfreds Bein wurde per Vakuummatratze fixiert. Danach auf die Krankentrage und Alfred wurde in das Ambulanzfahrzeug geschoben und in das Belford Hospital nach Fort William gefahren. Hilde war als moralische Unterstützung mit an Bord.

 

Wir, die Kremers und ich, haben dann noch das Motorrad geborgen und auf dem Parkplatz abgestellt, gesichert und sind dann so schnell wie möglich der Ambulanz hinterher. 

Am Krankenhaus eingetroffen, Alfred wurde schon im "Arbeitszimmer" verarztet, wurden mir dann die Röntgenbilder von Alfreds Bein gezeigt und erklärt was jetzt so ansteht.

Der Doc hat gesagt...mit leichtem Anflug von schottischen Humor.....spiraler Trümmerbruch des rechten Waden -u.Schienbeins...aber trotzdem noch Glück gehabt...nuuuuur ein Knochenbruch aber das hätte er ( Purzel ) richtig gut hinbekommen.

 

Spätestens da war für mich klar, dass Alfred nur noch solange in Schottland bleiben wird bis der Rückflug geklärt ist. Ich bin dann noch in die Notaufnahme, mit Alfred sprechen. Aber Purzel war durch die Schmerzmittel, die ihm bei der vorläufigen Fixierung der gebrochenen Knochen verabreicht wurden, doch leicht benebelt aber soweit in Ordnung.

Zurück im Wartezimmer waren wir dann doch erstmal erleichert. Nichts lebensbedrohliches..nuuuur ein Knochenbruch...!

Ulrike und Dirk hatten sich schon mit Alfreds Versicherung in Verbindung gesetzt, sodass jetzt schon mal geklärt war dass sich die betreffenden Stellen in Deutschland mit dem Krankenhaus hier in Schottland in Verbindung setzen um die weitere Vorgehensweise abzusprechen...OP hier in Schottland oder Rückflug nach Germany.

 

Ich und Dirk sind dann zurück ins Glen Coe gefahren um Alfreds Mopped zu holen. Konnten wir ja nicht dort stehen lassen. Wieder zurück im Krankenhaus war dann anscheinend schon die Entscheidung für einen Rückflug gefallen. Also, Alfreds Mopped abrödeln...die Schwestern haben bei strömendem Regen mitgeholfen.!!!..das Gepäck auf Alfred Krankenbett gepackt. Die Schwestern hatten mittlerweile auch schon für uns bei der Polizei angerufen und einen Stellplatz fürs Motorrad organisiert, welches wir dann bis zur Abholung durch den ASF (Abschleppservice Fichtelgebirge) bei der Polizei in Fort William abstellen konnten.

 

Insgesamt muss man dem kompletten Personal des Bedford Hospitals ein ganz dickes Lob ausprechen.

So wie die sich um Alfred gekümmert haben und nebenbei noch uns geholfen und organisiert haben.

Alle Achtung....davon kann sich manch deutsches Krankenhaus eine fette Scheibe abschneiden.   

 

Alfred war mittlerweile wieder soweit auf dem Dampfer, dass er auch schon wieder Spässchen machte. Geregelt war alles was geregelt werden konnte. Nur der Termin für den Rückflug war noch nicht klar, aber spätestens in 1-3 Tagen sollte es über die Bühne gehen. Der Rücktransport vom Mopped war auch gesichert.

 

Alfred war im Krankenhaus in sehr guten Händen und daher wollte er auch, dass  wir die Tour durch Schottland zu Ende fahren und darüber berichten. So haben wir noch abgesprochen dass wir uns gegenseitig über den Stand der Dinge auf dem laufenden halten und uns dann auf die Socken gemacht. Die Lockerheit vom Morgen war erstmal für eine ganze Weile wie weggeblasen und man fährt nach so einem Vorfall auch wie auf rohen Eiern. Ich für meinen Fall weiss nicht mehr, was mir auf dem Weg so alles durch den Kopf ging.

 

Unser B &B in Mallaig war ja telefonisch verständigt, das wir aufgrund des Unfalls später eintrudeln würden. Wir sind dann auf direktem Weg dort hin gefahren.

Lediglich am Glennfinan Memorial und an den weissen Stränden von Arisaig haben wir noch kurz gehalten.

 

Als wir am Seaview-Guesthouse in Mallaig eingelaufen sind war es mittlerweile doch schon recht spät geworden. Wir alle waren sowas von patschnass und durchgeweicht...es hatte ja den ganzen Tag geschüttet. Fiona, die Chefin des B & B hat uns herzlich begrüßt und sich auch sofort zutiefst betroffen nach Alfred erkündigt. So im nach hinein denke ich, dass Ihr es fast mehr Schmerzen bereitet hat wie Alfred....

 

Wir haben uns dann erstmal auf die Zimmer verzogen, geduscht und die Motorradklamotten zum trockenen an allen Heizungen, die wir gefunden haben, deponiert.  

 

Abends sind wir dann noch im Hafenrestaurant essen gegangen und uns lange über diesen "ereignissreichen Tag" unterhalten.

 

 

 

Nachwort zum heutigen Tag

 

So ein Mist aber auch...

da hat er ( Alfred ) über Monate die ganze Tour akribisch ausgetüftelt, alles bis aufs letzte I-Tüpfelchen organisiert und dann......

 

 macht er sich so aus dem Staub....DER SACK(((((

 

 

 

 

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