8.Tag 22.05.2009
von Dornie nach Gairloch
Nach dem aufwachen wird erstmal die 1.Regel der schottischen Standardroutine für Biker durchgeführt.
Fenster auf und nach der Wetterlage spähen. Sieht heute früh ganz gut aus. Heiter bis bewölkt. Aber trocken. Wie lange...????
2. Regel....guuuut frühstücken. Heute auch im Angebot...lecker Porridge...da ich mental gut drauf bin, probiere ich das Zeugs mal. Buaaaah...es schmeckt so wie es auf dem Teller aussieht...besch....n!!!!
es wird von mir sofort eine 3.Regel in Kraft gesetzt...nie mehr Porridge zum Frühstück.
Aber egal, wir wollen ja unseren Urlaub nicht aufs essen reduzieren sondern Mopped fahren.
Heute wird unser Weg auf den so wundervoll schmalen Single-Roads durch die einsamen Highlands, vorbei an Lochs und weißen Stränden führen. Vielleicht erwartet uns da ja die eine oder andere Überraschung...execpt wild Bulls and Deers. Es werden bestimmt interessante 180 Kilometer werden.
Aber vorher müssen wir erst noch unsere Spritfässer auffüllen.
Loch Carron
Die Tanke liegt etwas in entgegengesetzter Richtung unserer Route. Aber die paar Kilometer nehmen wir mal lieber sicherheitshalber in Kauf. Ob wir unterwegs eine Möglichkeit zum tanken finden...rechtzeitig...wer weis.
Zurück in Dornie, ein letzter Blick auf das Eilean Donan Castle, fahren wir Richtung Balmacara weiter.
Bei Auchtertyre biegen wir auf die A880 ab und dann geht es schon in die Einsamkeit der schottischen Berge und Wälder.
Wir erreichen Stromferry am Loch Carron und fahren auf der entlang am Loch Carron führenden Uferstrasse A890 weiter bis zur Strahtcarron Railway Station wo wir kurz danach auf die A896 abbiegen und in Lochcarron unseren ersten Stop einlegen.
Wir parken direkt am Ufer des idyllisch gelegenen Loch Carron. Hier gibts auch einen bekannten Wildmetzger, aber der hat geschlossen. Also nichts mit Hirschfleisch belegten Brötchen.
Mittlerweile wechselt das Wetter. Es kommen rasch immer mehr tiefhängende Wolken über die Berghänge und so machen wir uns auf zu unserem nächsten Ziel, nach Tornapress.
Hinweisschild Start Applecross
Hier an der Kreuzung, wo die Strasse über den Rinderpass führt, schottisch Bealach na Ba genannt, stehen wir 4 dann wie die begossenen Pudel da.
Strömender Regen, dicke Nebelsuppe bis ins Tal. ScheisseScheisse nochmal. Ich könnte mich vor Zorn hinter einen fahrenden Zug werfen.
Alfred und ich kennen das aus eigener Erfahrung von 2007. Da hatten wir dasselbe Scheisswetter. Wir sind den Pass dann trotzdem gefahren...die letzten 2 Kehren mit dickem Nebel...null Sicht...fahren nach Gehör usw... und es wurde damals auch schweinekalt. Also, das ist dann überhaupt nicht prickelnd.
Zumal damals Purzel bei der folgenden Abfahrt noch eine besondere Begegnung der tierischen Art hatte. Da sprangen nämlich ganz unvermutet 3 Deers ( Rothirsche ) direkt vor ihm, eigentlich schon fast im Lenkerbereich, über die Strasse. Ich lache mir heute noch über Purzels Schimpftiraden die Hose nass. Der hat das "Glück" aber auch wirklich gepachtet.
Von der Aussicht über das Loch Kishorn, über die Applecross Peninsula und bis hinüber nach Skye und den Inseln der äusseren Hebriden hatten wir damals im unteren Streckenabschnitt nur einen sehr kurzen Eindruck gewinnen können. Bei schönem Wetter muss der Blick von der Passhöhe absolut grandios sein.
D A S W Ä R E U N S E R P R E I S G E W E S E N ( irgendwann kriege ich dich doch noch )
Bealach na Ba...Rinderpass...Applecross
So stehen wir da und eigentlich hoffen wir eine ganze Weile auf rasche Wetterbesserung.
Die kommt aber nicht und so entschliessen wir uns für die alternative Strecke auf der A896 nach Shieldaig.
So entgeht uns zwar die komplette Applecross Peninsula mit ihren traumhaften Stränden...aber bei dem Wetter...no way!
Wir fahren am Loch Coultrie vorbei und bei einer kurzen Pinkelpause kurz vor Shieldaig ist unser "Wanderreh" Dirk schon wieder voller Begeisterung über den urwüchsigen Urwald durch den unser Strässchen führt. Da fehlen jetzt nur noch Dinos, meint er.
Kurz darauf erreichen wir das Loch Shieldaig...eine Kulisse wie in Kanada. Und vor allem, die Sonne kommt wieder zum Vorschein.
Im Hotel Rockvilla in Shieldaig wollen wir dann ein Käffchen zu uns nehmen. Das klappt auch da die Besitzerin uns trotz tropfnasser Klamotten herein bittet. Das ist wieder mal schottische Gastfreundschaft. Kommst du so an einem deutschen Cafe an bekommt man in den meisten Fällen einen Vogel gezeigt....du kommst hier net rein!!!
Loch Torridon
Wir fahren gestärkt auf der A 896 weiter durch das Glen Torridon, immer am sich windenden River Torridon entlang, Richtung Kinlochewe.
Auf halber Strecke, am Loch Clair angekommen, biegen wir auf eine kleine Seitenstrasse ab, die dann , am Loch Clair vorbei, bis zur Coulin Lodge führt.
Hier beginnt dann eine der geilsten Offroadstrecken in die Coullin Hills.
Wirklich schade, dass Alfred nicht mit dabei ist, denn hier hätte er eigentlich noch eine "Rechnung" in der "Mongolei" und am Coulin Pass zu begleichen.
2007 haben Alfred und ich diese Gegend schon mal besucht und damals hatte er auf dieser Strecke mehrere Purzler und einen hammerharten Sprung in einen Bach absolviert. Damals schon mit Haltungsnoten die kaum ein Kunstturner erreicht. Da lachen wir beide heute noch Tränen drüber.
Warum Mongolei?
Hier in dieser Gegend haben zwei Schotten, Ewan McGregor und Charley Boorman, in Vorbereitung für ihre Weltreise "Long Way around" mit ihren Maschinen Offroad geübt.
Dann später, auf ihrer Touretappe durch die Mongolei, in tiefem, morastigem Gelände, alle beide fertig mit den Nerven, wurde der Satz geprägt:
what shell we do here.....looks like Scotland...und wer den Film der beiden gesehen hat kann das nur mit einem grinsendem Gesicht bestätigen.
Der Weg führt uns zuerst am Loch Clair entlang, dann über die erste Holzbohlenbrücke bis zur Coulin Lodge.
Hier bleibe ich stehen und frage Ulrike und Dirk, ob sie mit in die Mongolei wollen oder hier auf uns warten wollen. Ab jetzt geht es auf eigenes RISIKO weiter. Die beiden entscheiden sich fürs warten.
Ich will da aber auf jeden Fall hin, um Hilde auch mal zu zeigen wo wir schon überall herumgegeistert sind.
Im Hinterkopf will ich mir auch ein kleines, gar garstiges Spässchen mit Hilde gönnen.
Schotterstrecken...Schotterdamm durchs Moor...Holzbrücken mit bollernden, hüpfenden Holzplanken...über Flussläufe...normalerweise alles absolute No Go's für meine angetraute, die dann von ihr mit wildem Gemecker und heftigen Rippenstössen kommentiert werden.
Wir also aufgesessen und ab in die Wildniss uuuund....Hilde hat mich bitter enttäuscht. Kein wildes Gemecker...?! Keine Rippenstösse..?! Im Gegenteil. Völlig konsterniert muss ich feststellen...IHR scheint dass sogar Spass zu machen. Bei der Rückfahrt sitzt sie ganz entspannt auf dem Mopped und filmt sogar mit der Videokamera.
WAS muss ich denn noch anstellen....????
Nach dem Offroad-Abstecher fahren wir weiter am River Torridon entlang bis nach Kinlochewe.
Dort stossen wir auf die A832.
Wir biegen links ab und nach ein paar Kilometern wartet schon das nächste Highlands Juwel.
Vor uns liegt das langgestreckte Loch Maree inmitten der sehr reizvollen Berglandschaft.
Hier wird Pause gemacht und die Gegend genossen.
Natur pur!!!
Ulrikes Puschelbär am Loch Maree
Entlang am Loch Maree geht es weiter auf der A832.
An den mit gelb blühenden Ginsterbüschen übersäten Berghängen fahren wir am River Kerry entlang bis kurz vor Kerrysdale.
Dort biegen wir links ab auf die B8056 und überqueren die alte steinerne Bogenbrücke. Links von uns windet sich der glasklare River Kerry durch eine Auenlandschaft vom feinsten. Farbkontraste par exellance.
Nach heftigen oder länger andauernden Regenfällen...ja, das kann auch in Schottland vorkommen...wird das ganze Gebiet regelmässig überflutet, was auch zu Strassensperrungen führen kann.
Der B8056 einige Kilometer folgend erreichen wir dann über Opinan und South Erradale unser nächstes Etappenziel.
Wir sind am Red Point angelangt von dem man eine herrliche Aussicht auf die spektakuläre Umgebung hat.
Vor uns wie auf Perlenketten aufgereiht grosse, rötlich schimmernde Sandstrände.
Über den Inner Sound schweift der Blick hinüber zu der Isle of Skye, im Hintergrund sind die äusseren Hebrideninseln Lewis, Rona und Raasay zu erkennen.
wenn schjon..dann hier begraben werden
Wir haben es nun nicht mehr weit zu unserem Tagesziel, Gairloch.
Unterwegs stoppen wir nochmal kurz an einem der typischen, schottischen Friedhöfe. Friedvoll liegt er da, nahe am sattgrünen Golfplatz und der direkt dahinterliegenden malerischen Gairloch Bay. Traumhafte Lage, selbst für die verblichenen.
Kurz darauf, den Ortsanfang von Gairloch haben wir mittlerweile erreicht, stellen wir schon wieder unsere Moppeds auf einem Parkplatz ab. Wir schlendern zum Viewpoint von Gairloch.
Der Gairloch Beach lädt bei strahlendem Sonnenschein zum Baden ein. Wir lassens bleiben denn das Wasser ist saukalt.
Nur noch ein kurzes Stück und wir laufen im Gairloch Seaview ein, unserem B & B für heute.
Richard und seine Frau Yvonne begrüssen uns mit gewohnt herzlicher schottischer Gastfreunschaft, zeigen uns die Zimmer und das Haus.
Wir sind begeistert. Tolle Leute, tolles Haus, tolle Zimmer. Unseres mit Meerblick auf die Gairloch Bay. Hier werden Hilde und ich nochmal für einen längeren Urlaub herkommen.
Wir sitzen gerade auf der Sonnenterasse und geniessen die traumhafte Aussicht. Vor uns stehen ein paar kühle Dosen Stella Artois. Die erste Runde Bier hat unser Gastgeber Richard gesponsert. So lässts sich leben...!
Das erste Prost gilt unserem Purzel. Ein Hoch auf ihn für die gelungene Auswahl unserer Unterkunft.
Übrigens erhalte ich die letzten Tage seltsame SMS von Purzel. Da stehen so Sachen drin wie....Hirni...Blödel...Dumpfbacke and so on??? Das tut weh((( Ich habe ihm mal ein paar Bilder aus Schottland geschickt. Mit Sonne und geilen Landschaften. Das kann er im Moment nicht so gut ab...wieso eigentlich?(((((((((((((((( Aber sonst gehts ihm gut und das ist das wichtigste.
Das erste Bier ist getrunken, jetzt ist Körperpflege, sprich duschen angesagt. Danach machen wir uns auf den Weg hinab nach Gairloch. Vorbei am kleinen Fischereimuseum mit abgesägtem Leuchtturm. Nur die Leuchtkuppel steht noch da. Den kann man auch als Radarblitz am Strassenrand einsetzen...gibt entzündete Äuglein für den eiligen Autofahrer.
Was essbares ist nun dringend gesucht. Wir haben alle sowas von Kohldampf.
In der Low Street, im Myrtle Bank Hotel, welches direkt am Strand gelegen ist, werden wir fündig. Schlemmen vom feinsten und danach den Cappucino als Sundowner im freien geniesen. Mit Blick über die glitzernde Gairloch Bay. Mensch, was willst Du mehr????
Mit leichtem Ranzenblitzen (übervoller Magen) schleppen wir uns wieder den Berg hoch. Ein letztes Unternasenröllchen gepafft und wir verziehen uns todmüde in die Betten.
