9.Tag 23.05.2009
von Gairloch
nach Ullapool
Gutgelaunt wachen wir so gegen 7:00 auf.
Ein Blick aus dem Fenster und die Laune verfliegt erstmal. Dunkle Wolken hängen tief über der Gairloch Bay und ein Blick auf die gegenüberliegende Isle of Lewis ist auch nicht drin. Die ganze Meeresenge ( schottisch: Minch ) ist zugezogen. Das sieht heute verstärkt nach einem nassen Tag aus. Und wir wollten doch die geile Aussicht vom Frühstückszimmer aus geniessen.
Na ja...so geniessen wir halt nur unser Frühstück. Das ist vom allerfeinsten und die Laune bessert sich zusehenst.
Es regnet zwar noch nicht aber wir schliessen schon mal Wetten ab, wieviel Wasser wir wohl heute abbekommen. Ich glaube der Regengott hats gehört....
Hilde hat trotz Regen Spass...!
Wir sind gerade fertig mit der morgendlichen Nahrungsaufnahme und verabschieden uns bei unseren Gastgebern als es zu tröpfeln beginnt.
Also schnell die Moppeds aufrödeln um wenigsten einigermassen trocken auf die Strasse zu kommen.
Glaubt man den Kennern Schottlands beginnt heute nicht nur landschaftlich die wahre Wildniss (!) der Highlands.
Vom B&B fahren wir hinunter nach Gairloch City. Dort stossen wir auf die B 8021 die uns bis zu unserem ersten Etappenziel, nach Rubha Reidh und dem gleichnamigen Lighthouse führen wird.
Der Weg führt uns über die kleinen Örtchen Strath - North Erradale - Peterburn und Melvaig.
Dieses Strässchen ist einfach klasse. Es geht auf dem Höhenkamm der Steilklippen immer am Meer entlang. Da es mittlerweile richtig vom Himmel herabschüttet bleibt uns der Blick über das Meer auf die äusseren Hebriden leider verwehrt.
Aber was wir sehen ist auch bei Scheisswetter grandios. Verstreut liegende Sandbuchten die in den felsigen Einschnitten der Steilküste liegen. Malerische Fischerhäuschen....
Auch bei strömenden Regen legen wir andauernd Fotostops ein. Glücklicherweise ist meine Digi-Cam ja wasserdicht.
An einem der nächsten Stops mit Blick auf eine der traumhaften Buchten gerate ich dann leicht in Panik. Ich lange in die Tasche und will meinen Fotoapparat raus holen....das Teil ist weg...oh was'n Scheiss. Fieberhaftes suchen in allen möglichen Taschen und in den Koffern. Jacke auf und zu....Die Kamera ist nicht zu finden.
Merde...da waren schon so um die 900 Aufnahmen drauf.
Was machen nun???? Ich mache mich mit dem Mopped auf den Rückweg und hoffe dass die Kamera irgendwo am Strassenrand liegt. So fahre ich mit Schrittempo auf der Gasse zurück...ein Auge auf das Strässchen und das andere sucht angestrengt am Wegesrand. Nach 2 Kilometern gebe ich etwas entnervt auf...nichts zu sehen....dasselbe Spiel beim zurück fahren. Als ich wieder bei meinen Kollegen ankomme...die sind mittlerweile durchnässt...habe ich die Kamera in Gedanken abgeschrieben...die findest du hier nicht mehr.
Wir fahren , ICH STINKSAUER...derbe Flüche in den Helm murmelnd, weiter. Eine letzte Kurve, dann stehen wir am Rubha Reidh Lighthouse. Hier geht uns dann die Strasse aus. Ende für "DOSENFAHRER" und auch uns. Von hier ab gehts wirklich nur noch zu Fuss weiter. Wer will. Bei schönerem Wetter hätte man mal darüber nachdenken können denn der Küstenstreifen ist mit Sicherheit einfach nur traumhaft.
So umrunden wir zu Fuss nur den alten Leuchturm und stolpern so ein bisschen an den Klippen herum.
Da die Strasse nur bis hierher führt müssen wir denselben Weg bis Gairloch zurück. Alles was ein Auge frei hat sucht angestrengten Blickes auf die Strasse. VIIIEEELLEICHT finden wir meine Kamera ja doch noch...die Hoffnung stirbt in so einem Fall ja bekanntlich zuletzt.
Irgendwann sehe ich eine Parkbucht und gegenüber eine Radarkuppel auf einem Bergrücken. Hier hatten wir doch eine Pinkelpause bei der Hinfahrt eingelegt. Hoffnung keimt auf und ich versuche auf der vermoosten Hochfläche meinen Pinkelplatz zu lokalisieren. So stolpere ich einige Zeit in der Wildniss herum und dann auf einmal sehe ich die Kamera auf einem Grasbüschel vor mir im Dreck liegen. Das Display war sogar noch an. Sack und Asche...ist mir das Teil doch tatsächlich beim pinkeln aus der Tasche gefallen. Puhhhh...Glück gehabt. Das ich das Dingens wirklich wieder gefunden habe ist mit einem Lottotreffer gleich zusetzen. Naturalmente war der Tag jetzt für mich gerettet und die Laune hat sich schlagartig verbessert.
Am Campingplatz von "Big Sands" versuchen wir dann eine Kaffeepause einzulegen. Etwas abtrocknen wäre auch nicht schlecht. Keine Chance...alles geschlossen...wer kommt auch schon bei solchem Wetter vorbei??? WIR!
Wieder in Gairloch angekommen ist der erste Pub unser. Der Kellner empfängt uns mit gewohnter Freundlichkeit...aber ich denke mal im Hintrkopf war er nicht so angetan von den 4 patschnassen Bikern und den Wasserlachen die sich schlagartig auf dem Fussboden gebildet hatten. Egal, nach einem Heissgetränk und einer Kleinigkeit zum schnappulieren sah die Welt doch schon besser aus.
Loch Tollaidh
Wir fahren weiter bis zur Einmündung der A832 und folgen dieser Strasse in östlicher Richtung.
Unterwegs passieren wir das malerisch gelegene Loch Tollaidh.
Weiter, immer am River Ewe entlang, führt uns die Strecke hoch über dem Loch Ewe entlang bis wir bei Aultbea eine kurze Rast einlegen.
Unten am Ufer des Loch Ewe liegt die Landungsbrücke der Nato Refuelling Station.
Hier legen die Kriegsschiffe der Royal Navy und ihrer verbündeten Seestreitkräfte an um Treibstoff zu bunkern.
Heute herrscht am Pier jedoch keinerlei Betriebsamkeit zu erkennen und so machen wir uns wieder auf die Socken.
Poolewe
Kurz danach durchfahren wir Poolewe, ein kleines aber schuckeliges Städtchen direkt am Ufer des Loch Ewe.
Hier wäre normalerweise ein Besuch des berühmten Inverewe Garden mit seiner üppigen subtropischen Pflanzenwelt angesagt gewesen.
Da uns der schottische Wettergott heute aber schon genug begossen hat lassen wir den Garten links liegen und fahren auf der kurvenreichen Strasse weiter Richtung Norden.
Kurz vor Laide fahren wir eine steile, ins Tal führende Strasse hinunter. Hier biegen wir nach links auf eine Nebenstrasse nach Opinan ab.
Das einsame Gässchen führt jetzt in weiten Schwüngen durch die vor uns liegende Heidelandschaft bis nach Mellon Udrigle. Hier biegen wir auf den offenen Campingplatz ab und ein paar Meter weiter stehen wir am feinsandigen Beach der Udrigle Bay.
Der Regengott hat wahrscheinlich ein einsehen mit uns und stoppt...wer weiss wie lange...den Regen. So stellen wir die Moppeds am Rand der Dünen ab und in voller Montour wird der Sandstrand erkundet. Schade nur dass alles etwas trüb ist und nicht wenigstens ein oder zwei Sonnenstrahlen das triste Wetter aufhellen. Aber der Wetterkasper da oben kann uns mal kreuzweise. Wir haben auch so unseren Spass.
Gruinard Bay
Nach der verdienten Wasserpause fahren wir zurück bis zur A832.
Immer entlang der Gruinard Bay mit traumhaften Ausblicken auf Sanddünen und dem tollen Küstenstreifen folgen wir der Strasse, die nun in südöstlicher Richtung abknickt.
Über Mungasdale führt der Weg durch die schottischen Highlands. Rechts und links jagen sich die spektakulären Ausblicke auf weite Täler und wildromantische Berge. Regenbänder vor uns...seitlich auch jede Menge...wir aber haben Glück und kommen trocken am Aussichtspunkt in Strahtmoore an.
Weit unten im Tal liegt der Loch Broom vor uns. Ein genialer Blick....und die Sonne spitzt so langsam durch die Wolken. Wird auch Zeit.
Neben uns stehen ein paar Motorradfahrer uns schauen andächtig und wie es scheint gedankenverloren ins weite grüne Tal hinab. Die sind genauso hin und weg wie wir. Ich spreche die Gruppe an und siehe da es sind Engländer aus Newcastle. Sie erzählen uns voller Begeisterung dass sie zum ersten mal in Schottland unterwegs sind...die wohnen in Newcastle und waren noch nie in Schottland.???? Das verstehe wer will.
Wo wir hinwollen werden wir gefragt. Etappenziel sind die Falls of Measach mit der allseits berühmt-berüchtigten Hängebrücke über die Corries Hall Schlucht und danach zu unserem Tagesziel nach Ullapool.
Die englischen Kollegen informieren uns noch dass es unten im Tal zu einem schweren Unfall gekommen ist und die Strasse schon seit 2 Stunden gesperrt ist.
Nun denn, dann habe ich ja genug Zeit um mit Hildchen die schwankende Brücke zu erkunden...grinsgrins...Ein Schelm ist wer dabei böses denkt..!!!
Aber seht selbst....
und noch ein Hilde - Filmchen - zum besseren Verständniss..!!!
Na also....da hats der gar garstige Jürgen doch noch geschafft...der Hilde war das ganze dann doch zu heftig...Doppelgrins..!!!
Das gelbe Warnschild am Eingang zur Brücke war ja schon Warnung genug aber nach gutem zureden...tu doch..tu doch mal jetzt...hat Sie dann alle Hemmungen über Bord geworfen und sich auf die Brücke begeben. Bis zur Mitte gings ja gerade noch aber als das Teil anfing heftigst zu schaukeln und zu schwanken waren alle guten Vorsätze vergessen und schleunigst war Hilde mit kurzen, schnellen Schritten auf dem Rückzug. Es geht halt nichts über festen Boden unter den Füssen.
Der Herr des Wassers war inzwischen wohl zur Überzeugung gelangt, dass ir nun lange genug trocken waren und befehligte seine Truppen..sprich: viele schwarze Wolken...in unsere Richtung.
Wir also nix wie los, um die nächste Kurve herum und hinab ins Tal Strath More. Kurz danach sehen wir schon die Blechlawine vor uns. Die Strasse ist nach dem Unfall immer noch gesperrt. Sa stehen wir im heftigsten Platzregen kurz vor unserem Ziel. Na, BRAVO.
Wir nutzen die leere Gegenfahrbahn und tasten uns langsam bis an den Anfang des kilometerlangen Staus. Was'n hier los...fragen wir ein paar Engländer die neben uns am Strassenrand stehen. Muss wohl ein heftiger Motorradunfall stattgefunden haben. Vom Unfall ist nichts zu sehen. Ein Ambulanzwagen seht da noch rum und ein paar Leute kehren ein paar Trümmer zusammen.
Wir haben Glück, eine Viertelstunde später ist die Strasse wieder frei und wir sehen zu, dass wir auf kürzestem Weg nach Ullapool kommen.
Vor dem Ferry Boat Inn wird gerade ein Parkplatz frei und so haben wir nur ein paar Meter ins B&B. Raus aus den patschnassen Klamotten, geduscht und hinab ins Pub. Hunger und Durst müssen dringenst bekämpft werden. Während des Essens machen wir noch Bekanntschaft mit einem deutschen Päärchen. Die sind auch schon eine Weile hier in Schottland unterwegs. Gregor und Anette kommen aus Wiesbaden und machen hier Wanderurlaub. Wir schwärmen gemeinsam von Schottland.
Kurze Bemerkung meinerseits: Schottland zu Fuss..? NeNe, das ist nichts für Vaters Sohn..da hätte ich massive PS-Probleme..!! Da die beiden am selben Tag und auf dem selben Schiff wie wir zurück nach Deutschland fahren, wird ausgemacht dass wir uns zusammen dort treffen wollen.
Nach der Fütterung verlegen wir unseren Standort nach nebenan und in Reichweite der Bar und der Zapfhähne.
Hier treffen wir abends dann auch die zwei Engländer vom Unfall wieder. Sie sagen uns dann, dass der beteiligte Motorradfahrer den Unfall nicht überlebt hat. War wohl eine Frontalkollision mit einem Kleintransporter beim Überholvorgang. Wenn man sowas zu hören bekommt beschleichen einem doch erstmal mulmige Gefühle.
Als Biker hast du halt mal keine Qnautschzone und jeden Fehler bezahlt man eventuell mit dem Leben............
Das Ehepaar, Marian und Joe, kommen aus Newcastle und sind hier mit ihrer fetten geilen 6-Zylinder Honda Valkyrie unterwegs. Wir kommen ins Gespräch...jede Menge Benzingebabbel... und der Abend wird insgesamt sehr lustig. Im Pub ist mittlerweile die Hölle los, die einheimischen Scotsman und Frauen, allesamt völlig losgelöst, hauen sich den Wkisky literweise in den Kopf, wir Guiness in rauhen Mengen und diese Mixtur treibt die Stimmung weiter in die Höhe.
Irgendwann geht dann nichts mehr und wir schleichen uns Todmüde in die Betten.
Resümee: Es war heute sowas von nass...aber trotzdem affengeil..!!!
