Reisebericht - Motorradtour Dolomiten 2000

Jürgen - Hilde - Udo - Jutta - Liane - Karen - Alfred
Jürgen - Hilde - Udo - Jutta - Liane - Karen - Alfred

Irgendwann im Juni 2000, es war jedenfalls Freitag frühmorgens um 4°°, also  zu einer menschenverachtender Zeit, trafen sich vier verrückte mit ihren Frauen an der DEA-Tankstelle, Goldbacherstrasse in Aschaffenburg.

Zweck des Treffens war eine geplante Motorradtour in die Dolomiten.

Genauer gesagt, wollten wir zum Rafreiderhof nach Sankt Peter / Lajen ins Grödnertal fahren.

Die Anfahrt erfolgte dann problemlos über die A7 bis Pfronten und weiter über die B 314 bis zum Fernpass. Ursprünglich war geplant, über Innsbruck und dann den alten Brennerpass zu fahren.

Da wir aber sehr gut in der Zeit lagen, entschlossen wir uns, bei herrlichem Traumwetter, durch das Ötztal zu fahren und dann weiter nach Italien über das Timmelsjoch und den Jaufenpass bis nach Sterzing zu rollen.

letzte Rast vor dem Timmnelsjoch
letzte Rast vor dem Timmnelsjoch

Auf der kurvigen Anfahrt zum Timmelsjoch legte Jürgen mit seiner Trophy dann  ein ganz schön flottes Tempo vor. Auf der Rückbank wurde Hilde zusehends unruhiger, wahrscheinlich in dem Wissen, WEHE wenn er losgelassen....

Alfred mit Karen folgte aber mit seiner Doppel-X, egal was kam. Folglich hatte Karen schon die ersten Schwindelanfälle zu ertragen. Na ja, Parkplatz für kurze "ERHOLUNG" angefahren, Standpauke der Beifahrerinnen angehört um danach gaaaanz entspannt bis zum Timmelsjoch weiter zu fahren. Kommentar von hinten: Siehste, geht doch.....GrrrrrRRRR.

Dann, am Mauthäuschen, Udo hatte gerade mit seiner RT die Schranke passiert und Jutta wollte zu Fuss und mit gesenktem Haupt langsam hinterher. Die sich aber in diesem Moment senkende Schranke sagte sich: zuuu  laaaangsam und haute Jutta volles Programm auf den zum Glück behelmten Kopf. Ein gellender Aufschrei: AUAAAAAA. Wer da wohl die Brüller auf seiner Seite hatte muss ich ja wohl nicht betonen.

Wie saaacht man: leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen und geben eine gesunde Gesichtsfarbe.

Timmelsjoch
Timmelsjoch

Nach dieser "Aufregung" genossen wir dann noch einige Zeit den grandiosen Rundumblick der sich uns bot.

Die nun auf der italienischen Seite folgende, mit Kurven gespickte Abfahrt, erwies sich für unsere, allesamt vollbeladenen Bikes, als wahre Bremsen -Teststrecke.  Auf einem Parkplatz fiel uns dann auch "leichter Asbestgeruch" auf. Udo fragte in die Runde: hier brennt doch was? Unsere Antwort kam postwendend: Duuuuuu. Klarer Verlierer der Abfahrt: Udo's kollabierende, stinkende, funkensprühende hintere Bremsanlage der RT. Mittagspause war also dringenst angesagt.

Am Gasthof gegenüber genossen wir dann "Spaghetti Bolognese und bleifreie Getränke". Auf der Aussichtsterasse kamen dann auch schon wieder erste Witzchen und das obligatorische Gefrozzel über das vorher erlebte auf. 

 

Timmelsjoch Abfahrt
Timmelsjoch Abfahrt

Satt und gutgelaunt - Udo fasste wieder Vetrauen in seine mittlerweile wieder abgekühlte Bremse - ging es dann weiter an den steilen Abhängen des Timmelsjochs ins Passeiertal hinunter. Hier fehlten jegliche Randsicherungen oder Randmauern, im Fachjargon auch "Dackelmauern" genannt, an der Strassenführung. Von Leitplanken keine Spur. Des Bikers Blick schweift also ungehindert über tiefe, steile Abhänge.

Hilde reagiert in der Regel auf solche Umstände mit gesteigerter Unruhe und kompensiert diese mit einem gesteigertem, zu 100% bergaufwärts gerichtetem Interesse an Fauna und Flora.

Endlich, Hilde hat schon einen steifen Hals vom ständigen hochschauen, im Tal angekommen, führt unser Weg weiter in Richtung Jaufenpass.

Blick vom Jaufenpass
Blick vom Jaufenpass

Die Rampe hoch zum Jaufenpass erweist sich wieder als fahrerischer Leckerbissen für jeden Motorradfahrer. Für unsere Sozias nicht so....!

 

Unzählige Steilkurven, hier in Italien heissen die jetzt "Tornanti" die bei jeder Durchfahrt das Herz höherschlagen lassen. Von den Ausblicken ganz zu schweigen.

 

Hier machen wir zum letztem Mal an diesem Tag Rast bevor wir Richtung Sterzing aufbrechen.

 

Mir schwante, dass unsere Frauen insgeheim Stossgebete - bittebittebiiiittttteeee heute keine Pässe mehr - ausgesandt haben. Also sind wir locker und flockig den Jaufen hinunter ins Tal gefahren.

In Sterzing angekommen, biegen wir auf die SS 12 ein, die sich im weiteren Verlauf an der Eisack in Richtung Bozen entlangschlängelt.

An der "Sachsenklemme", einem Bikertreff in Nähe der Franzensfeste, machen wir dann doch nochmal eine Cappucino - Pause. So langsam fängt jetzt auch bei manchem von uns der Hintern an, sich bemerkbar zu machen. Weiter geht's und kurz vor Klausen weisst uns das Hinweisschild "Val Gardena" die Richtung.

Wir verlassen die mittlerweile docht recht überfüllte SS12 und überqueren zum letzten Mal die Eisack.

Jetzt sind es nur noch ein paar Kilometer bis zum "Ponte Gardena". Ab hier schwingt sich die Strecke immer weiter an den Hängen des hier beginnenden Grödner Tales hoch und gibt nach jeder Kurve faszinierende Ausblicke frei. Noch ein paar Tunnels und wir sind (endlich) am Rafreiderhof, unserem Quartier für die nächsten Tage.

Allerdings, die Auffahrt zum Hof selbst war dann dann doch noch so eine Sache für sich.

Keiner von uns hätte im Traum noch mit Schwierigkeiten gerechnet.

Aber diese Auffahrt belehrte uns, hündemüde und fertig wie wir waren, EINES BESSEREN.

 

Alfred ahnte damals noch nicht, dass ausgerechnet diese Auffahrt ihm zu seinem späteren "PSEUDONYM" verhelfen würde.

Aber davon später mehr.

 

siehe Seite 2