ein paar Anekdoten dieser Motorradtour... mehr gibt das Gedächtniss nicht mehr her. Sorry....

Omega mit Moppedanhänger
Omega mit Moppedanhänger

Wir schreiben das Jahr 2001. Juli. Und es war wieder mal soweit. Geplant war eine Motorradtour nach Tignale am Gardasee.  Dort wollten dann über dass Wochende Bernhard & Liane zu uns stossen. Unsere Anfahrt erfolgte dieses Mal nicht per Mopped sondern wir nahmen aus Rücksicht auf Hilde ( bei so langen Anfahrten spielt ihr "Hintern", sprich Sitzfleisch, nicht so ganz mit. Ausserdem hat sie was gegen Regenfahrten. ) unsere Motorräder mit dem Anhänger mit.

Bei der nächtlichen Anfahrt saß Hilde dann auch ganz entspannt im trockenen, vor allem warmen Auto und lästerte grinsend über diejenigen Moppedfahrer ab, die bei Dauerregen, der bis nach Grenze Italien anhielt, auf der Autobahn an uns vorbei zogen. Na ja, soviel Übermut wird dann ja meistens bestraft. Bei morgendlicher Ankunft in Riva hatten wir dann den Salat. Kilometerlanger Stau im Ort. In Deutschland hatten wir ja schon gehört, dass die Uferstrasse von Riva nach Tignale schon im Herbst des letzten Jahres nach schweren Unwettern teilweise komplett abgerutscht und deswegen nicht befahrbar war. Mir mussten also von Riva nach Limosine mit der Fähre übersetzen. Eine Seefahrt war also angesagt. Hildes absoluter "Traum(a)" wie auch an ihrem leicht flackernden Augen zu sehen war. Nun mussten Alfred und ich mit eiserner Gewalt ein Grinsen unterdrücken.....weil, fürchte des Weibes Zorn!

eine Seefahrt die ist lustig.....
eine Seefahrt die ist lustig.....

Unter Geläster unsererseits, wie: das Wasser hier ist nicht so tief - Das Schiff ist ja noch nicht sooo alt - usw....- betrat Hilde mit sichtlich gemischten Gefühlen die Fähre. Während der Überfahrt hielt sie sich dann meistens auch mit eisernem Griff an der Bordreling fest. Das "fröhliche" Bild links ist gestellt und ich musste ein paar mal knipsen bis das lächeln einigermassen glaubhaft wirkte. Der Rest der Überfahrt ging dann problemlos von statten. In Limone angekommen verlissen wir die Fähre und fuhren das letzte Stück auf der "Occendtiale" weiter bis zur Abzweigung nach Tignale. Nun ging es unser Traumsträsschen, gespickt mit allem was sich ein Motorradfahrer wünscht hoch, zu unserem Leidwesen mit dem Auto. Wir waren schon kurz davor die Moppeds abzuladen was an Hildes Veto scheiterte. So fuhren wir mullend und knullend bis zum unserem Hotel "Gallo" ( der Hahn ) weiter. Angekommen - Anhänger abladen - Zimmer beziehen. Alfred und ich sind dann noch mit den Moppeds eine kurze Erkundungstour gefahren und gegen späten Nachmittag kamen dann auch Liane & Bernhard mit ihrer Aprilia an. Den Tag liessen wir dann gemütlich ausklingen. Will heissen - gut gegessen und dann noch ein paar Bierchen mit Ausblick auf unsere Hauskurve zischen.

Morgens bei strahlendem Sonnenschein trafen wir uns auf der Terasse. Hier bot sich uns ein gigantischer Blick über den ganzen südlichen Gardasee und den zum greifen nahen gegenüberliegenden Monte Baldo.

Da mein Gedächtniss nach so langer Zeit doch schon grössere Lücken aufweisst, weiss ich nicht mehr genau wo wir zusammen die zwei folgenden Tage überall herumgefahren sind. Eine richtige Tourbeschreibung ist jedenfalls so nicht mehr möglich. Also folgt hier nur eine kleine Bildergalerie von den zwei Tagen.

Bilder zum vergrössern einfach anklicken

Diese Story vergesse ich in hundert Jahren nicht

Passo di Maniva...oder wie Hilde sagen würde: hauehauehaue..meine armen Nerven...!!!

Nachdem wir am nächsten Morgen die Aulbach's verabschiedet hatten die leider wieder nach Hause mussten, überlegten wir wo wir heute die Gegend unsicher machen wollten. Wir entschieden uns am Lago di Garda über Gargano nach Salo zu fahren. Es zeigte sich ein strahlend blauer Himmel und so genossen wir die gemächliche Fahrt aud der Uferstrasse am See entlang. In Salo sind wir dann Richtung Val Trompia abgebogen. Hier wurde dann der Verkehr  wesentlich ruhiger und die Strasse schlängelte sich erstmal durch malerische Täler. Kurz danach war dann aber Schluss mit ruhig. In Richtung Collio durchfuhren wir dann die nächsten 30 Kilometer das "Leidersbach des Südens". Will heissen das die gesamte Strecke durch ein kilometerlanges Tal mit lauter zusammenhängenden Dörfer führte. Die Strecke kann man getrost den Hasen geben. Das war mal ganz und gar nichts für uns. Nächsten Parkplatz angefahren und auf der Karte nach einer Alternativroute gesucht. Aber es gab nur eine wo der Rückweg über die selbe Strecke ausgeschlossen war. Und die führte ab Collio hoch zum Passo di Maniva. Also nix wie los. In Collio rechts abgebogen und dann wieder auf süchtig machenden Strecken hoch zur Berghütte. Das war wieder Bikerfeeling pur.

"Wanderweg" am Pso di Maniva
"Wanderweg" am Pso di Maniva

Hier war jetzt erstmal eine Cappucino - Pause angesagt. Wir haben uns vor die Hütte auf eine Bank gesetzt und die atemberaubende Landschaft ringsherum genossen. Das Schild zum Pso.di Maniva zeigte uns eine am Hang liegende Strecke. Da müssen wir hin, kam von Alfred und mir. Hilde beäugte das Teil mit argwöhnischem Blick und sagte zu uns: das ist doch wohl ein WANDERWEG und keine Strasse!!!!!!!

Bei uns kam schon wieder innerliches Grinsen auf. Die nächsten Minuten hörte man nur noch - ...Wanderweg...nö...doch Wanderweg...nönö...da kommt gar keiner gefahren....Doch ein Wanderweg....NÖÖÖÖÖ. Jedenfalls um Hilde zu beruhigen, fragte ich dann die Kellnerin auf bestem italienisch(hihihi), Zeigefinger erst auf unsere Moppeds und dann auf das braune ETWAS gerichtet, ob dass der richtige Weg sei und ob dieser auch befahrbar wäre. Die gab uns auch dann umgehend und überschwenglich die Auskunft: Si..Si...BellaBELLA...molto bellisimo... piano...piano. Für uns war klar was die Maid meinte. Super Strasse. Tolle Aussicht aber langsam tun. Hilde traute der Sache immer noch nicht bis dann auf einmal ein Motorradfahrer die Strecke herab kam. Nun waren die Würfel endgültig gefallen und Hilde fügte sich in ihr Schicksal.

 

so siehts da öfters aus
so siehts da öfters aus

Moppeds aufgesattelt und runter vom Parkplatz. Nach ein paar Metern hinter einer Kurve richtete sich der Blick auf eine vor uns liegende Unterbrechung des Teerbandes. Von oben kam noch ein Motorradfahrer. Schotterstrecke. Na ja, kein Problem für unsere FJR's. Gas und ab. 

Ich also mit Hilde ins Schotterfeld rein und im selben Moment kam das erwachen. UPPS - SCHOTTER war daaaas nicht. Das war lockeres GROBgeröll von einem älteren Erdrutsch. Wie auf dem Bild rechts, nur glattgeschoben. Die FJR fing gewaltig zu hüpfen an und Hilde bearbeitete meine Rippen Nr. 6-9 genauso gewaltig. Wiiiieeeso?? Mittlerweile war der entgegenkommende Motorradfahrer auf meiner Höhe angekommen und ich hielt mitten auf dem Geröllhaufen an. Von hinten hörte ich nur: Jaaaa NIIIIIICHT anhalten. War mein Bruder der wohl mit meiner Anhalteaktion nicht so ganz einverstanden war. Wieder wiiiieeesooo??? Der andere Moppedfahrer ( 1200er Bandit ) fragte mich wo wir denn hinwollen. Meine Antwort: Da wo du herkommst. Mittleidig schaute er uns und dann unsere Moppeds an und sagte das dass wohl mit unseren Teilen nichts werden würde und fuhr davon. Da hat er dann aber mein tiefstes Ego getroffen. Ich dachte mir nur - DA wo der herkommt komme ich noch lange hin!!  Ersten Gang rein und unter wildem Protest von hinten ging die wilde Jagd weiter. Nach ca.50 Metern wars dann geschafft und ein ganz normaler zweibahniger Feldweg lag unter den Motorradreifen. Kurz darauf, nach der nächsten Kurve wieder guterhaltener Teerbelag. Erstmal Pause machen und etwas ablüften. Unterm Helm war es doch etwas wärmer geworden.  

leicht blass
leicht blass

Jetzt standen wir da und überlegten ob wir weiter fahren sollen oder nicht. 

 

Hildes Gesicht sprach Bände. Siehe Bild. Murmelnd kam über ihre Lippen - so ein blödes Mensch von Bedienung.

 

Von wegen Bella. Der könnte ich BELLA geben.....Und DUUUU musst da auch noch drüber fahrn. IHR zwei DEPPEN......gemeint war Alfred und meiner einer.

 

Ja, nun wars zu spät und erst ich und dann der Rest kamen zur Erkenntniss - NENE über dieses Geröllfeld fahren wir nicht zurück. Also weiter straight ahead.

Start ins ungewisse
Start ins ungewisse

Da wo wir gerade Pause gemacht hatten stand zwar eine Absperrung. Die war aber auf die Seite geschoben ( nicht von uns ). Ein Verbotsschild war weit und breit nicht zu sehen. Daheim, erst beim sichten der Fotos, haben wir dann doch eins gesehen. Siehe Bild oben links. Der rote Pfeil.

Es war also doch eins da, allerdings hat es versteckt im Gras gelegen. Muss wohl jemand abmontiert haben. Später merkten wir dann dass es zu recht angebracht gewesen wäre.

Jedenfalls, nachdem sich die Gemüter etwas beruhigt hatten fuhren wir guten Mutes weiter. Das vor uns liegende Teerband sprach ja auch nicht dagegen. Das Srässchen verlief die nächsten Meter ganz gemach und führte uns durch eine atemberaubende Felslandschaft. Kurz darauf wurde die Strecke schmäler und schmäler, die seitlichen Abgründe kamen der nicht vorhandenen Streckenbegrenzung immer näher. Teilweise konnte man hunderte von Metern in die Tiefe schauen. Nur Hilde nicht, die schaute wieder mal verkrampft nach oben. Da ich immer mehr links an den Rand fuhr um freien Blick zu haben fing Hilde laut an zu schreien - FAHR DUUU DA MAL WO DUU FAHREN MUSST. Alfred bescheinigte später eine dermassige Lautstärke dass er jedes Wort einige Meter hinter uns verstanden hat. Wohl gemerkt mit Helm auf. Nun ging die Strecke erst richtig ab. Die Fahrbahn wurde immer schmäler und zusehendst zerfledderter. Löcher so groß dass man sich ohne Probleme hinein legen konnte. Teer weg dann wieder da. Schotter und Kiesstrecken wechselten sich ab. Dann um eine Kurve herum ein grandioser Blick. Der "WEG", gerade mal breit genug für uns,  führte leicht bergauf zwischen zwei Felsgipfeln über einen ca. 200 Meter langen Grat hinweg. Rechts und links nichts ausser Abgrund. Ich merkte wie sich zwei "Schraubzwingen" von hinten an meine Ar...backen anlegten. Es waren diesmal Hildes krampfende Oberschenkel. Mit dem Druck hätte man Walnüsse knacken können.  

Ich steig hier nicht ab... Ich nicht!!!!
Ich steig hier nicht ab... Ich nicht!!!!

Auf den ersten Metern dieses Grates habe ich dann angehalten. Ein Satz zeriss die Stille: Musst du hier anhalten? Wieso hälst du überhaupt an? Ich will Fotos machen war meine Antwort. Darauf Hilde - Ich steig hiiiier auf gaaar keinen Fall ab!!!! Na, dann bleibst Du halt sitzen sprach ich, klappte den Seitenständer herab und verliess das Mopped. Hinter mir blieb mein Hildchen wirklich, steckensteif vor Angst, jetzt das Motorrad mit den Oberschenkeln umklammernd, als eine unlösbare Einheit auf dem Bock sitzen. Ein Bild für die Götter. Alfred musste sich hinten aufkommendes Gelächter verkneifen. Ich hab dann schnell die Fotos gemacht. Irgendwie fühlte ich dabei den "bösen Blick" im Nacken.

Aber, es sollte noch besser kommen.

Nach dieser Aktion fuhren wir dann über den "schmalen Grat". Die FJR blubberte im ersten Gang, Hildes Blutdruck war mindestens im 5.ten Gang. Am anderen Felssporn angekommen sahen wir in ein paar hundert Metern Entfernung unseren Holperweg in einem schwarzen Loch verschwinden. Sackgasse oder Tunnel war die Frage. Es war ein Tunnel. Der Zustand des Einganges war schon nicht vertrauenserweckend aber was sollte uns noch schrecken? Also ohne Erbarmen durch war die Parole. Es wurde sackdunkel. Selbst die starken Halogenbrenner der FJR waren kaum in der Lage genügend Licht zu verbreiten. Die Motoren und die Abgastüten verbreiteten ein Donnergrollen in der dunklen Röhre.

Unter Tage
Unter Tage

Irgendwann tauchte vorne ein Lichtpunkt auf. Das musste endlich der Tunnelausgang sein.  Der Lichtpunkt kam zusehenst näher. Es war der Tunnelausgang. Aber man sah nur Himmel, sonst nichts. Im selben Augenblick fing der Weg an wie eine Rampe nach oben anzusteigen. Hilde fing an nervös auf dem Mopped herumzuhopsen. Ich dachte was geht denn jetzt ab. Die Rampe wurde zusehendst steiler also gab ich mehr Gas was Hilde glauben liess, dass der Irre da vorne wohl mit Vollgas aus dem Loch durchbrechen will und fing voller Panik das schreien an: Jürgen..bitte..JüüürgenJÜÜÜRGEN..Halt bitte an..bittebitteBIIIIITTTTTTE...wenn du nicht sofort anhälst springe ich ab...Ich springe!!!!!   

Ganz verrückt bin ich ja auch nicht. Als ich merkte das die Rampe immer weiter zur Tunneldecke anstieg, also der Querschnitt der Röhre immer enger wurde, blieb mir gar nichts anderes übrig als den Bremsanker zu werfen. Notbremsung im Tunnel kommt auch gut, das könnt ihr mir glauben. Hinter mir stoppte, zum Glück rechtzeitig, auch mein Brüderle. Als sich der Staub verzogen hatte sahen wir die ganze Misere vor uns. Das letzte Stück des Tunnels war eingebrochen und gab nur noch erhöht den Ausgang frei. Wären wir weitergefahren hätten wir wie Korken im Loch gesteckt. Was nun? Wir standen auf einer halben Meter breiten Rampe, knapp unter der Tunneldecke, der Tunnelausgang eingebrochen.

Nach Inspektion der Lage hieß das Ergebniss: Vor dem Einbruch des Tunneleinganges war die Strasse wieder problemlos befahrbar aber aus dem Tunnel kommen wir fahrend niemals nie nicht heraus, jedenfalls nicht in dieser Richtung. Mein Bruder prägte damals einen Satz der mir, heute zumindestens, jedesmal schallendes Gelächter entlockt: Bevor ich auch nur einen Meter zurück fahre grabe ich mich mit meinen blanken Händen hier heraus und wenns Oktober wird. Er sprach damit nur aus was wir alle dachten.

Was muss man sich nun vorstellen? Da stehen drei verstaubte Gestalten in einem eingefallenen Tunnel und versuchen zwei 285 Kilo schwere Motorräder über einen fast 2 Meter hohen Geröllabhang zu hieven. Alfred und ich, Hilde war mittlerweile bereit hier zu sterben, suchten irgendwas brauchbares um eine sowas ähnliches wie eine Aufahrrampe zu bauen. Glücklicherweise fanden wir Teile von Schalbrettern. Wie die Ägypter beim Pyramidenbau haben wir mit Steinbrocken eine Schiebestrecke aufgeschichtet und die Bretter darauf gelegt. Dann versucht mal den Brocken von FJR langsam den Geröllhang hoch zu bugsieren und auf der anderen Seite knapp 2 Meter wieder hinab auf die Strasse zu bringen. Das wenn möglich unbeschädigt. Und das alles 2mal. Ich sage euch, wir haben zu dritt geezerrt und geschoben was unsere Muskeln hergegeben haben. Unsere Lungen und Schläfenadern sind fast geplatzt und wir waren nach Abschluss dieser bis heute einmaligen Aktion bis auf die Haut sowas von durchgeschwitzt und fix und alle. Aber wir habens geschafft und vor dem Ausgang minutenlang schallend gelacht. War das der Anfang des Wahnsinns?

Ich lebe......
Ich lebe......

Nun denn. Als wir nach einiger Zeit abgelüftet waren nahmen wir dann schleunigst das letzte Stück hinab zum Lago de Idro in Angriff. Nach ein paar Kurven saßen da ein paar Strassenarbeiter am Rand der Strecke. Die waren mit Reparaturarbeiten im Gange. Die waren sichtlich erstaunt und fragten sich offensichtlich von welchem Planet wir denn kommen. Die fragenden Gesichter sehe ich heute noch vor mir.

 

 

Am Idrosee angekommen hatten wir uns dann erstmal Durstlöscher und Cappucino in rauhen Mengen verdient. Wie man auf dem Bild sieht war Hilde da noch irgendwie im Nirwana und überlegte noch von welchem Elch sie denn heute geknutscht wurde. Hat sich aber schnell gegeben und nach einiger Zeit fing sie zu sinnieren an: Wenn mich das heute nicht fertig gemacht hat und ich war dem sterben nah,  dann kann mich nichts mehr erschüttern!!! RESPEKT!!! 

Dies war wieder mal ein sogenanntes Highlight unserer Touren. Wir können machen machen was wir wollen aber 1x pro Tour gelingt uns so etwas.

In diesem Sinne.